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Automobile Leysen greift Schrempp an

06.04.2004 ·  Vor der Hauptversammlung von Daimler-Chrysler hat der belgische Unternehmer André Leysen den Vorstandsvorsitzenden des Autokonzerns, Jürgen Schrempp, heftig kritisiert.

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Einen Tag vor der Hauptversammlung von Daimler-Chrysler hat der belgische Unternehmer André Leysen den Vorstandsvorsitzenden des Autokonzerns, Jürgen Schrempp, heftig kritisiert. "Schrempp hat keine Fortune und eine schlechte Strategie", sagte Leysen am Dienstag in einem Gespräch mit dieser Zeitung. So sei es falsch gewesen, Mercedes-Benz an Chrysler zu binden. Auch habe Schrempp bewiesen, daß er die Probleme mit Mitsubishi Motors nicht in die Hand bekomme, kritisierte Leysen.

Daher habe es einen "Hautgout", sagte er, daß Schrempps Vertrag jetzt sogar vorzeitig bis 2008 verlängert werde. Wenn man solch enttäuschende Zahlen mit Riesenverlusten für Chrysler und Mitsubishi vorlegen müsse, sei dies geradezu schamlos. Auf diese Weise werde gegen die Regeln guter Unternehmensführung verstoßen, sagte Leysen weiter. Der Aufsichtsrat habe sich damit zu früh gebunden: "Ein Mehr-Jahres-Vertrag ist ein Vermögen wert." Leysen wies darauf hin, daß solche Vorstandsverträge meist auch dann voll ausbezahlt würden, wenn die Amtszeit vorzeitig beendet werde. Als unschön bezeichnete er es überdies, daß auch der Aufsichtsratschef Hilmar Kopper, der frühere Deutsche-Bank-Chef, sich sein Gehalt deutlich habe aufbessern lassen. So etwas geschehe in Deutschland noch immer nach dem Motto "Gibst du mir, gebe ich dir". In Frankreich nenne man dies die "Republik der Kameraden". Ein Aufsichtsrat müsse aber unabhängig sein und den Vorstand kontrollieren.

Der Belgier Leysen war langjähriger Chef der Gevaert-Holding in Antwerpen und Aufsichtsratsmitglied bei etlichen deutschen Großunternehmen, darunter Bayer, BMW, Deutsche Telekom und Veba. Nunmehr versteht er sich als mahnender Wegbegleiter Deutschlands, das er wirtschaftlich ins Hintertreffen geraten sieht. Anteile an Daimler-Chrysler besitzt Leysen nach eigenen Angaben nicht. Insbesondere die Mitbestimmung in den Unternehmen hält er für überholt. Den Vorständen sei sie oft nützlich, weil diese durch Zugeständnisse an die Arbeitnehmervertreter eine effektive Überwachung verhinderten - auf Kosten des Unternehmens und der Aktionäre. Dies zeige auch der Mannesmann-Prozeß vor dem Landgericht Düsseldorf; dort hat der frühere IG-Metall-Chef Klaus Zwickel ausgesagt, er habe damals zwar nicht gegen die umstrittenen Millionenprämien gestimmt, sie aber auch nicht gebilligt, sondern nur "zur Kenntnis genommen". Leysen schließt daraus: "Die Mitbestimmung gehört dort eigentlich als siebter Beschuldigter auf die Anklagebank."

Quelle: jja., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2004, Nr. 83 / Seite 17
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