21.09.2004 · Wirtschaftsminister Clement geht davon aus, daß Ende September bis zu 30.000 Ausbildungsplätze fehlen werden. Über die Nachvermittlungsbörsen hofft er jedoch noch, allen Bewerbern ein Angebot machen zu können.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement geht davon aus, daß Ende September wohl 20.000 bis 30.000 Ausbildungsplätze fehlen werden, nachdem die Lücke im entsprechenden Vorjahresmonat 20.000 betragen hatte. Allerdings habe es in diesem Jahr 20.000 Bewerber mehr gegeben als im vergangenen Jahr, fügte Clement hinzu. Die jetzt von allen Unterzeichnern des Paktes vorgelegte Zwischenbilanz nach 100 Tagen nannte der Minister „überzeugend“.
Clement zeigte sich am Dienstag nach einem Treffen des Lenkungsausschusses zu dem mit der Wirtschaft abgeschlossenen Ausbildungspakt zuversichtlich, daß bis zum Jahresende allen ausbildungswilligen und -fähigen jungen Menschen ein Angebot auf Ausbildung unterbreitet werden könne. „Das ist das verbindliche Ziel“, unterstrich er. Die Beteiligten sollten in ihrem Engagement für mehr Lehrstellen nicht nachlassen.
Einstiegsqualifikationen und Nachvermittlungsbörsen sollen helfen
Der Minister forderte die Jugendlichen auf, die Nachvermittlungsbörsen zu nutzen. Wenn nur 60 Prozent den Einladungen folgten, sei dies „nicht nur positiv zu werten“, kritisierte er.
Erstmals werden auch sogenannte Einstiegsqualifikationen angeboten. Dabei handelt es sich um ein sechsmonatiges bis einjähriges bezahltes Praktikum in einem Unternehmen. Die Praktikumszeit kann auf die Lehrzeit angerechnet werden. Die Handelskammern warben bis Ende August bereits 10.000 solcher Praktikumsplätze ein. Clement sagte, diese Maßnahme sei für Jugendliche gedacht, die nicht auf Anhieb eine betriebliche Ausbildung bewältigen könnten.
Der Bund zahlt den Jugendlichen monatlich knapp 200 Euro zum Lebensunterhalt hinzu und übernimmt auch die Sozialversicherung. In Clements Etat sind dafür 270 Millionen Euro vorgesehen.
„Das Ziel vor Augen“
Handelskammer-Präsident Ludwig Georg Braun sagte: „Der Pakt wirkt. Wir haben das Ziel vor Augen. Erreicht haben wir es noch nicht.“ Nach Angaben von Braun meldeten die IHK bis Ende August einen Zuwachs an neuen Ausbildungsverträgen von 3,7 Prozent und die Handwerkskammern von 2,5 Prozent. Insgesamt habe es damit in beiden Ausbildungsbereichen zusammen 10.800 Lehrstellen mehr gegeben als im Vorjahr.
Dem stehe ein Rückgang von Ausbildungsplätzen aufgrund der schwierigen konjunkturellen Situation entgegen, sagten Braun und der Präsident des Zentralverbands des deutschen Handwerks (ZDH) Dieter Phillip.
Nach Einschätzung von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt kann es trotz des Ausbildungspakts bis Ende September möglicherweise eine größere Lehrstellenlücke als im Vorjahr geben. Konkrete Zahlen gebe es zwar noch nicht, sagte Hundt am Dienstag im ARD-Morgenmagazin. Die 1,5 bis 2 Prozent Wirtschaftswachstum in diesem Jahr würden nicht ausreichen, um wirklich positive Impulse am Arbeitsmarkt auszulösen, sagte Hundt.
Bulmahn warnt vor Fachkräftemangel
Bildungsministerin Edelgard Bulmahn forderte von den Ländern mehr Anstrengungen, die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluß zu verringern. Derzeit verläßt jeder zehnte die Schule ohne Abschluß. Diese Zahl müsse bis 2010 mindestens halbiert sein. Wenn es nicht gelinge, die Ausbildungslücke zu schließen, fehlten in zehn Jahren drei bis 3,5 Millionen Fachkräfte.
In der zweiten Novemberhälfte wollen sich Bundesregierung, Arbeitgeber und die Bundesagentur für Arbeit abermals treffen, um den Fortgang des Paktes abzustimmen.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2485 | −0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 106,85 $ | −0,38% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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