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Ausschlachtung von Insolvenzfällen : Gierige Hedgefonds

Eine Bank muss Insolvenz anmelden, die Gläubiger werden nervös. In diesem Moment treten oft Hedgefonds als professionelle Forderungsaufkäufer auf den Plan. Hinterher werden sie dem Insolvenzverwalter lästig. Die „historischen“ Gläubiger sind ihnen egal.

          Schon der Urgroßvater hatte es gesagt: Wenn man im Einkauf nicht viel bezahlt hat, kann man im Verkauf nicht mehr viel verlieren. Umso größer sind im Gegenteil die Verdienstmöglichkeiten. Diese Binsenweisheit jedes Kaufmanns haben Hedgefonds im großen Stil zu einem Geschäftsmodell perfektioniert, das wenig Risiken in sich birgt, höchste Renditen verspricht, wenig Intelligenz erfordert und nicht selten sogar Skrupellosigkeit belohnt.

          Das geht im Detail so: Eine Bank muss Insolvenz anmelden, Forderungen werden über Jahre hinweg nicht bedient, die Gläubiger nervös. In diesem Moment treten die Hedgefonds als professionelle Forderungsaufkäufer auf den Plan. Sie bieten den Gläubigern sofort Geld, im Gegenzug sammeln sie die Forderungen mit höchstmöglichen Abschlägen ein. Danach werden sie, die zuvor überhaupt nicht zur Gruppe der Gläubiger gehörten, dem Insolvenzverwalter lästig: Sie wollen das Maximum für sich selbst herausholen. Die anderen, wenn man so will, „historischen“ Gläubiger, sind ihnen dabei gleichgültig, die Gleichbehandlung, die das deutsche Recht vorschreibt, ebenfalls. Sie wollen in der Rangfolge bevorzugt werden, koste es, was es wolle.

          Perfider Hebel

          Diese Erfahrung macht gerade Michael Frege, der Verwalter der insolventen deutschen Tochtergesellschaft der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers. Er hat in den vergangenen vier Jahren erfolgreich gearbeitet. Die Gläubiger können sich auf eine Rückzahlung von vermutlich 80 Prozent ihrer Forderungen freuen. Doch die Hedgefonds wollen mehr. Sie bezichtigen Frege, trotz aller Erfolge auch Fehler gemacht zu haben, setzen darauf, gegenüber anderen bevorzugt zu werden. Ihr perfider Hebel ist, dass Frege und das Insolvenzteam seiner Kanzlei CMS Hasche Sigle angesichts der hohen Insolvenzmasse von 15 Milliarden Euro sehr viel Geld für ihre Arbeit bekommen werden: Es wird in jedem Falle eine hohe dreistellige Millionensumme. Vermutlich liegt sie zwischen 300 und 800 Millionen Euro.

          Das ist gewiss viel Geld, am oberen Ende auch zu viel. Wer sich nun aber vor den Karren von Hedgefonds spannen lässt, die mit der Summe zündeln, um eigene Vorteile zu erreichen, macht einen Fehler. Die Hedgefonds denken nur an sich selbst. Frege immerhin hat etwas für die Allgemeinheit getan. Die Deutsche Bundesbank und der deutsche Einlagensicherungsfonds sind die größten Gläubiger von Lehman Deutschland.

          Carsten Knop

          verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung und Unternehmen.

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          Quelle: F.A.Z.

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