Home
http://www.faz.net/-gqe-73ej8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Aussehen als Qualifikation Groß und fit soll der Manager sein

Das Aussehen wird im Beruf immer wichtiger. Schlank ist unschlagbar, dick bleibt auf der Strecke. Wer seine Figur und seine Fitness nicht im Griff hat, der bekommt kaum eine Chance.

© Action Press, Brauer Photos, dpa, Imago, Photothek Vergrößern Groß und sportlich: Siemens-Chef Peter Löscher (von links), Daimler Boss Dieter Zetsche, CoBa-Chef Martin Blessing, Nikolaus von Bomhard, Munich Re, der Chef der Deutschen Post Frank Appel und Allianz-Chef Michael Diekmann

Frank Appel, Vorstandschef der Deutschen Post, ist ein schlanker Zwei-Meter-Mann. Dieter Zetsche von Daimler misst gut 1,90 Meter, von ähnlicher Statur sind Michael Diekmann, CEO der Allianz, und Peter Löscher, der Siemens-Spitzenmann. Auch Commerzbank-Chef Martin Blessing ist mindestens 1,90 Meter groß.

Inge Kloepfer Folgen:  

Keine dieser Wirtschaftsgrößen ist übergewichtig, und fett schon gar nicht. Im Gegenteil: Alle repräsentieren den neuen Phänotyp erfolgreicher Manager - hochgewachsen, kein Gramm Fett zu viel, eher asketisch und damit augenfällig kontrolliert. Kleine Konzernlenker wie der 170-Zentimeter-Recke Hartmut Mehdorn sind in Deutschland die Ausnahme, und dicke Vorstände sucht man fast vergebens. Sie sind aus der Mode gekommen, seit der Schlankheitswahn nicht nur Kinderzimmer, sondern auch die Büros erreicht hat.

Keine Gesetze gegen Dicken-Diskriminierung

Wenn die Großen und Dünnen es weit bringen können, heißt das im Umkehrschluss: Dick führt nicht gut. Diese Annahme hat sich jedenfalls in den Köpfen derjenigen festgesetzt, die Karrieren befördern oder bremsen. „Wenn Sie hier im Verlagskonzern mehr werden wollen, dann müssen Sie ordentlich abnehmen.“ Das musste sich der deutlich übergewichtige, aber nicht minder ambitionierte Bereichsleiter Robert D. unlängst anhören. Seine Frage nach dem Warum erntete eine verblüffend ehrliche Antwort: „Weil Sie mit Ihrem Körperumfang nicht die Intellektualität ausstrahlen, die unsere Kunden von unseren führenden Mitarbeitern zu Recht erwarten dürfen.“

Dass Dicke als unintellektuell gelten, war für Robert D. eine neue Erkenntnis. Die glänzende Karriere kann er sich - unabhängig von seinen Fähigkeiten - vorerst abschminken. Als auch sein Anwalt ihm erklärte, es gebe keine Gesetze gegen Dicken-Diskriminierung, kaufte er sich Jogging-Schuhe.

Aussehen kommt an zweiter Stelle

Dass Attraktivität die Karriere beflügelt, ist wissenschaftlich hinlänglich bewiesen. Neu ist, dass die Bedeutung des Aussehens im Job rapide zunimmt. Mag die Frage nach der Qualifikation sich noch an erster Stelle halten, gleich danach kommt das Aussehen, bestätigt Sonja Bischoff, BWL-Professorin in Hamburg: „Der einzige relevante Erfolgsfaktor neben der Ausbildung ist die äußere Erscheinung.“ Nix Softskills, nix Networking.

1986 hielten gerade einmal 6 Prozent der deutschen Führungskräfte den Faktor Optik für den Berufseinstieg für bedeutsam.2008 war der Wert um 32 Prozent in die Höhe geschossen. Das ergaben Bischoffs Langzeitstudien, die regelmäßig unter dem Titel „Wer führt in (die) Zukunft?“ erscheinen. „Kein anderer Erfolgsfaktor hat in dem Maße zugelegt“, sagt die Wissenschaftlerin. Sie ist überzeugt: Diese Entwicklung ist noch lange nicht am Ende und betrifft längst nicht nur den Einstieg: Rund ein Drittel der Befragten hielten ein „normgerechtes Aussehen“ auch für den Aufstieg für sehr wichtig.

Übergewichtige haben kaum eine Chance

Größe und Gewicht sind auch finanzielle Erfolgsfaktoren. So verdienen große Männer im Durchschnitt mehr als kleine. Vor ein paar Jahren haben Forscher herausgefunden, dass sich für westdeutsche Männer ein Zentimeter Körpergröße in 0,6 Prozent mehr Bruttomonatsgehalt niederschlägt. In Australien verdient ein 1,83 Meter großer Mann etwa 1000 Dollar mehr als jemand, dem die Natur nur fünf Zentimeter weniger spendiert hat. Allerdings ist der Zusammenhang nicht linear. Ab 1,91 Metern Körpergröße nimmt der Vorteil wieder ab. Man sollte eben auch nicht alle überragen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bild-Chef Diekmann Der Bart ist ab

Er war kraus und stattlich, jetzt ist er ab: Pünktlich zum Nikolaus hat sich Kai Diekmann seinen Rauschebart rasiert. Die Aktion ist Marketing in eigener und fremder Sache - hilft aber auch einem guten Zweck. Mehr

06.12.2014, 20:26 Uhr | Aktuell
Es war einmal ein Bus

Seit Ewigkeiten fährt Mercedes-Benz der Wolfsburger Konkurrenz hinterher. Jetzt kommt die neue V-Klasse. Und die geneigte Kundschaft aus dem Staunen nicht mehr heraus. Mehr Von Holger Appel

29.08.2014, 10:52 Uhr | Technik-Motor
Mercedes-Manager rückt auf Daimler holt Ola Källenius in den Vorstand

Der Schwede wird schon gehandelt als möglicher Nachfolger von Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche. Im neuen Jahr zieht er in den Konzernvorstand ein. Mehr Von Susanne Preuß

11.12.2014, 13:10 Uhr | Wirtschaft
41.000 Meter Google-Manager bricht Baumgartner-Rekord

Der Stratosphärensprung Felix Baumgartners war vor zwei Jahren ein Medienereignis, jetzt hat ein Google-Manager den Rekord ganz gelassen gebrochen: Alan Eustace sprang aus 41.000 Metern ab. Mehr

09.12.2014, 13:10 Uhr | Gesellschaft
Suchanfragen-Ranking Uli Hoeneß ist Google-König des Jahres 2014

Kein Manager-Name wurde häufiger bei Google eingetippt als der von Uli Hoeneß. Auf Platz zwei folgt ihm der ehemalige Bertelsmann-Manager Thomas Middelhoff – die zwei unterhaltsamsten Manager-Schicksale des Jahres. Mehr Von Carsten Knop

15.12.2014, 20:34 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.10.2012, 17:47 Uhr

Eine Steuer nur für Dumme

Von Reinhard Müller

Die Erbschaftssteuer muss nach dem Karlsruher Urteil gerechter gestaltet werden. Das bedeutet nicht den Untergang für Familienbetriebe. Ein großes Vermögen allein oder der Erhalt einer Dynastie kann eine Steuerbefreiung nicht rechtfertigen. Mehr 7 11


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Deutschlands modernste Branchen

Nahezu jedes Unternehmen wirbt gern mit „Fortschritt“ oder „Innovation“. Doch in den unterschiedlichen Branchen sind Marktneuheiten von ganz unterschiedlicher Bedeutung. Mehr