04.12.2004 · Bei Opel wird kommende Woche mit einer Teil-Einigung über Beschäftigungsgesellschaften gerechnet. Der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen könnte den Mutterkonzern GM bis zu 1 Miliarde Euro kosten.
Der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bei dem angeschlagenen Autobauer Opel könnten die amerikanische Konzernmuttergesellschaft General Motors (GM) zwischen 800 Millionen Euro und 1 Milliarde Euro kosten. Das hat die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (F.A.S.) aus Unternehmenskreisen erfahren.
Derzeit verhandelt die deutsche Opel-Geschäftsführung mit dem Konzernbetriebsrat, über eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft sowie Abfindungen betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Die Kosten für diese Regelung sind nach Informationen der F.A.S. eine hohe Hürde in den Verhandlungen. Der GM-Verwaltungsrat soll am Dienstag in Detroit den Vorschlägen zustimmen. Am Donnerstag will der Opel-Betriebsrat die Mitarbeiter informieren.
Arbeitergeber sowie Betriebsräte des Automobilherstellers gehen aufeinander zu. Betriebsbedingte Kündigungen werden immer unwahrscheinlicher. Dies war aus Unternehmenskreisen von Opel und des amerikanischen Mutterkonzerns General Motors zu erfahren. Beide Seiten stehen unmittelbar vor einer Vereinbarung über Transfer- und Beschäftigungsgesellschaften, in die ein großer Teil der von dem massiven Stellenabbau betroffenen Mitarbeiter überführt werden sollen. Ebenso könnte in der Frage von Altersteilzeit eine Einigung erreicht weren. Darüber hinaus geht es auch um Abfindungen für freiwillig ausscheidende Mitarbeiter.
Entgegenkommen von Vorstandsseite
„Es wird nicht über einen Sozialplan verhandelt“, sagte Gesamtbetriebsratsvorsitzender Klaus Franz der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Auch von der Unternehmensseite mehren sich die Stimmen, daß Entlassungen vermieden werden sollen. Die Arbeitnehmerseite habe auf der Seite der übertariflichen Gehaltsleistungen und in Sachen Arbeitszeit-Flexibilität bereits viele Zugeständnisse gemacht, so daß in Sachen Kündigungen von der Vorstandsseite Entgegenkommen signalisiert werde, hieß es in Unternehmenskreisen.
Das wird trotzdem ein schwieriges Unterfangen. Denn der Mutterkonzern General Motors will nach seinen bisherigen Plänen in seinem verlustreichen Europa-Geschäft insgesamt 12.000 Stellen abbauen, davon 10.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Mit der Sanierung sollen mehr als 500 Millionen Euro in den kommenden zwei Jahren eingespart werden, 90 Prozent davon allein 2005. Im Zuge der Verhandlungen deutet sich nun an, daß die Zahl auf 8000 bis 9000 Stellen verringert werden könnte. Mit der erwarteten Teil-Einigung werden die komplexen Verhandlungen entkoppelt.
Trollhättan punktet mit wesentlich günstigeren Kosten
Hintergrund der Themenaufsplittung ist zeitlicher Druck: Denn die Gründung von Transfer- und Auffanggesellschaften müßte bis zum 20. Januar erfolgen, um noch in den Genuß der vollen öffentlichen Förderung zu kommen, bevor diese im nächsten Jahr eingeschränkt wird. Danach würde eine Förderung dieser Beschäftigungsgesellschaften von zwei auf ein Jahr verkürzt. Unklar ist, ob die Einigung auch schon die geplanten Auslagerungen von Betriebsteilen etwa im Werk Bochum bis dahin geregelt werden können, was eher für unwahrscheinlich gehalten wird.
Unternehmenskreise hoffen zwar, noch bis Weihnachten einen erfolgreichen Abschluß zu finden, zumal Europa-Chef Fritz Henderson Druck macht. Allerdings gibt es auch Stimmen, die sogar Verhandlungen bis in das kommende Jahr hinein für möglich halten. Denn neben den heiklen Themen Auslagerung, der Gründung von Gemeinschaftsunternehmen oder von Kooperationen geht es vor allem um die Zukunft des Rüsselsheimer Werkes. Es geht um die Produktion der Nachfolger Opel Vectra und des Saab 9-3 (Arbeitstitel Epsilon II), die GM bündeln will und entweder in Deutschland oder im schwedischen Saab-Werk Trollhättan ansiedeln will. Wie zu hören ist, stehen die Chancen derzeit 50 zu 50, da Trollhättan im Wettrennen vor allem aufgrund der wesentlich günstigeren Kosten Punkte macht. Auch die Zukunft des Werkes Bochum, wo der Kompaktwagen Astra und der Van Zafria gefertigt werden, muß in den Augen der Arbeitnehmervertreter über das 2010 hinaus gesichert werden.
Auch in der Standortentscheidung Rüsselsheim/Trollhättan geht es um die Entkoppelung der Prozesse - und um Diplomatie. Denn Klaus Franz, der in den Opel-Verhandlungen als Gesamtbetriebsratschef die deutschen Interessen vertreten muß, ist zugleich europäischer Gesamtbetriebsratsvorsitzender und muß in dieser Funktion auch die schwedischen Interessen berücksichtigten. Um Franz nicht in eine Konfliktsituation bei den Opel-Gesprächen zu bringen, so Unternehmensbeobachter, sollten die Gespräche nicht durch die Epsilon-II-Frage belastet werden.
Neuer Rabatt
Opel hat Gefallen an Frühbucherrabatten gefunden und startet zum dritten Mal eine Aktion, die vor einem Jahr erstmals eingeführt wurde und eine Neuerung in der Rabattschlacht bedeutete. Wie zu erfahren war, wird der Automobilhersteller auch für den dreitürigen Astra Coupé (GTC), der seinen Marktstart erst im Frühjahr nächsten Jahres hat, ein Angebot für Frühbesteller machen. Die Aktion, die ohne Aufrpeis zusätzliche Sonderausstattungen gewährt, ist schon für den im vergangenen April eingeführten Astra-Fünftürer sowie für den im Oktober auf den Markt gekommenen Astra Caravan gelaufen. Die Schlagzeilen über Verluste und Sanierung hat sich im Verkauf bislang noch nicht nachhaltig negativ niedergeschlagen. Für den Astra Caravan liegen zwei Monate nach der Einführung mehr als 50 000 Bestellungen vor. (kön.)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2484 | −0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 106,85 $ | −0,38% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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