25.08.2004 · Der Autobauer Opel verlangt in den laufenden Tarifverhandlungen Zugeständnisse bei Einkommen, Sozialleistungen und Arbeitszeit. Der Betriebsrat fordert im Gegenzug eine Beschäftigungssicherung sowie Kapazitätszusagen.
Der Autobauer Opel fordert in den laufenden Tarifverhandlungen Einschnitte bei Einkommen, Sozialleistungen und Arbeitszeit von seinen Beschäftigten. Ein entsprechendes Forderungspaket sei den Arbeitnehmervertretern am Dienstagabend vorgelegt worden, teilte der Gesamtbetriebsrat am Mittwoch in Rüsselsheim mit.
Der Betriebsrat verlangt im Gegenzug eine Beschäftigungssicherung bis mindestens 2010 und Kapazitätszusagen für die deutschen Standorte mit insgesamt 32 000 Mitarbeitern. Im Gegensatz zum Konkurrenten Volkswagen war der Konflikt bei Opel bisher von Kompromißbereitschaft geprägt.
Einzelheiten noch nicht bekannt
Über Einzelheiten hüllten sich beide Seiten in Schweigen. Es sei bei dem ersten Gespräch nach den Werksferien auch nicht über konkrete Punkte debattiert worden, vielmehr seien die unterschiedlichen Vorschläge für Sparmaßnahmen zur Sprache gekommen, sagte ein Unternehmenssprecher.
Der Betriebsrat strebt bei Opel eine ähnliche Vereinbarung an, wie dies die IG Metall in den Mitte September beginnenden Verhandlungen über einen neuen Haustarif bei Volkswagen erreichen will. Dort fordert die Gewerkschaft eine zehnjährige Bestandsgarantie für die rund 100.000 Arbeitsplätze in den westdeutschen VW-Werken. Ähnlich der vor kurzem bei Daimler-Chrysler bereits getroffenen Vereinbarung über ein millionenschweres Sparpaket soll Volkswagen die Vergabe der Produktion von bestimmten Fahrzeugen, Komponenten und Aggregaten an bestimmte Werke zusagen, um die Arbeitsplätze zu garantieren. Dies lehnt der Wolfsburger Konzern ab.
Anpassung an Branchentarif möglich
Doch während bei VW ein neuer Haustarifvertrag verhandelt wird, geht es bei Opel um die Umsetzung des Tarifabschlusses in der Metall- und Elektroindustrie. Als wahrscheinlich gilt, daß die übertariflichen Entgelte und Sozialleistungen bei dem Unternehmen auf Dauer stärker an das branchenübliche Tarifniveau angepaßt werden sollen, zum Beispiel durch die Verrechnung von Lohnerhöhungen oder Streichung von Zulagen.
In den vergangenen beiden Jahren hatten Opel-Beschäftigte bereits Teile ihres Weihnachtsgeldes gestundet. Die Frist für eine Einigung hatten Geschäftsleitung und Arbeitnehmer auf Ende Oktober verlängert.
Opel-Werke in Deutschland wollen Kapazitäten zurückgewinnen
In den vergangenen Wochen waren die Gespräche von dem bevorstehenden Umbau des Europa-Geschäfts von General Motors (GM) überschattet, zu dem neben Opel auch Saab und Vauxhall gehören. Außerdem hatte die Entscheidung, einen Teil der Produktion des Kompakt-Vans Zafira von Bochum nicht ins Stammwerk Rüsselsheim, sondern ins polnische Gliwice zu verlegen, für Empörung gesorgt.
Der hochmoderne Rüsselsheimer Standort ist derzeit nicht ausgelastet, in der Produktion gilt bis Ende des Jahres eine 30- Stunden-Woche bei teilweisem Lohnausgleich. Der Betriebsrat sprach sich dafür aus, das Arbeitszeitmodell fortzusetzen.
Der Autokonzern unterhält in Deutschland Produktionswerke in Rüsselsheim, Bochum und Eisenach sowie eine Motoren- und Komponentenfertigung in Kaiserslautern. Die Adam Opel AG schrieb 2003 operative Verluste in Höhe von 384 Millionen Euro und steht unter hohem Kostendruck.
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