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Auslandsgeschäft VW erwägt Fabrik in Amerika

In einem Jahr will VW in Amerika Geld verdienen. Wenn das Werk in Mexiko ausgelastet ist, soll auch eine Fabrik in den Vereinigten Staaten her. Dort allerdings diskutiert man längst nicht mehr darüber, ob das Werk gebaut wird, sondern darüber, wo es stehen soll.

© dpa Winterkorn und Jacobi in Detroit

Auf dem größten Automarkt der Welt steckt Europas größter Autohersteller in einer schlimmen Krise. In Nordamerika hat Volkswagen abermals weniger Autos verkauft und, noch schlimmer, damit auch noch einen Verlust gemacht. „Es ist richtig“, sagte Stefan Jacoby, „wir verdienen hier kein Geld. Aber in einem Jahr wollen wir die Gewinnschwelle erreichen.“ Jacoby ist seit einem halben Jahr verantwortlich für Nordamerika. Aus dem Unternehmen heißt es, der 49 Jahre alte Manager habe den härtesten Sanierungsauftrag, den es im Konzern gebe.

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In den vergangenen fünf Jahren verloren die Wolfsburger in Nordamerika rund 3,5 Milliarden Dollar. Konzernchef Martin Winterkorn hat den jugendlich wirkenden Manager als Sanierer eingesetzt, der die Marke VW in die Erfolgsspur zurückbringen und den Absatz von 240.000 auf 800.000 Autos steigern soll. In Detroit erklärte Winterkorn vor Journalisten, wie das gelingen kann. „Wenn wir die richtigen Produkte und die richtigen Händler haben, dann wird die Marke VW hier ganz anders fliegen.“

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Ausblick auf die „richtigen Produkte“

Auf der Autoschau am Detroit River gewährt VW einen Ausblick auf die „richtigen Produkte“: Der begehrte Jetta als Diesel, ein schicker Passat in Coupé-Optik und der Tiguan, der das wachsende Segment kompakter Geländewagen bedient, gehören zu den wichtigsten Neuheiten auf der diesjährigen Messe. Ständig sind die Fahrzeuge von Fotografen und Besuchern umlagert, groß ist das Interesse des Publikums auf dem großzügigen, ganz in Weiß gehaltenen Messestand. Die Präsentation ist kein Vergleich zum vergangenen Jahr, als VW in Detroit im Schatten aller anderen Aussteller nur einen kleinen Platz in einer abgelegenen Ecke beansprucht hatte.

Winterkorn ist zufrieden mit dem diesjährigen Auftritt: „Das passt zu VW.“ Und Jacoby glaubt, dass VW zu Amerika passt: „VW ist Teil der amerikanischen Popkultur“, sagte er, „es gibt keinen Amerikaner, der nicht irgendeine Geschichte zu VW weiß.“ In den sechziger Jahren hatte der kleine VW Käfer den Wolfsburgern im Land der Straßenkreuzer zu einer unerwarteten Popularität verholfen. Der Käfer erreichte als meistverkaufter Importwagen einen Marktanteil von 6 Prozent - das ist so viel, wie heute alle deutschen Hersteller gemeinsam erreichen. Doch danach wurden in dem Unternehmen viele Fehler begangen. Einer davon war, eine eigene Autofabrik aufzugeben. Ein eigenes Werk braucht VW aber, wenn die Marke das von Winterkorn vorgegebene Absatzziel von 800.000 Autos im Jahr 2018 erreichen will.

„Wir sind nah an der Gewinnschwelle“

Bisher produziert Volkswagen ausschließlich im mexikanischen Puebla. Der VW Jetta, der New Beetle und der Golf Variant laufen dort von den Bändern, zwei Drittel der Produktion sind für den nordamerikanischen Markt bestimmt. Ganz ohne Fertigung im Dollarraum muss auch die Tochtergesellschaft Audi auskommen. Angesichts des hohen Euro-Kurses sind auch die Premiumfahrzeuge mit den vier Ringen kaum profitabel.

„Wir sind nah an der Gewinnschwelle“, sagte Audi-Chef Rupert Stadler im Gespräch mit dieser Zeitung. Aber nur wegen des Wechselkurses würde er keine Fertigung aufbauen: „Das Produktportfolio muss den Bedarf nach mehr Fertigungskapazität auslösen.“ Die Nachfrage nach Audi-Modellen ist in Nordamerika vorhanden, fast 4 Prozent mehr Fahrzeuge haben die Bayern verkauft, insgesamt waren es 93 500. Anders als VW scheint Audi aber nicht unter allzu großem Zeitdruck zu stehen, was die Pläne für ein eigenes Automobilwerk in der Dollarregion betrifft. „2009 müssen wir uns Gedanken machen“, sagte Stadler.

Die Frage nach dem „ob“ wird gar nicht mehr gestellt

Im VW-Aufsichtsrat soll dagegen auf jeden Fall noch im ersten Halbjahr 2008 eine Entscheidung fallen. Selbst der Betriebsrat erkennt aufgrund des Wechselkurses und eines drohenden Fertigungsengpasses die Notwendigkeit zum Bau einer Fabrik in Nordamerika, stellt aber Bedingungen: „Erst muss unsere Fabrik in Mexiko voll ausgelastet sein“, hatte der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh schon vor Wochen erklärt.

Unterdessen kursieren unter Amerikas VW-Händlern die unterschiedlichsten Gerüchte, wo der Konzern das Werk bauen wird. Die Frage nach dem „ob“ wird gar nicht mehr gestellt. Doch eine Standortdiskussion - Alabama, Georgia, Tennessee oder gar Kanada werden genannt - will Konzernchef Winterkorn nicht vorab führen. Zuerst kommt für den Technikenthusiasten stets das Produkt.

Winterkorn will Fahrzeuge auf den Markt bringen, die den Geschmack der Kunden in Nordamerika treffen. Geplant sind zwei Limousinen auf Jetta- und Passat-Plattform, die intern als „New Compact Sedan“ und „New Medium Sedan“ bezeichnet werden. Seit den Zeiten des Käfers, sagte Winterkorn, habe VW nicht alles falsch gemacht: „1992 war VW auch mal ganz unten. Dann haben wir den New Beetle und den Jetta eingeführt und sofort wieder mehr als 500 000 Autos verkauft.“

Quelle: F.A.Z., 15.01.2008, Nr. 12 / Seite 12

 
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