28.03.2004 · Der Wettbewerb unter den Autoverleihern wird immer brutaler. Sixt, Budget und Co. verdrängen die Kleinen. Mit Billigangeboten.
Von Henning PeitsmeierJetzt also auch Niki Lauda. Der Ex-Rennfahrer, der gerade erst mit seiner Billigfluglinie "Niki" abgehoben ist, versucht es auch als Autovermieter. Zu einem Kampfpreis von 1 Euro verleiht der Österreicher einen Smart, will mit diesem Angebot den deutschen Mietwagenmarkt aufmischen. Die Billigwelle ist bei den Autovermietern längst angekommen. Smarts als fahrende Litfaßsäulen bietet die Werbeagentur Maxhopp für 99 Cent am Tag an, die Berliner Navicar hält mit und umwirbt Frühbucher, den Golf gibt es bei der Europcar-Tochter Interrent für 8,99 Euro, Freikilometer inklusive.
Nach dem Vorbild der Low-Cost-Airlines haben die großen Autoverleiher Sixt, Europcar und Avis eigene Billigmarken gegründet. Immer mehr Discountanbieter drängen in den Mietwagen-Markt.
Der Markt schrumpft
Dieser schrumpft seit Jahren. Nach Schätzung des Bundesverbands der Autovermieter Deutschlands (BAV) ist der Umsatz im vergangenen Jahr um knapp 10 Prozent auf 2 Milliarden Euro eingebrochen. "Wir rechnen auch 2004 mit einem Rückgang, wenn auch nur mit einem kleinen Minus", sagt Geschäftsführer Klaus Langmann-Keller. Er erwartet, das viele Verleiher den Preiskampf nicht überleben. Gab es vor zehn Jahren noch 1400 Autovermieter, sind es heute nur noch 650.
Es trifft vor allem jene, die Autos an Unfallopfer verliehen haben. "Die Versicherungswirtschaft zögert oft Zahlungen heraus oder erkennt Preise nicht an. So etwas können die Großen besser auffangen", sagt Langmann-Keller. Die großen Vermietketten beherrschen schon zwei Drittel des Marktes. Marktführer ist Sixt, gefolgt von Europa Service, der VV-Tochtergesellschaft Europcar sowie Avis und Hertz.
Autoverleiher sind im Umgang miteinander wenig zimperlich
Die Schnäppchenpreise, mit denen Billig-Töchter wie Sixti oder Interrent Privatkunden locken, gehen wohl nicht zu Lasten der eigenen Bilanz. "Jeder der Großen kalkuliert mit einem Umsatz von 30 bis 35 Euro pro Fahrzeug", sagt ein Manager eines großen Vermieters. "Und den erhält er im Schnitt auch bei den Lockangeboten." Entweder, weil er über Außenwerbung an den Fahrzeugen Zusatzeinnahmen generiert. Oder weil im Kleingedruckten des Mietvertrages eine Reihe von Nebenkosten lauern. Da gibt es dann hohe Prämien für die Vollkaskoversicherung und saftige Strafgebühren für verspätete Rückgabe.
Die Autoverleiher setzen sich gegenseitig unter Druck, arbeiten mit Tricks, sind im Umgang miteinander wenig zimperlich. Da verbietet Sixt schon mal eine Werbeaktion von Budget oder versucht vergeblich, dem Konkurrenten Easycar die Verwendung der Farbe Orange zu untersagen. Wurden bisher nur preisbewußte Privatkunden umworben, wird der Preiskampf nun auf das lukrative Segment der Geschäftsreisenden ausgeweitet. Fast die Hälfte des Marktvolumens wird mit Geschäftskunden erzielt.
Budget Deutschland hat den Preiskrieg an dieser Front eröffnet. Nur noch 59 Euro kostet bei Budget im Business-Tarif ein Audi A6 oder die Mercedes E-Klasse, unbegrenzte Kilometer, Diebstahlschutz und Vollkasko eingeschlossen. Damit geht Budget bis an die Schmerzgrenze, verlangt nur die Hälfte von dem, was Geschäftskunden bei den Wettbewerbern zahlen müssen.
Der Haken: Budget ist in Deutschland derzeit nur mit 75 Mietstationen präsent und muß das Netz erst noch weiter ausbauen. Trotzdem: Sixt & Co. sind alarmiert. Denn noch immer haben sich viele internationale Autovermieter nicht erholt von der Flaute im Reiseverkehr nach den Terroranschlägen und der Lungenkrankheit Sars. Preisaggressive Anbieter wie National und Alamo, deren amerikanische Muttergesellschaft insolvent ist, gerieten in erhebliche Turbulenzen.
Kein Markt so hart umkämpft wie der deutsche
In Europa sind Frankreich, Großbritannien und Deutschland die wichtigsten Märkte, aber keiner ist so hart umkämpft wie der deutsche. Denn hierzulande klagen die Verleiher über extrem hohe Kosten des Fuhrparks. Abschreibungen auf die Autos, Zinsen für die Finanzierung, Versicherungen und Rückstellungen für Fahrzeugschäden haben sich in den vergangenen Jahren verdreifacht.
Den Zusatzgewinn beim Gebrauchtwagenverkauf, den Sixt & Co. bis Ende der neunziger Jahre hatten, gibt es heute nicht mehr. Die Autohersteller haben begriffen, daß Verkäufe an die Verleiher das Problem schleppender Absatzzahlen bestenfalls für sechs Monate lösen und danach die Mietautos als junge, extrem günstige Gebrauchte den Neuwagenverkauf erschweren. Die Branche mußte nach Jahren erst wieder lernen, mit dem Mietgeschäft Geld zu verdienen. Günstige Einkaufskonditionen gibt es nur in Ausnahmefällen, wenn einzelne Modelle nicht so gut laufen.
Preiskämpfe müssen wohl überlegt sein. "Es ist gefährlich, auf breiter Front an der Preisschraube zu drehen, wenn gleichzeitig der eigene Fuhrpark nicht richtig ausgelastet ist", warnt Markus Hesse, Experte bei der Hypo-Vereinsbank. Das noch einmal einer der Großen in Schieflage gerät, glaubt Hesse nicht. Es sind die Kleinunternehmer, die im Kampf um Urlauber und Geschäftskunden kaum Chancen haben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2481 | −0,06% |
| Rohöl Brent Crude | 106,85 $ | −0,38% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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