08.10.2003 · Der Aufsichtsrat des Autobauers Daimler-Chrysler will offenbar Konzernchef Jürgen Schrempp zu einer Verlängerung seiner Amtszeit bewegen.
Der Nachfolger vom Daimler-Chrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp wird aller Voraussicht nach Schrempp heißen. Aufsichtsratschef Hilmar Kopper sagte am Mittwoch im „Wall Street Journal“, es gebe Stimmen aus dem Aufsichtsgremium, den im April 2005 auslaufenden Vertrag von Schrempp zu verlängern. Mit den Worten „Ich fühle mehr Druck von Aufsichtsratsmitgliedern, Jürgen zu beeinflussen, länger zu bleiben, als umgekehrt“ nahm Kopper erstmals öffentlich zur Nachfolgefrage Stellung.
Schrempp hatte bereits im Sommer 2002 gesagt, daß er Spaß an dem Job habe, sich prächtig fühle und bei Auslaufen seines Vertrages erst 60 sei. Nun erklärte er erneut in der amerikanischen Wirtschaftszeitung: „Ich bin in Top-Form. Ich mag das, was ich gerade tue.“ Wenn der Aufsichtsrat frage, werde er darüber nachdenken müssen. Nach der Hauptversammlung im Frühjahr 2004 wird sich das Kontrollgremium mit der Frage befassen.
Mr. Mercedes hört auf
Im Stuttgarter Autokonzern ist häufiger zu hören gewesen, daß Schrempp wahrscheinlich verlängern werde. In Konzernkreisen wird darauf verwiesen, daß auch der Vertrag von „Mr. Mercedes“ Jürgen Hubbert im April 2005 endet - und der will mit dann fast 66 Jahren definitiv aufhören. Das zeitgleiche Ausscheiden der beiden wichtigsten Manager der DaimlerChrysler AG sei kaum sinnvoll, hieß es. Die Mercedes-Gruppe sorgt mit ihrem andauernden Erfolg praktisch im Alleingang für den Erfolg des Gesamtkonzerns, da Chrysler noch immer mit massiven Problemen kämpft.
Die beiden potentiellen Nachfolgekandidaten für Schrempp, Chrysler-Chef Jürgen Zetsche und Nutzfahrzeugvorstand Eckhard Cordes, sind beide noch gut beschäftigt, heißt es im Konzern. Sprich: Die Zeit für einen der beiden ist noch nicht reif. Zetsche hat mit dem Dauerpatienten Chrysler länger zu tun als geplant. In einem Vortrag in Boston sagte er jetzt, in den nächsten drei Jahren wolle Chrysler 25 neue Modelle auf den Markt bringen, allein 2004 sollen es neun sein. Das dürfte seine höchste Konzentration in Detroit erfordern. Bis Chrysler zu den Besten in Sachen Qualität und Produktivität aufgeschlossen habe, werde es bis 2007 dauern, meinte Zetsche. Cordes muß nach Ansicht von Beobachtern schauen, daß der größte Lkw- und Busbauer der Welt auf dem zukunftsträchtigen asiatischen Markt richtig aufgestellt ist.
Außenstehende ohne Chance
Bleibt die spannende Frage, wer 2005 auf den Chefsessel bei Mercedes-Benz rücken wird. Sollten Zetsche und Cordes ihre jetzigen Posten behalten, dürfte ein heißer Kandidat Wolfgang Bernhard sein, der in Detroit neben Zetsche die Sanierungsarbeit leistet und als Qualitätsfanatiker und echter Automann gilt. Möglicherweise könnte auch der erfolgreiche smart-Chef Andreas Renschler Chancen haben. Ein außen stehender Automanager hat keine Chance, war zu erfahren.
Als Schrempp im Sommer 2002 Ambitionen erkennen ließ, weiter zu machen, sah die Welt für den Autokonzern noch rosiger aus und es schien, als könne er die Erfolge seiner Strategie genießen. Nach dem 1-Milliarde-Dollar-Verlust bei Chrysler im zweiten Quartal 2002 und anhaltenden Problemen beim japanischen Kooperationspartner Mitsubishi muß Schrempp beweisen, daß der vor fünf Jahren begonnene Plan, einen weltumspannenden Autokonzern zu schmieden, richtig war. Viele Analysten haben Zweifel, so am Mittwoch Pia Hellbach von Union Investment: „Ich sehe keinen Hinweis, daß es funktioniert.“
Es bleiben bei DaimlerChrysler auch in Zukunft viele Baustellen. Normalerweise werden Vorstandsverträge bei DaimlerChrysler ab dem 60. Lebensjahr nur um jeweils ein Jahr verlängert. Im Konzern wird es für gut möglich gehalten, daß für Jürgen Schrempp eine andere Regelung gefunden wird.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
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