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Aufruhr am Geldmarkt Warum misstrauen sich die Banken?

23.08.2007 ·  Sie leihen sich kein Geld, weil sie die Pleite eines Geschäftspartners fürchten.

Von Gerald Braunberger
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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Geschäftsbanken in den vergangenen Tagen viele Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Warum benötigen Banken und Sparkassen dieses Geld? Ist dies eine Subvention, die letztlich der Steuerzahler zu zahlen hat?

Auf dem Geldmarkt leihen sich Banken untereinander in großem Stil Geld. Die Laufzeit dieser Kredite beträgt größtenteils nur einen Tag („über Nacht“), selten mehr als drei Monate. Ein wichtiges Motiv für diesen „Geldhandel“ ist, dass die Geschäftsbanken auf einem Konto bei der EZB ein Mindestguthaben („ Mindestreserve“) unterhalten müssen. Etwas vereinfacht dargestellt, kann sich dann folgendes Szenario ergeben: Eine Bank stellt am Nachmittag fest, dass das Guthaben auf ihrem Konto bei der EZB als Folge von Überweisungen, die sie zuvor getätigt hat, niedriger ist als die erforderliche Mindestreserve. Der Geldhändler ruft dann eine andere Bank an und leiht sich den fehlenden Betrag für einen Tag. Über die computergestützten Systeme von EZB und Bundesbank wird die Überweisung in Sekunden auf den EZB-Konten verbucht – so dass die Bank zum Stichzeitpunkt 18 Uhr, an dem die Mindestreserve gemessen wird, den erforderlichen Betrag auf ihrem Konto hat.

Vorsicht beim Verleih an andere Banken

Über „Refinanzierungsgeschäfte“ stellt die EZB dem Bankensystem insgesamt stets so viel Geld leihweise zur Verfügung, dass der Gesamtbedarf an Mindestreserven abgedeckt ist. Derzeit haben diese Geschäfte ein Gesamtvolumen von rund 430 Milliarden Euro. Die Banken müssen für dieses Geld Zinsen ungefähr in Höhe des Leitzinses an die EZB zahlen. Sollte eine Bank mehr Geld auf ihrem EZB-Konto haben, als sie für die Mindestreserve benötigt, leiht sie dies normalerweise bereitwillig an andere Banken aus, um so eine Zinseinnahme zu erzielen.

Die überraschende Schieflage der IKB Deutsche Industriebank sowie einiger Investmentfonds hat den Geldhändlern schlagartig bewusstgemacht, dass sich einige ihrer Geschäftspartner mit komplexen Finanzinstrumenten verspekuliert haben und dadurch buchstäblich über Nacht in die Insolvenz geraten könnten. Seither herrscht an den Geldmärkten allgemeines Misstrauen. Denn wer Geld an eine Bank verliehen hat, die insolvent wird, muss um die Rückzahlung des Kredits fürchten. Zahlreiche Banken haben deshalb darauf verzichtet, überschüssiges Geld auf ihren Konten bei der EZB an andere Banken auszuleihen.

Liquiditätsspritzen gegen Nervosität

Andererseits haben manche Banken dringend Geld benötigt, um ihre Mindestreservepflicht zu erfüllen. Auf der Suche nach Kredit boten sie hohe Zinsen – so dass sich der Geldmarktzins weit von dem Leitzins von derzeit 4,0 Prozent entfernte, den die EZB vorgegeben hat und für angemessen hält. Die EZB hat deshalb den Banken am 9. August zusätzlich 95 Milliarden Euro für einen Tag geliehen. In den nächsten Tagen folgten in abnehmendem Umfang weitere solcher Leihgeschäfte. Diese „Liquiditätsspritzen“ haben dazu beigetragen, dass der Geldmarktzins wieder auf das Niveau des Leitzinses gefallen ist und dass sich die große Nervosität im Interbankenhandel etwas gelegt hat.

Die Banken müssen für die „Liquidität“, die ihnen die EZB zur Verfügung stellt, Zinsen an die EZB zahlen. Andererseits wird die Mindestreserve von der EZB ungefähr in gleicher Höhe verzinst; ist ein Guthaben auf einem EZB-Konto größer als die erforderliche Mindestreserve, bleibt der überschießende Betrag allerdings unverzinst. Insgesamt erzielt die EZB aus diesen Refinanzierungsgeschäften mit den Geschäftsbanken einen Gewinn. Er kommt den Teilhabern der EZB – und das sind letztlich die Bürger des Euro-Raums – zugute.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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