Ins Jubiläumsjahr 2011 startete Daimler mit einer zwar würdigen, aber durchaus bescheidenen Feier zum 125. Jahrestag der Erfindung des Automobils. Jetzt geht das Jubeljahr als glanzvoller Erfolg in die Bücher ein: Noch nie wurden so viele Autos mit dem Stern verkauft, nie hat der Konzern so viel Gewinn erzielt. Die Aktionäre profitieren von einer Dividende in Rekordhöhe, die Mitarbeiter erhalten eine satte Gewinnbeteiligung von 4100 Euro - mehr denn je. Die Zahlen sind schön genug, um einen Moment innezuhalten und zu sagen: Herzlichen Glückwunsch!
Die Rendite dürfte sinken
Ganz offenbar hat Daimler in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht. Es wurden die richtigen Produkte entwickelt, in den richtigen Märkten angeboten - und das auch noch zu Preisen, die eine ansehnliche Rendite ermöglichen. Doch es gibt gleich mehrere Gründe, Wasser in den Wein zu gießen. Erstens wird man in den nächsten Wochen sehen, dass die Rivalen BMW und Audi noch viel schönere Zahlen melden werden. Und zweitens wird 2012 sehr wahrscheinlich schon nicht mehr so bejubelt werden. Man erwarte einen steigenden Umsatz und ein gleichbleibendes Ergebnis, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche - und gesteht nur ungern ein, dass damit nach Adam Riese die Rendite sinken wird. Zumindest für eher kurzfristig denkende Investoren sind das schlechte Nachrichten.
Daimler erlaubt sich, die kurzfristigen Renditebedürfnisse hintanzustellen, um ein langfristiges Ziel zu erreichen. Bis 2020 will der Stuttgarter Hersteller wieder wirklich spitze sein: Niemand soll mehr Premium-Autos verkaufen, mehr Umsatz damit machen und mehr Gewinn erzielen als Daimler. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, vor allem wenn man beobachtet, wie weit BMW vorausgeeilt ist und wie aufgeregt Audi ums Aufholen kämpft. Den Fahrplan, den Zetsche aufgestellt hat, kann der Konzern nur einhalten, wenn Milliarden in die Entwicklung zahlreicher neuer Modelle investiert werden und weitere Milliarden in den Aufbau neuer Werke, wo all diese Autos produziert werden.
Mit diesen Aufwendungen lässt sich erklären, warum der Gewinn vorübergehend wohl nicht steigen wird. So begründet ist die Delle auch akzeptabel. Nachdem viele Jahre nicht so recht klar war, wo Daimler eigentlich hinsteuert, hat Zetsche eine Perspektive eröffnet. Endlich sind die Zeiten vorbei, in denen man mehr mit dem Aufräumen von Altlasten beschäftigt ist als mit dem Gestalten der Zukunft.
Perpetuum Mobile
Gerold Keefer (solaris21)
- 10.02.2012, 08:09 Uhr