20.05.2007 · Ein Österreicher soll den einstigen deutschen Vorzeigekonzern Siemens wieder in ruhige Fahrwasser führen. Der Aufsichtsrat entschied sich am Sonntag einstimmig für den bisherige Merck-Manager. Löscher löst im Juli Klaus Kleinfeld ab.
Der Aufsichtsrat von Siemens hat einen neuen Vorstandsvorsitzenden gefunden. Der gebürtige Österreicher Peter Löscher wird am 1. Juli Nachfolger von Klaus Kleinfeld. Löscher, wie Kleinfeld 1957 geboren, kommt vom amerikanischen Pharmakonzern Merck, wo er seit Mai des vergangenen Jahres Vorstand für Vertrieb und Marketing ist.
Die Entscheidung für Löscher sei in der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am Sonntag sowohl auf der Kapital- als auch auf der Arbeitnehmerseite einstimmig gefallen, hieß es aus dem Kontrollgremium. Es habe einen zweiten Anwärter gegeben, doch sei Löscher von Anfang an der Wunschkandidat von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme gewesen.
Absage des Wunschkandidaten?
Cromme habe vor etwa vier Wochen Kontakt zu Löscher aufgenommen. Ende April hatte sich Kleinfeld entschieden, seinen im September auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Auch mit Linde-Chef Wolfgang Reitzle hatten Cromme und Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank und Aufsichtsrat von Siemens, damals ein Gespräch über den Chefposten geführt. Reitzle hatte jedoch zu Beginn der vergangenen Woche abgesagt. Im Umfeld des Aufsichtsrats wird bestritten, Reitzle sei der erste Wunschkandidat Crommes gewesen.
In einer Mitteilung lobte der Aufsichtsratsvorsitzende am Sonntag Löscher als „herausragende Persönlichkeit für das Amt des Vorstandsvorsitzenden der Siemens AG“. Er hob seine internationalen Tätigkeiten und seine Erfahrung „in der Strategieentwicklung, in Finanzmarktfragen und Technologiethemen sowie seine aufrechte Persönlichkeit“ hervor.
Berufsstationen des studierten Wirtschaftswissenschaftlers waren unter anderem Hoechst, Aventis sowie das britische Medizintechnikunternehmen Amersham, das vom amerikanischen Konzern General Electric (GE) übernommen worden ist. GE ist vor allem auf den Gebieten Medizin- und Kraftwerkstechnik ein weltweiter Konkurrent von Siemens.
„Konzern in ruhigere Wasser führen“
Cromme äußerte sich zufrieden über die Personalentscheidung: „Ich bin überzeugt davon, dass die schwierige Aufgabe, Siemens aus der gegenwärtigen Situation in eine gute Zukunft zu führen, bei Peter Löscher in den besten Händen liegt.“ Auch die Arbeitnehmerseite des Aufsichtsrats kommentierte in einer Presseerklärung den Beschluss mit Zuversicht.
In Gesprächen am Samstag und Sonntag hätten die Vertreter der Beschäftigten den Eindruck gewonnen, „dass Herr Löscher mit seiner Persönlichkeit in der Lage ist, die Führungskrise bei Siemens zu lösen und den Konzern in ruhigere Wasser zu führen“. Der künftige Konzernchef habe zugesagt, „dass es unter seiner Führung keine Kahlschlagpolitik in Deutschland und anderswo geben wird“. Er werde alles tun, um die Arbeitsplätze im Siemens-Konzern zu sichern.
Löscher habe sich zur deutschen Mitbestimmung bekannt. Siemens beschäftigt 436.000 Mitarbeiter, davon 144.000 in Deutschland. Löscher selbst ließ mitteilen, es sei für ihn „eine außerordentliche Ehre und große Herausforderung, Vorstandsvorsitzender von Siemens zu werden“. Der neue Konzernchef wird offenbar das von seinem Vorgänger Kleinfeld Ende April vorgestellte Konzernprogramm „Fit for 2010“ fortführen. Darin sind höhere Renditeziele für die meisten Sparten festgelegt.
Das Programm gebe „nach übereinstimmender Auffassung von Vorstand und Aufsichtsrat die Leitlinien für die Entwicklung des Unternehmens in den kommenden Jahren“ vor, teilte Siemens nach der Aufsichtsratssitzung mit. Wie erwartet, wurde am Sonntag auch Heinrich Hiesinger in den Zentralvorstand von Siemens berufen. Außer den Aufgaben von Johannes Feldmayer, die Hiesinger am 1. Juni übernimmt, soll der bisherige Chef der Gebäudetechniksparte spätestens zum Jahresende als Nachfolger von Jürgen Radomski das Personalressort übernehmen.
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walter hitzel (w-hitzel)
- 20.05.2007, 17:48 Uhr
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