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Autokrise Kaum Hoffnung auf der Halde

06.01.2009 ·  Es gibt zwar Lichtblicke. Doch die Absatzzahlen in der Autoindustrie sinken dramatisch. Insgesamt wird 2009 ein schwarzes Jahr für die Branche.

Von Holger Appel
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In der Lastwagenbranche gilt schon seit Jahren ein ungeschriebenes Gesetz: Die Preislisten sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind. Das gilt inzwischen auch im Markt für Personenwagen, und 2009 dürfte sich diese Tendenz noch verstärken. Kein Auto fährt mehr wie ausgeschildert vom Hof. Die Hersteller gehen mit dieser Situation unterschiedlich um. Opel hat angekündigt, einige Modelle offiziell um acht Prozent günstiger zu verkaufen, was den Neuwagenkäufer freut, die Besitzer von Gebrauchtfahrzeugen aber um einige tausend Euro Restwert bringt. Volkswagen, BMW und Daimler haben indes noch vor kurzem die Preise erhöht, doch auch diese sind beim Kunden nicht mehr durchsetzbar. Ein Treppenwitz am Rande: Zur Versteuerung von Dienstwagen (geldwerter Vorteil) wird dieser höhere Preis angesetzt, obwohl ihn niemand bezahlt.

Allen gemein sind dramatisch sinkende Absatzzahlen. Auf ein neues Auto scheinen die Verbraucher verzichten zu können. Sei es, wie aus anderer berufener Feder an dieser Stelle kürzlich geschrieben wurde, weil in hochentwickelten Gesellschaften die Faszination des Autos zu schwinden scheint und seine Prestigefunktion vor allem unter den Jugendlichen von High-Tech-Telefonen oder tragbaren Computern übernommen wird. Sei es, weil die Autos haltbarer und Neuwagen zu teuer geworden sind. Sei es, weil eine Großanschaffung in unsicheren Zeiten als Erstes zurückgestellt wird. Jedenfalls ist binnen sechs Monaten den Herstellern in den etablierten Märkten etwa ein Viertel ihres Marktes abhandengekommen.

Die Halden sind voll

Die Auftragseingänge sind ein Trauerspiel, sie lassen keine Hoffnung auf kurzfristige Besserung zu. Das neue Jahr knüpft nahtlos an das schwache Niveau der letzten Monate des Jahres 2008 an. Längst haben Volkswagen, Daimler & Co. aufgehört, Prognosen zu erstellen, womit man auch wieder einmal die Frage stellen darf, wie sinnvoll Quartalsberichte sind. Sie fahren ihre Fabriken herunter, machen verlängerte Ferien, lassen kurzarbeiten und hoffen. Dem Abschwung kann sich keiner entziehen. Selbst der lange Zeit als Vorbild geltende japanische Konzern Toyota setzt eine Krisenmeldung nach der nächsten ab.

Die Halden aller Hersteller sind voll, was Finanzierungsschwierigkeiten zur Folge hat. Bei einigen Anbietern wie BMW dürften die großzügig betriebenen Leasinggeschäfte auf die Liquidität drücken. Volvo ist auf der Suche nach einem Partner. Und hinter die Zukunft einiger Anbieter wie Chrysler oder Saab muss man sogar dicke Fragezeichen setzen. Nicht mal die noch vor wenigen Wochen vielerorts gefeierten Entwickler von Elektrofahrzeugen haben Grund zur Freude. Einer nach dem anderen ringt um sein wirtschaftliches Überleben.

Die Branche ruft nun nach staatlichem Beistand

"Keine Gewinne, keine Dividenden. Das wird wahrscheinlich die Lage der Autobranche 2009 sein", schreiben Analysten der Citigroup. Um sich auszumalen, was das für den Arbeitsmarkt bedeutet, braucht man keine besondere prophetische Gabe. Es gibt zwar Lichtblicke. Daimler hat im vergangenen Jahr 2500 Auszubildende eingestellt und will diese Zahl auch im laufenden Jahr erreichen. Zudem sollen 500 Ingenieure engagiert werden. VW will unverdrossen ein neues Werk in Amerika erstellen. Und generell hat am Abbau der Belegschaft niemand Interesse, denn sobald es wieder aufwärts geht, werden die fachlich gut ausgebildeten Mitarbeiter gebraucht. Doch wie lange können die Betriebe die Flaute durch die Freistellung von Zeitarbeitern oder befristete Verträge puffern?

In der Branche wird es als Segen empfunden, dass die Bundesregierung die Möglichkeit der Kurzarbeit auf 18 Monate verlängert hat. Trotzdem wird die Zahl der Arbeitslosen steigen, denn die Krise hat viele Gesichter. Hart trifft es den Handel, der die herumstehenden Autos nicht mehr finanzieren und die Raten für seine Glaspaläste nicht mehr bezahlen kann. Und die Zulieferer. Von ihnen stehen einige vor dem Ende, weil Aufträge ausbleiben, die Konzerne zur "Eigensicherung" Aufträge wieder ins Haus holen ("Insourcing"), und auch, weil die Kreditvergabe der Banken entgegen aller Beteuerungen noch immer nicht ordentlich funktioniert. Das ist besonders bitter, denn die Zulieferindustrie ist durch Mittelständler und Familienbetriebe geprägt, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. "Jahrelange Beziehungen zwischen Bank und Kunde sind nichts mehr wert", beschweren sich die Unternehmer vielerorten.

Die Branche ruft nun nach staatlichem Beistand, was angesichts der verwerflichen Hilfen in Amerika und der protektionistischen französischen Bonus-Malus-Regelung kein Wunder ist. Doch schlechte Zeiten gehören zum Wirtschaftsleben dazu. Steuergeld sollte nicht dafür eingesetzt werden, Rückschläge privater Unternehmen aufzufangen. Und wer eine Abwrackprämie fordert, muss wissen, dass damit allenfalls Vorzieheffekte ausgelöst werden. Es hilft alles nichts: Sollte der Geldfluss zwischen den Banken nicht bald wieder anspringen und damit der Industrie neues Leben einhauchen, wird 2009 ein schwarzes Jahr. Besonders für die Automobilindustrie und alle, die an ihr hängen.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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