19.02.2004 · Nach dem Gewinneinbruch 2003 rechnet der Autobauer in diesem Jahr nur mit einem leichten Plus. Chrysler hat die Gewinnschwelle knapp verpaßt, Ergebnisstütze bleibt Mercedes. Auch das Debakel um Toll Collect belastet das Ergebnis.
Der weltweit fünftgrößte Autokonzern Daimler-Chrysler rechnet für das laufende Jahr trotz der erwarteten Erholung auf den Automobilmärkten nur mit einem leichten Anstieg des operativen Gewinns und bremst damit die Erwartungen der Analysten. Auch die Kündigung des Vertrags des Mautbetreibers Toll Collect schlägt sich negativ auf die Ertragslage nieder.
Daimler-Chrysler strebe 2004 einen operativen Gewinn aus dem laufenden Geschäft an, der leicht über den 2003 erzielten 5,1 Milliarden Euro liegen werde, teilte der Stuttgarter Konzern am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz mit. Deutliche Ergebnisverbesserungen erwarte das Unternehmen erst für die Jahre 2005 und 2006, wenn sämtliche neue Fahrzeuge aus den aktuellen Produktoffensiven der Geschäftsfelder voll verfügbar seien, hieß es weiter.
Debakel um Toll Collect könnte Ertragslage beeinflussen
Eine Vertragskündigung beim Mautprojekt würde nach Feststellung von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp „die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns erheblich negativ beeinflussen“. Für das abgelaufene Geschäftsjahr bezifferte Finanzvorstand Manfred Gentz die Belastung durch das Mautkonsortium Toll Collect auf 250 Millionen Euro.
Dies setze sich aus der Abdeckung der laufenden Verluste des Konsortiums, Rückstellungen für Vertragsstrafen 2003 und 2004 sowie Abschreibungen auf die Beteiligung am Unternehmen zusammen, sagte Gentz. Daimler-Chrysler hält 45 Prozent an Toll Collect. Laut Gentz könnte die Haftungsquote jedoch auf 50 Prozent steigen, weil für das zehnprozentige Konsortiumsmitglied Cofiroute eine Haftungsgrenze wirksam werden könnte.
Die Hoffnung auf ein gutes Ende des Desasters mit der Lkw-Maut gibt der Vorstandschef nach eigenen Angaben noch nicht auf: „Ich habe den Eindruck, daß die Meinungsunterschiede mit der Bundesregierung noch überbrückbar sind", sagte Vorstandschef Schrempp. In den nächsten zehn Tagen müsse sich für das Betreiberkonsortium Toll Collect aber eine Lösung abzeichnen, mit der das System „in der angebotenen Form“ doch noch verwirklicht werden könne.
Rabattschlacht belastet Chrysler
Sorgenkind der Daimler-Chrysler-Sparten bleibt die amerikanische Tochter. Chrysler hat den Angaben zufolge 2003 die Gewinnschwelle im operativen Geschäft knapp verpaßt. Bereinigt um Restrukturierungskosten habe der operative Verlust bei 40 Millionen Euro gelegen. Einschließlich der restlichen Kosten für das 2001 gestartete Sanierungsprogramm verbuchte die von einer Rabattschlacht auf dem amerikanischen Markt gebeutelte Chrysler 506 Millionen Euro Verlust nach einem Gewinn von 609 Millionen Euro im Jahr davor. Im vierten Quartal schrieb Chrysler wieder schwarze Zahlen.
Mercedes bleibt Ergebnisstütze
Größte Ergebnisstütze war im vergangenen Jahr erneut die Mercedes-Pkw-Sparte, die mit einem stabilen Betriebsergebnis von 3,13 (3,02) Milliarden Euro mehr als die Hälfte zum operativen Gewinn des Konzerns beitrug, der auf 5,69 (6,85) Milliarden Euro zurückging. Die Lkw- und Bus-Sparte von Daimler-Chrysler kehrte mit 855 (minus 343) Millionen Euro Gewinn in die Gewinnzone zurück.
Der Konzerngewinn nach Steuern brach 2003 unter anderem wegen einer Milliarden-Abschreibung auf die Beteiligung am Luft- und Raumfahrtunternehmen EADS auf 448 Millionen Euro ein von 4,72 Milliarden Euro im Jahr zuvor.
Nach Sanierungsplan bei Mitsubishi folgt Entscheidung über Kapitalerhöhung
Daimler-Chrysler stellte sich hinter den neuen Sanierungsplan bei seinem japanischen Partner Mitsubishi Motors, der am 30. April vorgestellt werden soll. „Dieser sollte gewährleisten, das Geschäft von Mitsubishi auf eine solide finanzielle Basis zu stellen, die Produktoffensive voranzutreiben und wieder positive Ergebnisse zu ermöglichen", teilte der Konzern mit.
Erst auf der Basis dieses Geschäftsplans werde über eine Kapitalerhöhung bei Mitsubishi entschieden, die nach Medienberichten bis zu 200 Milliarden Yen (1,5 Milliarden Euro) betragen soll. Mitsubishi hatte am Donnerstag seine Verlustprognose verdoppelt und rechnet im Geschäftsjahr 2003/04 (zum 31. März) statt 45 nun mit 105 Milliarden Yen operativem Verlust (Mitsubishi verdoppelt Verlustprognose).
Analysten enttäuscht vom Ausblick
Analysten sagten, die Erwartungen für das neue Jahr seien ernüchternd. „Wenn man davon ausgeht, daß Chrysler 2004 in die Gewinnzone zurückkehrt und auch die Nutzfahrzeug-Sparte Gewinne abwirft, deutet der zurückhaltende Ausblick darauf hin, daß Daimler bei Mercedes den Höhepunkt überschritten sieht", analysierte LBBW-Analyst Stephan Droxner die Ergebnisse. Die Modelloffensive bei Mercedes erfordere 2004 hohe Aufwendungen, warnte der Autobauer. Steigende Gewinne seien dort wohl erst 2005 zu erwarten.
Die Daimler-Chrysler-Aktie notierte am Donnerstag mittag bei 36,62 Euro und war mit -0,95 Prozent der größte Verlierer im Dax.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2605 | +0,24% |
| Rohöl Brent Crude | 107,48 $ | +0,59% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
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