Der Automobilkonzern Daimler-Chrysler hat einen herben Rückschlag durch seine Chrysler-Gruppe erlitten; die bisherigen Ergebnisziele des Konzerns sind obsolet geworden. Im zweiten Quartal werde Chrysler wahrscheinlich einen operativen Verlust von rund einer Milliarde Euro ausweisen, gab der Stuttgarter Konzern am späten Dienstagabend überraschend bekannt. In den ersten drei Monaten hatte die Gruppe noch einen Betriebsgewinn von 152 Millionen Euro ausgewiesen. Hintergrund der derzeitigen Lage sei vor allem die ruinöse Rabattschlacht zwischen den amerikanischen Herstellern, welche in den vergangenen Wochen noch an Härte zugenommen habe, heißt es.
Das Unternehmen muß wegen der durch die Preiskämpfe ausgelösten Wertverluste nun eine halbe Million bei den Händlern stehende Fahrzeuge sowie die Restwerte der Leasingfahrzeuge neu bewerten. Für das Gesamtjahr wird für Chrysler daher nur noch mit einem leicht positiven Betriebsergebnis (operating profit) gerechnet. Das frühere Ziel eines Anstiegs um mehr als die Hälfte auf 2 Milliarden Dollar war allerdings bereits im April in Frage gestellt. Auch der Gesamtkonzern bekommt die neuerlichen Probleme bei Chrysler deutlich zu spüren: Für das Jahr 2003 erwarte man nun nur noch ein Betriebsergebnis von 5 Milliarden Euro, heißt es in der Pressemitteilung. Bislang war ein operativer Gewinn oberhalb des Vorjahreswerts von 5,8 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden.
S&P-Rating herabgesetzt
Zudem droht dem Konzern nun eine Verteuerung seiner Fremdfinanzierung: Die Ratingagentur Standard & Poor's senkte ihren Ausblick von "stabil" auf "negativ", bestätigte aber das aktuelle Rating mit "BBB+". Als Folge zog Daimler-Chrysler die Begebung einer Anleihe im Volumen von 2,5 Milliarden Dollar zurück. Auch die Aktie wurde von einigen Analysten herabgestuft, teilweise rieten die Banken zum Verkauf der Papiere. An der Börse fiel der Aktienkurs um rund 4 Prozent auf 25,6 Euro und war damit etwa halb so viel wert wie vor einem Jahr.
In jüngster Zeit haben sich die Anzeichen gemehrt, daß Chrysler in Turbulenzen gerät. So wurden vor zwei Wochen die Pläne für ein neues Werk in Kanada aufgegeben, in das Chrysler ursprünglich eine Milliarde Dollar investieren wollte. Ende vergangener Woche erreichte die Krise auch das Management: Der Marketing-Chef Jim Schroer hat das Unternehmen verlassen. Schroer war ein Gegner von großzügigen Rabattprogrammen. Zum Ersatz schickte Daimler-Chrysler neuerlich einen Deutschen nach Amerika: den gebürtigen Stuttgarter Joe Eberhardt.
"extremer" Krieg an der Preisfront
Obwohl Chrysler über einen "extremen Krieg" an der Preisfront klagte, hat das Unternehmen diesen noch tags zuvor selbst angeheizt. So werden die zinslosen Finanzierungsprogramme mit Laufzeit von fünf Jahren auf die meisten Modelle bis zum September verlängert. Auch werden großzügige Barrabatte angeboten, für einzelne Modellen bis zu 4500 Dollar. Die neue dreimonatige Aktion wird nach Unternehmensangaben einschließlich Werbekampagne 100 Millionen Dollar kosten. Chrysler erlitt im Mai auf dem amerikanischen Markt einen Absatzrückgang von 3 Prozent auf 217 000 Fahrzeuge.