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Automobile Der Luxus, GM zu sein

 ·  Nach dem Nahtoderlebnis Insolvenz ist ein Ruck durch General Motors gegangen. In Kürze kehrt GM an die Börse zurück. Doch der Konzern bleibt eine riskante Wette.

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Der Autohersteller General Motors kehrt in Kürze an die Börse zurück. Es ist ein symbolträchtiger Neuanfang, mit dem GM das dunkelste Kapitel in seiner mehr als hundertjährigen Geschichte abhaken möchte: Den Kollaps in einem Insolvenzverfahren, das nur deswegen nicht in einer Liquidierung endete, weil die amerikanische Regierung das Unternehmen mit fast 50 Milliarden Dollar an Krediten gerettet hat und seither Mehrheitseigentümerin ist.

Der Konzern setzt nun darauf, dass Investoren ebenso wie Autokäufer diese unrühmliche Vergangenheit ruhen lassen. Das Management beteuert, GM sei heute ein völlig verwandeltes Unternehmen, das mit dem trägen Koloss von früher kaum mehr etwas gemein habe. Stolz wird auf einen Milliardengewinn im jüngsten Quartal verwiesen. Und was die staatliche Rettungsaktion betrifft: Das mag ja ordnungspolitisch unschön gewesen sein. Aber Analysten sehen Chancen, dass die Regierung nach dem Börsengang mit dem Verkauf ihrer Aktien den größten Teil, wenn nicht sogar die Gesamtheit der Kredite zurückholen kann.

Unfairer Wettbewerbsvorteil

Also Schwamm drüber? So einfach ist das nicht, denn die trickreiche Auffangaktion aus dem vergangenen Jahr ist noch immer schwer zu akzeptieren. Sie verschafft dem Unternehmen bis heute einen unfairen Wettbewerbsvorteil, der weit über offensichtliche Verzerrungen wie einen mit den staatlichen Finanzspritzen ermöglichten Schuldenabbau hinausgeht. Beispielsweise wird mit zeitlicher Distanz zunehmend deutlich, was für ein Luxus es für GM war, in der Insolvenz Altlasten abzuwerfen. Unattraktive Unternehmensteile und Verpflichtungen wurden damals in eine Motors Liquidation Company abgeschoben. Das hat einen befreiten Neuanfang ermöglicht. Die Abwicklung der aussortierten Teile hat sich indessen als zäh herausgestellt. So haben sich kaum Käufer für die alten, oft mit Schadstoffen verseuchten Produktionsstätten gefunden. Erst kürzlich wurde die Einrichtung eines mit einer dreiviertel Milliarde Dollar dotierten Umweltfonds beschlossen, mit dem die Werke aufgeräumt und in einen verkaufsfähigen Zustand gebracht werden sollen - was freilich nicht mehr die Sorge von GM ist. Man kann es keinem Wettbewerber verübeln, wenn er neidisch auf GM blickt und sich wünscht, er könnte unliebsam gewordene Unternehmensteile ebenso einfach abschütteln.

Eine positive Art von Vermächtnis durfte GM dagegen in seine neue Existenz hinüberretten. Die amerikanische Regierung hat es dem Autokonzern erlaubt, steuerliche Verlustvorträge zu behalten. Damit kann er Verluste aus der Zeit vor der Insolvenz mit künftigen Gewinnen verrechnen, was zu Steuerersparnissen in Milliardenhöhe führen dürfte. Der amerikanische Steuerzahler wird GM also ganz unabhängig von einer etwaigen Wiedergutmachung des 50-Milliarden-Dollar-Kredits auch in Zukunft weiter stützen.

Profitabilität ist eine Pflichtübung

GM hat das Dasein nach dem Insolvenzverfahren in einer äußert komfortablen Position begonnen. Die wiedererlangte Profitabilität ist somit noch kein Anlass zur Euphorie, sondern eine Pflichtübung. Dabei ist nicht zu bestreiten, dass GM die von der Regierung ermöglichte zweite Chance beim Schopf gepackt hat, um sich wieder aufzurichten. Das Unternehmen hat sich radikal verschlankt, lange dahinsiechende Marken aufgegeben und sein Händlernetz gestrafft, die Kostenstruktur ist insgesamt dramatisch verbessert. Es gibt Fortschritte auf der Produktseite: Einige neue Automodelle verkaufen sich in Amerika glänzend, vormals kritische Branchenexperten wie die Verbraucherzeitschrift „Consumer Reports“ attestieren dem Hersteller erhebliche Qualitätsverbesserungen. GM hat außerdem seine starke Position in aufstrebenden Märkten wie China gefestigt.

Dennoch bleiben viele Schwachpunkte. Der Vorstandsvorsitzende Dan Akerson hat das Geschäft in Europa zu einer der größten Baustellen erklärt. Hier türmen sich die Verluste, eine Wende ist kurzfristig nicht absehbar. Selbst auf dem wieder klar profitablen amerikanischen Heimatmarkt ist das Bild nicht ungetrübt. Hier hat GM in diesem Jahr Marktanteile verloren, zudem hapert es beim Nachschub an neuen Modellen. Das in Kürze kommende Elektroauto Chevrolet Volt mag ein Prestigeprojekt sein, wird aber zunächst keine großen Stückzahlen bringen. Eine geballte Produktoffensive verspricht das Unternehmen in Amerika erst für 2013.

Mit dem Nahtoderlebnis Insolvenz ist ohne Zweifel ein Ruck durch GM gegangen. Das heutige Management legt eine Aufräumermentalität an den Tag und ist Welten entfernt von der Behäbigkeit der früheren Führung, die dem langjährigen Niedergang ohne wahren Veränderungswillen zugesehen hat. Aber es darf nicht vergessen werden, dass die neue Führung das Privileg hatte, mit einem weißen Blatt Papier anzufangen. Deshalb sind die jüngsten Gewinnmeldungen zwar ermutigend, taugen aber noch nicht zu einem Urteil, ob „Neu-GM“ auf längere Sicht zu einer Erfolgsgeschichte und damit auch an der Börse zu einer attraktiven Geldanlage werden kann. Zunächst einmal bleibt der Autokonzern für Investoren eine riskante Wette.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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