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Aufsichtsräte : Frauenquote notfalls per Gesetz

Wie setzt sich der Aufsichtsrat am besten zusammen? Bild: James Thew

Den Frauenanteil in Aufsichtsräten zu erhöhen ist derzeit ein starkes politisches Anliegen. Bisher setzt die Bundesregierung auf den guten Willen der Unternehmen - doch das kann sich schnell ändern.

          Der Anteil von Frauen in Führungspositionen deutscher Unternehmen mag noch immer verschwindend gering sein - ihre Durchsetzungskraft in deutschen Lobbygruppen ist es nicht. „Den Frauenanteil in den Aufsichtsräten zu erhöhen ist derzeit ein sehr starkes politisches Anliegen“, sagte Ulrich Seibert, Ministerialrat im Bundesjustizministerium, am Dienstag auf einem Seminar des Deutschen Aktieninstituts in Frankfurt. Er mahnte Unternehmen, lieber freiwillig die Zahl von Frauen in den Kontrollgremien zu erhöhen. „Sie ahnen ja nicht, wie viele Verbände es gibt, die derzeit politischen Druck auf die Bundesregierung ausüben“, sagte er.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Die Warnung ging an diejenigen, die in den Unternehmen Berliner Direktiven umsetzen oder ihre Mandanten zumindest darüber aufklären müssen: Unternehmensjuristen und Rechtsanwälte. Sie ließen sich auf der Veranstaltung des Deutschen Aktieninstituts über die Professionalisierung der Aufsichtsräte informieren. Professionalisierung bedeutet in diesen Zeiten auch immer Feminisierung, denn für die Erhöhung des Frauenanteils im Aufsichtsrat werden handfeste Argumente aufgezählt.

          Der Präsident der Frankfurt School of Finance, Udo Steffens, führte amerikanische Studien ins Feld, die den Zusammenhang zwischen einem höheren Frauenanteil im Aufsichtsrat und einer höheren Leistungsfähigkeit belegen: Nicht nur könnten Frauen eher „über den Tellerrand von Jahresabschlüssen“ hinwegschauen, um wichtige Entwicklungen zu entdecken. Sie sorgen außerdem noch dafür, dass häufiger Aufsichtsratssitzungen stattfinden - und diese dann auch besucht werden. Schließlich fehlen Frauen seltener als Männer bei diesen Sitzungen, und Männer wiederum fehlen weniger, wenn mehr Frauen anwesend sind. Auch Seibert findet, es sei eine „volkswirtschaftliche Dummheit“ bestausgebildete, hochqualifizierte Frauen nicht entsprechend einzusetzen. Derzeit ist dies allerdings noch weit verbreitet: Frauen besetzen gerade einmal 10 Prozent der Sitze in den Aufsichtsgremien - und das ist in weiten Teilen der Arbeitnehmerbank zu verdanken.

          Ministerin Schröder hat schon einen Stufenplan vorgestellt

          Inzwischen hat die neue Frauenministerin Kristina Schröder (CDU) dieses starke politische Anliegen für sich entdeckt und jüngst einen Stufenplan vorgestellt, mit dem Unternehmen sanft und vor allem mit einer gehörigen Portion Eigenantrieb in die richtige Richtung gedrängt werden sollen. Für Aufsichtsräte schließt sie eine Quotenregelung nicht aus - zumindest als letztes Mittel.

          Schöner hingegen wäre es, wenn die Unternehmen diesen Schritt selbst hinbekämen, findet Seibert und verweist auf den Deutschen Corporate Governance Kodex, ein inzwischen umfassendes Regelwerk, dessen Beachtung zwar nicht zur Pflicht, aber immerhin zur Ehrensache deutscher Unternehmen geworden ist. Seit Juni vergangenen Jahres findet sich dort der diskrete Hinweis, der Aufsichtsrat solle bei der Zusammensetzung des Vorstandes auch auf die Vielfalt achten. Dabei könne es allerdings nicht bleiben, denn durch diese „weiche Formulierung“ könnten sich die Unternehmen zu leicht auf die Ausrede zurückziehen, dass nach langem Suchen nun zumindest ein Schweizer für den Posten gefunden wurde, witzelte Seibert.

          Immerhin: Der Corporate Governance Kodex sei der ideale Weg, um eine rigide gesetzliche Lösung zu vermeiden, betont der Ministerialrat. Da trifft es sich gut, dass die Regierungskommission jüngst verkündete, auf ihrer Plenumssitzung Ende Mai die Diversity-Empfehlung mit einem klaren Ziel für den Anteil von Frauen und „internationalen Vertretern“ zu erhöhen. Bis zum Jahr 2013 sollten Unternehmen Zeit bekommen, sich eigene Ziele zu setzen und diese auch zu erfüllen, findet der Ministerialrat. Dann jedoch droht der Wink mit dem Gesetzbuch.

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