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Ausbildungsjahr beginnt : Unternehmen bleiben auf Lehrstellen sitzen

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Besucher der Azubi- und Studientage informieren sich auf der Leipziger Messe am Stand des Hotel- und Gaststättenwesens. Lehrlinge zu finden wird für Unternehmen immer schwerer. Bild: dpa

Zahlreiche Jugendliche starten heute in ihre Ausbildung. Doch es bleiben Stellen übrig – nicht genug Jugendliche wollen eine Lehre machen. Zu den Gründen gehören regelmäßige Überstunden und Druck vom Chef.

          Die Bundesagentur für Arbeit erwartet, dass es 2018 wohl erstmals seit Jahren auch statistisch weniger Bewerber als Stellen in der betrieblichen Ausbildung gibt. So wurden bis Juli mehr als 530.000 Lehrstellen fürs neue Ausbildungsjahr gemeldet, aber nur gut 500.000 Interessenten. Denn die Schülerzahlen sinken, während der Bedarf von Firmen an Mitarbeitern steigt.

          Dennoch blieben auch schon im vergangenen Jahr Lehrstellen unbesetzt. Laut Berufsbildungsbericht bildete weniger als jeder fünfte Betrieb aus. Die Zahl der unbesetzt gebliebenen betrieblichen Ausbildungsstellen stieg auf knapp 49.000. Zugleich blieben aber auch knapp 25.000 Bewerber ohne Lehrstelle, weil Betriebe und potentielle Lehrlinge nicht zueinander fanden.

          Im vergangenen Jahr war die Zahl Jugendlichen, die eine Ausbildung anfingen, dabei zum ersten Mal seit Jahren wieder gestiegen. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes ging das vor allem darauf zurück, dass überproportional viele Flüchtlinge eine betriebliche Ausbildung anfingen.

          Gewerkschaften fordern Reformen

          An diesem Montag will der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mit seinem Ausbildungsreport 2018 einen aktuellen Überblick geben. Von der Politik erwarten die Gewerkschafter die rasche Umsetzung angekündigter Reformen. Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) will die berufliche Ausbildung stärken. So sollen kleine Betriebe, in denen die Ausbildungsquote zurückgegangen ist, dabei unterstützt werden, eine Ausbilder-Eignung zu machen und Lehrstellen anzubieten. Laut Koalitionsvertrag soll die berufliche Bildung mit einem Berufsbildungspakt modernisiert werden. Das Berufsbildungsgesetz soll reformiert, eine Mindestausbildungsvergütung verankern werden.

          Der Ausbildungsreport des DGB vom vergangenen Jahr zeigte: Regelmäßige Überstunden und großer Druck vom Chef verleiden vielen Azubis ihre Ausbildung. Vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe klagen viele Azubis über die Zustände. Insgesamt leistet mehr als ein Drittel der Azubis regelmäßig Überstunden. Für mehr als jeden dritten Azubi gibt es keinen betrieblichen Ausbildungsplan. Mehr als jeder Zehnte übt regelmäßig ausbildungsfremde Tätigkeiten aus.

          Es braucht gute Ausbilderinnen und Ausbilder

          Dennoch waren laut Ausbildungsreport 2017 rund 72 Prozent der Azubis mit ihrer Lehre sehr zufrieden oder zufrieden. 22 Prozent der Auszubildenden waren teilweise zufrieden, 6 Prozent unzufrieden. DGB-Vize Elke Hannack dringt darauf, das Karliczek Dampf macht mit der Reform des Berufsbildungsgesetzes. „Dreh- und Angelpunkt für eine moderne Berufsbildung sind gute und engagierte Ausbilderinnen und Ausbilder in den Betrieben“, sagt sie. Sie müssten durch ein Recht auf Weiterbildung gestärkt werden – auch wegen der Digitalisierung und zur Erhöhung interkultureller Kompetenzen.

          Als Mindestvergütung für Azubis fordert Hannack im ersten Ausbildungsjahr 635 Euro im Monat. Laut aktuellen DGB-Eckpunkten für eine solche Mindestvergütung soll diese für das zweite Ausbildungsjahr dann bei 696 Euro liegen, für das dritte Jahr bei 768 Euro und für das vierte Jahr bei 796 Euro.

          Augenfällig ist vor allem die sich stark unterscheidende Bezahlung zwischen verschiedenen Lehrberufen. Laut Ausbildungsreport 2017 verdienten Mechatroniker in der Ausbildung in Westdeutschland zuletzt beispielsweise durchschnittlich 1027 Euro – mehr als doppelt so viel wie Friseure (523 Euro).

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