Die Opel-Mutter General Motors hat im vergangenen Jahr mehr Autos verkauft als jeder andere Konzern. GM gab am Donnerstag bekannt, 2011 insgesamt 9,026 Millionen Fahrzeuge verkauft zu haben und damit knapp acht Prozent mehr als 2010. Volkswagen steigerte seinen Absatz früheren Angaben zufolge auf 8,156 Millionen Fahrzeuge. An dritter Stelle folgt Toyota mit 7,9 Millionen, ein Rückgang von etwa sechs Prozent. Den Japanern machten im vergangenen Jahr das verheerende Erdbeben in Japan, Überschwemmungen in Thailand und Berichte über Qualitätsprobleme zu schaffen. 2010 führte Toyota noch die Liste der größten Hersteller an.
Kaum hatte GM den Führungsanspruch geltend gemacht, meldete sich Volkswagen zu Wort und kritisierte die Berechnungsmethoden der Amerikaner. Im Gegensatz zu GM habe Volkswagen nicht die Verkäufe sämtlicher Tochtergesellschaften einbezogen, sagte ein Sprecher. Hätte man das gemacht, also zum Beispiel die Verkäufe der mehrheitlich in VW-Besitz befindlichen LKW-Hersteller Scania und MAN berücksichtigt, wäre VW die Nummer Eins gewesen, erklärte der Sprecher.
Sauer stößt den Wolfsburgern vor allem auf, dass GM den Absatz der Beteiligungen am größten chinesischen Automobilkonzern Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) sowie an Liuzhou Wuling Motors in seine Konzernzahlen einbezieht.
Diese Tatsache sehen übrigens auch einige Branchenexperten kritisch, da GM nicht die Kontrolle über Wuling besitzt: „Irgendwo müssen wir einen Strich ziehen, um eine weltweite Vergleichbarkeit herzustellen“, sagt stellvertretend Jeff Schuster, Analyst beim Marktforschungsunternehmen LMC Automotive.
GM stört sich an der Kritik offenbar nicht und freut sich stattdessen über das Erreichte. Man sei aber nicht mehr nur auf Volumen konzentriert, stellte Unternehmenssprecher Jim Cain klar. „Unser Ziel ist es, der beste Autohersteller der Welt zu sein und nicht notwendigerweise der größte.“
Beeindruckendes Comeback
Das Comeback der Amerikaner ist in der Tat beeindruckend: Im Sommer 2009 aufgrund eines massiven Schuldenbergs in die Insolvenz geschlittert und nur mit Steuermilliarden gerettet, stand der in Detroit ansässige Autogigant binnen weniger Wochen wie Phoenix aus der Asche auf und schreibt mittlerweile wieder deutliche Gewinne. Auch das glanzvolle Comeback an der Wall Street gelang ohne größere Schwierigkeiten. Einziger Wermutstropfen ist das Europageschäft um die deutsche Tochter Opel, das einfach nicht aus den roten Zahlen kommt.
Ob Nummer Eins oder Nummer Zwei, die Dynamik scheint jedenfalls für die Deutschen zu sprechen: Während GM 2011 um knapp 8 Prozent wuchs, legte VW um gut 14 Prozent zu. Und bis die Marktführerschaft offiziell erreicht werden soll, hat Vorstandschef Martin Winterkorn auch noch reichlich Zeit. VW will bis spätestens 2018 die Marke von 10 Millionen Verkäufen knacken und damit den Thron erobern.
Um dieses Ziel zu erreichen, will Europas Branchenprimus den Absatz in den Vereiniogten Staaten mit einem eigenen Werk deutlich steigern, die Präsenz in Südostasien ausweiten und massiv in die Kapazitäten in den wichtigen BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China investieren. Nicht wenige Analysten gehen davon aus, dass Volkswagen schon im übernächsten Jahr die Krone übernehmen könnte.
Masse statt Klasse
Markus Bard (MB103)
- 20.01.2012, 21:14 Uhr
Die Wahrheit sieht etwas anders aus
Edda Kuhlmann (DTaggert)
- 20.01.2012, 16:38 Uhr
Toyota ist Nummer Zwei
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 20.01.2012, 14:16 Uhr