17.09.2004 · Wegen der schwachen Nachfrage schließt der amerikanische Autobauer Ford eines von drei britischen Jaguar-Werken. Zudem zieht sich Jaguar aus der Formel 1 zurück. Seine Ergebnisprognose hat Ford unterdessen erhöht.
Dank gut laufender Finanzgeschäfte und einer kostengünstigeren Autoproduktion geht der amerikanische Konzern Ford Motor von höheren Gewinnen im laufenden Quartal und im Gesamtjahr aus. Zugleich kündigte das Unternehmen am Freitag seinen Ausstieg aus der Formel 1 und Einschnitte bei seiner britischen Nobelmarke Jaguar an.
Mit einer Spannweite von 1,90 bis 2,00 Dollar Gewinn pro Aktie erhöhte Ford seine Prognose für das Gesamtjahr zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten. Im Juli hatte der Konzern die Erwartungen um 0,15 Dollar auf 1,80 bis 1,90 Dollar je Aktie angehoben. Im dritten Quartal rechnet Ford nun mit einem Gewinn von zehn bis 15 Cent pro Aktie, nach null bis fünf Cent bislang. Analysten an der Wall Street gingen einer Umfrage zufolge bisher von neun Cent aus. Der Aktienkurs des Konzerns legte zum Handelsauftakt in New York 2,5 Prozent auf 14,30 Dollar zu. Die Prognose schließt allerdings die Kosten der Restrukturierung bei Jaguar und andere Sonderposten nicht ein, für die Ford eine Belastung des Gewinns mit 25 Cent je Aktie im Gesamtjahr veranschlagte.
„Formel-1-Geschäft zum Verkauf"
Jaguar wird sich den Angaben zufolge bis Ende der laufenden Rennsaison aus der Formel 1 zurückziehen. „Wir stellen das Formel-1-Geschäft zum Verkauf", erklärte Marken-Chef Joe Greenwell. Sollte sich kein Interessent dafür finden, schloß der für das Renngeschäft zuständige Ford-Vizepräsident Richard Parry-Jones auch eine Schließung nicht aus. „Aber daran denken wir im Moment nicht", sagte er. Ford will auch den Motorenhersteller Cosworth abstoßen, der die Formel-1-Teams Jordan, für das der Deutsche Nick Heidfeld fährt, und Minardi beliefert. Jaguar sei nicht im Stande, Dollar für Dollar mit den deutschen Rivalen BMW und Mercedes - Partner der Rennställe Williams und McLaren - zu konkurrieren, sagte Parry-Jones in einem Telefoninterview. Und es sei nicht im langfristigen Interesse der Marke, auf den hinteren Startplätzen zu stehen. „Es ist so teuer, in der Formel 1 erfolgreich zu sein", sagte er. „Und das Geld, das der Sport einbringt, wird nicht zu gleichen Teilen auf die verschiedenen Anteilseigner verteilt.“ Der größte Anteil der Einnahmen geht an die Formel-1-Holding SLEC von Bernie Ecclestone, die die Rechte an den Rennen hält.
Neben der prestigeträchtigen Formel 1 soll die britische Luxusmarke auch traditionell bedeutende Produktionen in ihrem mittelenglischen Kernland verlieren. Für Coventry kündigte Ford einen Abbau von 1150 Arbeitsplätzen in der Fertigungsstätte Brown's Lane an. Auf diese Weise reduziert sei der Standort, der Hauptsitz von Jaguar bleiben soll, nur noch ein Schatten seiner selbst und seiner ruhmreichen Vergangenheit beraubt, kritisierten Gewerkschaftsführer. „Wir werden dagegen kämpfen", sagten sie und: „Wir werden es nicht zulassen, daß britische Arbeiter als Kanonenfutter zur Befriedigung amerikanischer Aktionäre benutzt werden.“
Die Heimat seit 1928
Coventry ist seit 1928 die Heimat der Marke, die für ihre exklusiven und eleganten Limousinen berühmt ist - nicht zuletzt durch die sportliche Variante, die der britische Filmheld und Meisterspion James Bond bevorzugte. Ein Erfolg der derzeit Verluste schreibenden Sparte ist der Schlüssel zu Fords Ziel, bis 2006 einen Jahresgewinn vor Steuern von sieben Milliarden Dollar einzufahren. Für das Jahr 2004 nannte Jaguar am Freitag ein Produktionsziel von 127.000 Einheiten. Im August hatte das Unternehmen bereits angekündigt, 15.000 Fahrzeuge weniger als zunächst geplant herzustellen. Im vergangenen Jahr setzte die Marke 120.570 Fahrzeuge ab. Abgesehen von der allgemeinen Flaute im Autogeschäft leiden die Ergebnisse der Ford-Tochter unter der Dollar-Schwäche. Jaguar hat in 2003 fast die Hälfte seines Umsatzes in Nord-Amerika gemacht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2484 | −0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 106,85 $ | −0,38% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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