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Autobranche Im Rausch der Abwrackprämie

10.03.2009 ·  Die Autohersteller und Neuwagenhändler fordern eine Aufstockung der Abwrackprämie. Wie Drogenabhängige führen sie sich auf, die um den nächsten Schuss bangen. Doch eigentlich wären schmerzhafte Anpassungen und neue Allianzen nötig. Das brächte mehr als jede Abwrackprämie.

Von Christoph Ruhkamp
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Kaum zwei Monate nach dem Start der Abwrackprämie führen sich Autohändler und Hersteller auf wie Drogenabhängige, die um den nächsten Schuss bangen. Noch bevor der Prämientopf von 1,5 Milliarden Euro überhaupt leer ist, fordert die krisengeplagte Branche einen Nachschlag. Es wäre doch schön, so träumt die Autoindustrie, wenn alle bis zum Jahresende eingehenden Prämienanträge bedient werden könnten, egal wie viel die Sonderkonjunktur kosten würde.

Richtig ist, dass die Abwrackprämie mit schon jetzt gut 400.000 von 600.000 Autokäufen, die aus dem Prämientopf unterstützt werden können, schneller und stärker wirkt als erwartet. Sie erfüllt damit kurzfristig den von der Bundesregierung erwünschten Zweck einer vorübergehenden Konjunkturstützung. Anders als erwartet kommt die Prämie nicht nur ausländischen Herstellern billiger Kleinwagen zugute. Sie stützt zumindest auch sehr kräftig den Absatz von Volkswagen – wenn auch Premiumhersteller wie BMW, Daimler und Porsche leer ausgehen. Außerdem profitieren viele deutsche Zulieferer.

Auf die Hochstimmung wird der Katzenjammer folgen

Richtig ist aber auch, dass auf die Hochstimmung der Katzenjammer folgen wird. Je länger der Kaufanreiz durch die aus Steuergeldern finanzierte Abwrackprämie aufrechterhalten wird, desto stärker wird der darauf folgende Einbruch in der Absatzstatistik ausfallen. Viele der mit der Prämie versüßten Autokäufe hätten die Kunden ohnehin getätigt. Und viele weitere Käufe finden einfach nur etwas früher statt, als wenn es die Prämie nicht gäbe. Diese Erfahrung wurde schon mit ähnlichen Programmen in anderen Ländern gemacht, etwa in Italien.

Die deutsche und die globale Autoindustrie leiden unter riesigen Überkapazitäten. Die Fabriken der Branche wären in der Lage, in diesem Jahr fast 100 Millionen Fahrzeuge zu produzieren. Verkauft werden 2009 aber voraussichtlich nur 50 Millionen Autos. An diesem Angebotsüberschuss ändert keine Abwrackprämie und auch keine Kredithilfe für Autobanken etwas.

Es braucht vielmehr schmerzhafte Anpassungen und neue Allianzen. Viele Massenhersteller produzieren zu teuer, weil sie zu klein sind. Das gilt zum Beispiel für Opel. Fast alle Hersteller in Deutschland sind zudem zu technikverliebt. Unter anderem deshalb kostet ein neues Auto im Schnitt üppige 25.000 Euro. Daran etwas zu ändern, brächte mehr als jede Abwrackprämie.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

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