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Aus für analoge Satellitenübertragung : Das Ende einer Fernseh-Ära

Sattelitenschüsseln an einem Haus in Berlin Bild: ddp

Von Montag an funken die Satelliten nur noch digitale Signale. Zur Freude der Konsumelektronikindustrie, die Millionen neue Geräte verkauft hat. Zum Ärger der Kunden, deren analoge Empfänger ein Fall für den Elektronikschrott sind.

          Am Montag wird mancher Fernsehzuschauer schwarz sehen, falls er noch das analoge Satellitenfernsehen nutzt. Um drei Uhr morgens endet die Ära der analogen Übertragung in Deutschland. Noch lassen 30 Sender ihre Programmsignale auch auf diese antiquierte Weise über das Astra-System vom Weltraum zu den Satellitenschüsseln auf der Erde funken. Wer sie noch empfängt, muss umrüsten, um weiter fernsehen zu können. Die Uhr zur Umstellung tickt, und viele Kunden haben schon reagiert. Ende 2010 nutzten noch 2,9 Millionen Haushalte das analoge Satellitenfernsehen, Ende 2011 waren es 1,8 Millionen. Jetzt gehen die Sender von bis zu 300 000 Zuschauern aus, die noch nicht umgestellt haben.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Was Fernsehzuschauer eher ärgert, stellt für die Industrie ein Grund zur Freude dar. Schließlich können die analogen Geräte nicht umgestellt werden, sie gehören in den Elektronikschrottcontainer. Wer weiter Fernsehen schauen will, braucht ein neues Gerät. „Das ist schon eine Art zusätzliches Konjunkturprogramm“, sagt Stefan Vollmer vom Satellitenbetreiber Astra. Er schätzt, dass der Mehrumsatz eine dreistellige Millionensumme erreicht.

          Diese Prognose dürfte der Wahrheit nahekommen. Das zeigt ein Blick auf den Fernsehgerätemarkt. Mit 9,7 Millionen Geräten wurden 2011 so viele Fernseher wie noch nie in Deutschland verkauft. So manche dieser Kaufentscheidungen dürfte auch der Satellitenumstellung geschuldet sein. Die große Zahl neuer Geräte verfügt serienmäßig über einen Tripletuner, der ohne zusätzliche Hardware den Empfang von Satelliten-, Antennen- und Kabelprogrammen ermöglicht. Die günstigere Variante: Externe Empfänger für diejenigen Zuschauer, die nicht gleich ihren ganzen Fernseher austauschen wollen.

          Der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GfU) zufolge haben diese Geräte, die schon von 30 Euro an zu haben sind, einen kräftigen Absatzschwung erlebt. Wurden 2010 1,65 Millionen normale digitale Sat-Receiver und 2,3 Millionen HD-Receiver verkauft, waren es 2011 schon 1,85 Millionen beziehungsweise 2,9 Millionen Geräte. Zwischen Januar und April schlugen die Deutschen noch einmal richtig zu: In diesen vier Monaten summierte sich der Absatz auf 1,9 Millionen Geräte – fast doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Der Branchenverband Bitkom geht davon aus, dass bis zum 30. April insgesamt mehr als 3,4 Millionen Geräte für den digitalen Satellitenempfang, also Fernseher und externe Empfänger, verkauft werden.

          Die Anstrengungen der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender scheinen sich auszuzahlen. Seit zwei Jahren informieren sie in einem breiten Bündnis über die Umstellung. Die ARD geht mittlerweile von einer Marktabdeckung von mehr als 90 Prozent aus und hat festgestellt, dass der Bekanntheitsgrad der Umstellung auch über diesem Wert liegt. „Es weiß fast jeder“, sagt eine Sprecherin von ARD Digital.

          Umstellen muss sich jedoch nicht nur derjenige, der bislang die analogen Satellitenprogramme gesehen hat. Denn das Übertragen digitaler Fernsehbilder braucht weniger Platz, da Bild- und Tonsignale vor der Übertragung komprimiert werden. Dadurch können mehr Frequenzen vergeben werden. Mit dem analogen Abschalten breiten einige Sender ihre digitale Satellitenausstrahlung aus, andere digitale Angebote wechseln den Kanal. Am Montag um fünf Uhr starten neue HD-Programme der ARD, kurz darauf nimmt auch „Super RTL HD“ den Betrieb auf. Am Montag empfiehlt sich ein Sendersuchlauf, da sich viele Frequenzen ändern. Auch für manche Kabelkunden wird das nötig.

          Der Zuschauer darf sich also von Montag an über ein besseres Bild freuen, falls sein Fernseher die höhere Qualität auf den Schirm bringt – und wenn das große Umrüsten erledigt ist. Sonst sieht er schwarz.

          Der Weg in die digitale Fernsehwelt

          Wer noch analoges Satellitenfernsehen schaut, weiß oftmals gar nichts davon. Man erfährt es im Videotext auf Tafel 198 fast jedes Fernsehsenders (ARD, ZDF, RTL, Sat 1, Pro Sieben): Dort liest der Zuschauer dann, dass er analoges Fernsehen nutzt. Wer auf digitales Satellitenfernsehen umsteigen möchte, braucht für jeden Fernseher einen digitalen Satellitenreceiver, der ab 30 Euro erhältlich ist, oder einen Fernseher mit integrierten Receiver. Die Satellitenschüssel benötigt ein digitaltaugliches Empfangsteil (Universal Low Noise Block Converter), den die meisten Geräte haben, wenn sie nach dem Jahr 1997 gebaut worden sind. Die Senderinitiative „Klardigital“ informiert im Internet unter „www.klardigital.de“ und die ARD unter der Telefonnummer 0800 221 5000 (täglich 10 bis 20 Uhr). Alternativen zum digitalen Satellitenempfang sind Fernsehen via DVB-T, Kabel oder Internet. (jch.)

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