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Autoindustrie Branche im Umbruch

03.05.2009 ·  Die Malaise der Autoindustrie ist nicht das Ergebnis der aktuellen Wirtschaftskrise. Diese hat vielmehr die lange schlummernden Probleme nur mit aller Dramatik aufbrechen lassen. Eine schmerzliche Neuorganisation ist deshalb unausweichlich.

Von Gerald Braunberger
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In der Automobilindustrie geht es hoch her. Fiat, vor wenigen Jahren vom Untergang bedroht, greift nach Chrysler und Opel, um einen weltumspannenden Konzern zu schmieden. Nach Chrysler droht nun General Motors die Insolvenz. In Schweden kämpft Saab ums Überleben. In Deutschland scheint sich Porsche mit dem Versuch übernommen zu haben, sich Volkswagen einzuverleiben. Mittlerweile kursieren Überlegungen, Volkswagen könne umgekehrt Porsche kaufen. Zwischen den Eigentümern von Porsche – den Familien Porsche und Pich – bestehen ebenso Spannungen wie zwischen den Vorständen von Porsche und Volkswagen.

Die Gemengelage in einzelnen Unternehmen darf, so interessant sie für sich genommen sein mag, nicht vom grundsätzlichen Problem der Branche ablenken. Die Automobilindustrie leidet unter gewaltigen Überkapazitäten, die einen Abbau erzwingen, der sich in Fabrikschließungen und dem Verlust von Arbeitsplätzen äußern wird. Denn diese Malaise ist nicht das Ergebnis der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise und wird mit ihr daher auch nicht verschwinden. Die Krise hat vielmehr die lange schlummernden Probleme nur mit aller Dramatik aufbrechen lassen.

Staatshilfen wie Abwrackprämien oder Kreditgarantien ändern daran nichts. Schon in den guten Jahren vor der Krise gab es in der Automobilindustrie erhebliche Überkapazitäten. Sie wurden kaschiert, indem die Hersteller Fahrzeuge mit hohen Rabatten in den Markt drückten. Damit haben sie, zumal Autos heute viel länger halten als früher, eine Sättigung herbeigeführt. Eine schmerzliche Neuorganisation ist unausweichlich, in der die Gewinner von gestern nicht zwingend die Gewinner von morgen sein müssen. Staatliche Eingriffe, die aus der Sicht der Regierungen gerade in Vorwahlzeiten naheliegen, bergen die Gefahr, wirtschaftlich sinnvolle Bereinigungen durch Scheinlösungen zu ersetzen, die kurzfristig politisch opportun sind, auf längere Sicht den Unternehmen aber schaden.

Eine schwere Krise der Automobilindustrie ist in Deutschland stets ein Albtraum von Regierungen und Unternehmen gewesen. Denn an dieser Branche hängen, die Zulieferer eingeschlossen, viele Arbeitsplätze. Doch naiv wäre es, zu glauben, Deutschland könne in Zeiten des Umbruchs eine Insel der Seligen bleiben.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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