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Ausland Österreich startet mit der Maut pünktlich zum Jahreswechsel

16.09.2003 ·  Die Vorbereitungen zur Einführung der Maut laufen wie geplant. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Österreich keine Engpässe bei den Abrechnungsboxen.

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Anders als in Deutschland dürfte in Österreich die Lastwagenmaut wie geplant zum Jahreswechsel eingeführt werden. Österreich setzt wie die meisten anderen europäischen Länder eine Mikrowellentechnik zur Abrechnung ein. Im Gegensatz zum nördlichen Nachbarn gibt es in der Alpenrepublik offensichtlich keinen Engpaß bei den Bordgeräten, die von Januar an jeder Lastwagen mit über 3,5 Tonnen mit sich führen muß.

Der Betreiber Europpass, eine Tochtergesellschaft der italienischen Autostrade, hat 380 000 Geräte hergestellt und kalkuliert 88 000 Fahrzeuge in Österreich sowie 322 000 internationale Kunden. Nur die Verteilung an die Transporteure ist den Angaben nach noch nicht zufriedenstellend angelaufen. Die aktuellen Verkaufszahlen der Einrichtungen zur Mautabrechnung zeigten, daß erst ein Zehntel aller Lastwagen für den Jahreswechsel gerüstet sind. Die Geräte kosten fünf Euro und sind damit deutlich günstiger als die deutschen Mautabrechnungsboxen. Ebenso ist ein mehrstündiger Einbau - wie in Deutschland - nicht notwendig, das Gerät wird einfach an der Windschutzscheibe angebracht.

Einerseits freuen sich die Österreicher, keine Schwierigkeiten bei der Einführung zu haben und glauben inzwischen, mit ihrem Start zum Jahresbeginn schneller zu sein als Deutschland. Mit Blick auf den legendären Sieg der Alpenrepublik bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 über Deutschland sprach Rudolf Bauer, der Geschäftsführer des Fachverbandes Güterbeförderung in der Wirtschaftskammer, von einem zweiten Córdoba: "Österreich gewinnt 3:2." Andererseits würden die Österreicher aus Wettbewerbsgründen lieber im Windschatten Deutschlands segeln. "Weil der erste mehr Gegenwind habe", heißt es.

Mangelnde Kompatiblität

Nach wie vor beklagen die Vertreter des Transportgewerbes, daß die deutschen Geräte zur Abrechnung der Lastwagen-Maut mit dem österreichischen System nicht kompatibel sind. Österreich habe seine Hausaufgaben gemacht, jetzt sei Deutschland am Zug, moniert Europpass. Die Gesellschaft habe die notwendigen technischen Voraussetzungen für den Einsatz des deutschen Fahrzeuggeräts in Österreich schon geschaffen. Auch die deutschen Geräte wären technisch schon auf die Interaktion mit dem österreichischen System vorbereitet.

Deutschland müßte nur noch eine kleine Software-Anpassung vornehmen, damit das deutsche Fahrzeuggerät auch für die Bezahlung der Maut in Österreich geeignet wäre, heißt es. Fortschritte meldet der Betreiber hingegen mit den Schweizern. Im Gegensatz zum deutschen sei das Schweizer Fahrzeuggerät mit Betriebsstart in Österreich verwendbar. Trotz wesentlich schwierigerer Bedingungen habe man eine gemeinsame Lösung gefunden, heißt es. Mit einer österreichischen Maut-Box umgekehrt in Deutschland oder der Schweiz Maut zu bezahlen, wird wegen der unterschiedlichen Technik jedoch in beiden Ländern nicht möglich sein.

Neueste Technik in Österreich

Österreich wird mit seinem vollelektronischen DSRC-System die neueste Technik einführen, die bislang nur in Melbourne auf kurzer Strecke probiert wurde. Das System stellt also eine Premiere dar, da es zum ersten Mal flächendeckend auf einem Streckennetz von 2000 Kilometer Länge eingeführt wird.

Die Höhe der Maut von durchschnittlich 22 Cent je Kilometer wurde auf Vorschlag der staatlichen Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-AG (Asfinag) durch das Infrastrukturministerium festgelegt. In Österreich werden im Gegensatz zu Deutschland auch Fahrzeuge zwischen 3,5 und 12 Tonnen mit Maut belegt, da Vehikel bis 12 Tonnen schon seit 1997 der Vignette unterliegen. Abgerechnet wird die Maut je nach Achszahl: Im Detail zahlen Lastwagen und Busse mit mehr als 3,5 Tonnen mit zwei Achsen 0,130, mit drei Achsen 0,182 und mit vier Achsen 0,273 zuzüglich 20 Prozent Umsatzsteuer je Kilometer. Die Asfinag erhofft sich von der Maut jährliche Einnahmen von 600 Millionen Euro. Bis zu 15 Prozent davon kassiert Europpass, mit dem Rest sollen das hochrangige Straßennetz weiter ausgebaut und Schulden abgebaut werden.

Quelle: ela., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2003, Nr. 216 / Seite 14
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