05.12.2008 · Deutschland wird im kommenden Jahr nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise in eine tiefe Rezession abgleiten. Für 2009 erwartet sie einen Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts um 0,8 Prozent.
Deutschland wird im kommenden Jahr nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise in eine tiefe Rezession abgleiten. Für 2009 sei ein Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,8 Prozent zu erwarten, teilte die Deutsche Bundesbank am Freitag in Frankfurt mit. Damit kappten die Experten ihre Juni-Prognose von plus 1,4 Prozent deutlich. Die konjunkturellen Aussichten hätten sich seit Herbst markant verschlechtert. Im Winterhalbjahr 2008/09 sei mit einem „erheblichen Rückgang“ der realwirtschaftlichen Aktivität zu rechnen.
Erst im Zuge der erwarteten weltwirtschaftlichen Belebung im Jahr 2010 dürfte die deutsche Wirtschaft wieder an Schwung gewinnen. Die Unsicherheit sei mit Blick auf die Weltkonjunktur derzeit aber „extrem hoch“. Ein schärferer Einbruch sei in einem Risikoszenario „keineswegs abwegig“. Bislang war das BIP in Deutschland 1975 als Folge der Ölkrise mit einem Minus von 0,9 Prozent am stärksten geschrumpft. Auch für das laufende Jahr senkte die Bundesbank ihre Wachstumsprognose von bisher 2,3 Prozent auf 1,6 Prozent deutlich. 2010 sei ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent zu erwarten. Dabei sei unterstellt, dass sich aufgrund der umfangreichen Maßnahmenpakete die Lage an den Finanzmärkten allmählich entspanne und die globale Konjunktur - auch unterstützt durch die deutlich expansiv ausgerichtete Makropolitik - im Jahr 2010 wieder stärker anziehe.
„Mit deflationären Effekten nicht zu rechnen“
Die deutsche Wirtschaft befinde sich in den Jahren 2009 und 2010 in einer Phase konjunktureller Unterauslastung. Verglichen mit früheren zyklischen Schwächephasen sei die Produktionslücke zwar nicht außergewöhnlich groß; sie könne aber aufgrund der vorhandenen Abwärtsrisiken beziehungsweise Unwägbarkeiten länger andauern als erwartet, schreibt die Bundesbank. Die schwache Wirtschaftsentwicklung werde auch mit entsprechender Verzögerung den Arbeitsmarkt belasten. Die Arbeitslosigkeit dürfte im Jahresdurchschnitt 2009 und 2010 um jeweils mehr als 100.000 Personen ansteigen, was im Vergleich mit früheren zyklischen Schwächephasen aber kein harter Rückschlag sei.
Das Preisklima beurteilt die Bundesbank unterdessen weitaus optimistischer als die Wachstumsaussichten. Der Inflationsdruck wird insbesondere wegen des kräftigen Rückgangs bei Energieträgern und Nahrungsmitteln zunächst weiter deutlich nachlassen. Die Jahresrate des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) könnte sich um die Jahresmitte 2009 bis auf weniger als 0,5 Prozent reduzieren oder sogar negativ werden, schreibt die Bundesbank. Ab Herbst 2009 werde die Jahresrate aber wieder ansteigen, denn dann liefen die Basiseffekte aus und die höheren Lohnkosten dürften sich vermehrt bemerkbar machen. „Mit deflationären Effekten, wie zum Teil befürchtet, ist aus heutiger Sicht nicht zu rechnen“, schreibt die Bundesbank.
Kurzfristige Preisrisiken eher abwärtsgerichtet
Für 2008 geht die Bundesbank nun von einem Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) von durchschnittlich 2,8 (bislang 3,0) Prozent aus. Für 2009 wird eine Rate von 0,8 (bislang 2,2) Prozent veranschlagt. 2010 dürfte die Inflationsrate 1,4 Prozent betragen. Die Europäische Zentralbank strebt mittelfristig in der Eurozone eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an. Die kurzfristigen Preisrisiken seien eher abwärtsgerichtet.
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