20.05.2007 · In aller Eile möchte der Siemens-Konzern das Machtvakuum an der Spitze beseitigen. Derzeit tagt in München der Aufsichtsrat, um einen Nachfolger für den trotz aller Erfolge abberufenen Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld zu finden.
Die Zeit des Machtvakuums im Siemens-Konzern nähert sich ihrem Ende. Zur Stunde treffen sich in München die Aufsichtsräte zu einer außerordentlichen Sitzung, um über die Nachfolge für Klaus Kleinfeld zu beraten. Ihr erklärtes Ziel ist es, sich dabei auf einen neuen Vorstandsvorsitzenden zu verständigen. Zwei Kandidaten, beide von außen, stehen dabei zur Wahl, so war am Samstag aus Kreisen des Aufsichtsrates zu hören. Gestern wurde zwischen den diversen Beteiligten noch eifrig telefoniert, Sonntag früh werden die diversen Gremien die Chef-Frage diskutieren. Das Präsidium des Aufsichtsrates, das die Vorauswahl trifft, wird sich zusammensetzen. Außerdem sind getrennte Sitzungen von Vertretern der Kapital- wie der Arbeitnehmerseite geplant.
Besonders gefordert ist dabei der neue Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Auf der Seite der Arbeitnehmer spielen Gesamtbetriebsratschef Ralf Heckmann sowie IG-Metall-Vize Berthold Huber die maßgebliche Rolle. Gegen ihren Willen sei kein Vorstandsvorsitzender zu bestallen, bekräftigten die Gewerkschafter vor der entscheidenden Sitzung. Soziale Kompetenz wie die Anerkennung der deutschen Mitbestimmung nennen sie als unverzichtbare Einstellungskriterien. Technologiekompetenz und internationale Erfahrung sind weitere Punkte im Anforderungskatalog. Auch ein Ausländer mit deutschem Hintergrund sei denkbar, heißt es in München. Nur eine interne Lösung ist nach allem, was man hört, ausgeschlossen, dafür ist den Kontrolleuren das Risiko angesichts des nicht ausgestandenen Korruptionsskandals zu hoch.
Schon heute eine Lösung?
Die spannende Frage wird nun sein: Überzeugt schon am Sonntag ein Kandidat alle Seiten? Und wie schnell kommt der aus seinem bisherigen Vertrag? Gerhard Cromme, dem bisweilen eigene Ambitionen auf den Vorstandsvorsitz nachgesagt wurden, möchte den Wechsel jedenfalls möglichst rasch regeln. Er selbst stehe nur für den Notfall als Übergangschef zur Verfügung, lässt er durchblicken.
Die Lage an der Siemens-Spitze ist deshalb so prekär, weil dem Konzern im Verlauf der Schmiergeldaffäre die komplette Führung abhanden gekommen ist: Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer musste zurücktreten. Der Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld regiert nur noch auf Abruf. Und die Top-Manager, die einst mit ihm um den Vorstandsvorsitz gewetteifert hatten und somit als Nachfolger hätten einspringen könnne, sind alle nicht mehr da: Ex-Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger ebenso wie Thomas Ganswindt und Johannes Feldmayer.
Linde-Chef Wolfgang Reitzle, der als erster Favorit für den Posten gehandelt wurde, sei jetzt „definitiv nicht mehr im Rennen“, heißt es in Kreisen des Aufsichtsrates. Reitzle selbst hat Anfang der Woche bekundet, nicht für den Job bei Siemens zur Verfügung zu stehen, wobei die Gründe für die Absage im Dunkeln blieben: Lässt ihn Linde-Aufsichtsratschef Manfred Schneider nicht gehen? Will er tatsächlich unbedingt seine Mission bei Linde vollenden? War ihm das Gehalt bei Siemens zu niedrig, oder hatte Cromme bereits jemanden anderen im Kopf?
Und was "lernt" uns das? Sehr viele nichts!
Rolf-Dirk Maehler (RDMAEHLER1)
- 20.05.2007, 15:51 Uhr
Der neue Chef bei Siemens
Fionn Huber (fionn)
- 20.05.2007, 16:20 Uhr
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