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Automobile Daimler-Chrysler droht neues Ungemach in Japan

06.04.2004 ·  Für Daimler-Chrysler gibt es neues Ungemach in Japan. Nach den hausgemachten Schwierigkeiten mit dem Personenwagenhersteller Mitsubishi Motors droht nun der profitable Nutzfahrzeugbauer Mitsubishi Fuso zwischen die Fronten eines Machtkampfes der Tokioter Behörden zu geraten.

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Für Daimler-Chrysler gibt es neues Ungemach in Japan. Nach den hausgemachten Schwierigkeiten mit dem Personenwagenhersteller Mitsubishi Motors droht nun der profitable Nutzfahrzeugbauer Mitsubishi Fuso zwischen die Fronten eines Machtkampfes der Tokioter Behörden zu geraten. So kündigte das Transportministerium am Dienstag an, im Rahmen eines seiner Meinung nach zu späten Rückrufs Zehntausender Autos rechtliche Schritte gegen die Mitsubishi Fuso Truck & Bus Corp. zu erwägen. Es wirft dem Autobauer vor, falsche Angaben über Ursache und Ausmaß fehlerhafter Teile gemacht zu haben. Auch sei nicht auszuschließen, daß belastende Fakten lange Zeit vertuscht, die Behörden und die Öffentlichkeit falsch unterrichtet worden seien, hieß es weiter. Das Unternehmen war zuvor mehrfach von der Polizei durchsucht worden. So steht das Ministerium nun offenbar unter Druck, seinerseits Ergebnisse zu liefern. Es hatte bisher den Standpunkt vertreten, die Unfälle seien auf Wartungsfehler zurückzuführen.

Fuso wollte sich am Dienstag nicht äußern. Inoffiziell hieß es aber, man arbeite seit Wochen an einer Klärung. Dabei habe es immer eine enge Kooperation mit dem Ministerium gegeben. Um so überraschter sei man von der jetzigen Wendung. So seien die Behörden zu jedem Zeitpunkt über den Stand der Dinge informiert gewesen. Von seiten des Ministeriums wird das anders gesehen. Dabei verweist es auf einen Fuso-internen Report. Die Behörden geben vor, über dessen genauen Inhalt nicht unterrichtet gewesen zu sein. Fuso hat in der Vergangenheit bereits kistenweise Aufklärungsmaterial zur Verfügung gestellt. Darunter solle sich auch besagter Report befunden haben. Fest steht, daß es in den vergangenen Jahre mehrere Unfälle mit mängelbehafteten Fuso-Fahrzeugen gab. Dabei war vor zwei Jahren ein Mensch ums Leben gekommen. Fuso hatte daraufhin eine großangelegte Inspektion der betroffenen Fahrzeuge gestartet. Im März sind nun abermals 112 000 Fahrzeuge in die Werkstätten gerufen worden (F.A.Z. vom 31. März).

Für Daimler-Chrysler könnte die derzeitige Entwicklung zu einem neuerlichen Schlag im Japan-Geschäft ausarten. Haben die Deutschen doch gerade 65 Prozent der Anteile an Fuso übernommen. Sie wollen damit ihre Nutzfahrzeugsparte in Asien deutlich aufrüsten. "Fuso ist für unsere Asien-Strategie der entscheidende Durchbruch", hatte der Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Eckard Cordes in der vergangenen Woche erklärt. Der Lastwagen- und Bushersteller war im Anfang 2003 aus Mitsubishi Motors ausgegründet und mit einer neuen Führungsmannschaft versehen worden. Das neue Management führte eigenen Angaben zufolge neue Qualitäts-, Sicherheits- und Risikostandards ein. Daimler-Chrysler hat sich den Einstieg bei Japans profitabelsten Nutzfahrzeugbauer bislang etwa 1,1 Milliarden Euro kosten lassen. Fuso wird für das gerade abgelaufene Geschäftsjahr einen Gewinn von 230 Millionen Euro ausweisen.

Das Fuso-Management ist derzeit mit Äußerungen jeder Art extrem zurückhaltend. Versuchen die Behörden doch offensichtlich, die teilweise jahrelang zurückliegenden Unfälle möglichst dicht an die aktive Führung heranzurücken. Hinter den Kulissen Tokios wird darauf verwiesen, daß zwischen der Polizei und verschiedenen Ministerien seit Monaten ein Machtkampf tobt. Dabei geht es dem Vernehmen nach darum, wer wem was zu sagen hat. Um die eigenen Positionen zu stärken, sind den involvierten Behörden offenbar alle Mittel recht. So ist Fuso seit Wochen einer wahren Flut von Anfragen, Aufforderungen und Anordnungen des Ministeriums ausgesetzt. Auch wurden die Unternehmenszentrale und die Büros leitender Angestellter mehrfach durchsucht. Im Anschluß daran hat die Polizei anscheinend verschärften Druck auf das Ministerium ausgeübt. Dort sucht man nun wieder, den Druck auf die Fuso-Spitze umzulenken.

Dabei hatte das Management nach Beratungen mit dem Transportministerium im März entschieden, alle von Fehlern potentiell betroffenen Fahrzeuge in die Werkstätte zu rufen.

Quelle: fib., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2004, Nr. 83 / Seite 17
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