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Auto-Erinnerungen Mein Saab

20.02.2009 ·  Saab fahren war so ähnlich wie Gauloises rauchen. So schleppt man wohl seine Träume aus Studententagen noch eine Weile mit sich herum, auch wenn Auto-Kenner stets spotteten, man habe eigentlich einen Opel gekauft.

Von Rainer Hank
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Die erste Erinnerung gilt dem Zündschlüssel. Der muss beim Saab 9-3 nämlich in der Mittelkonsole, neben dem Schaltknüppel, eingeführt werden, um das Auto ans Laufen zu bringen. Das gibt's nur einmal in der Autowelt. Wie oft habe ich anfangs blind neben dem Steuerrad herum gestochert, bis mir wieder einfiel, dass in meinem neuen roten Auto alles anders war? Wie diebisch habe ich mich später gefreut, wenn ich einem Freund mein Auto lieh, der dann schon vor dem Anlassen kläglich scheiterte?

Als ich meine ersten Saab bekam, es muss Mitte der neunziger Jahre gewesen sein, gehörten die schwedischen Autobauer schon gut fünf Jahre zu General Motors und ich musste mir den Spott der Kenner anhören, eigentlich einen Opel gekauft zu haben. Schon damals war ich einem Mythos aufgesessen, der seine beste Zeit hinter sich hatte. Aber der Mythos wirkte immer noch - zumindest in meinem Freundeskreise, der eher aus Adornolesern denn aus Autonarren bestand, auch wenn die eleganten Kurven des berühmten Buckelhecks von den Banausen in Detroit längst trivialisiert worden waren. Aber für die technische Saab-Besonderheit eines Ottomotors mit Abgasturbolader und dergleichen Feinheiten interessierten wir uns ohnehin nicht.

Träume aus Studententagen

Nein, Saab fahren war so ähnlich wie Gauloises rauchen und ich wette, dass das solide Stück aus Trollhättan signifikant oft von zu bescheidenem Wohlstand gekommenen ehemaligen Entenbesitzern gesteuert wurde. So schleppt man wohl seine Träume aus Studententagen noch eine Weile mit sich herum, auch wenn der ganze Schweden-Mythos - Kapitalismus mit menschlichem Antlitz und so - damals schon verblasste und in die Karikatur des langweiligen Volksheims mit lebenslanger Pensionsberechtigung übergegangen war.

„Saab-Fahrer haben gewöhnlich ihre eigenen Ansichten und Lebensgewohnheiten“, habe ich jetzt irgendwo gelesen, und mich ein bisschen geschämt, dass ich offenbar unbewusst solchen Werbersprüchen aufgesessen war. Jedenfalls hatten wir damals diskutiert, dass wir mit dieser Kutsche besser bei unseren Freunden vorfahren konnten als mit einem Dreier BMW (den mal wohl fürs gleiche Geld bekommen hätte). Das ist dann später immer weniger wichtig geworden, obwohl ich doch lieber hier nicht verraten möchte, welche Marken ich nach den beiden Saabs gefahren habe.

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Jahrgang 1953, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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