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Espresso Öl auf fettiges Haar

 ·  In Frankfurt gibt es „Eurocrash! Das Musical“. Britischer Humor zur Eurokrise kann wahrlich nicht schaden, wenn man bedenkt, was uns das Fersehen so zumutet.

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In Frankfurt werden Tickets verkauft für "Eurocrash! Das Musical". Die Werbung verspricht: Mark und Gilda verlaufen sich wie Hänsel und Gretel im Wald und entdecken die Phantasiewelt der Einheitswährung. Sie begegnen Papa Kohl und Madame Mitterrand, einem charmanten Paar, das Euroland zusammenhält. Sie treffen auf eine schlecht koordinierte Währungsschlange, auf Jean-Claude Trichet, den letzten großen Eurokraten, und natürlich auf die PIIGS (Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien). Unter den handelnden Personen sogar ein Berliner Taxifahrer, schließlich stammen die Texte von jemandem, der sich auskennt: dem langjährigen Deutschland-Korrespondenten des "Economist", David Shirreff. Etwas britischer Humor zur Euro-Krise kann nach Feierabend vielleicht wirklich nicht schaden.

„Diesen Luxus sollen wir uns gönnen“

Zumal wenn wir bedenken, was uns das Fernsehen zumutet. Das Erste hat die Spendierhosen an. Macht nichts, wenn Börsengeschäfte wegen der geplanten Finanztransaktionssteuer nach London abwandern, tönt der "Tagesthemen"-Kommentator: "Diesen Luxus sollten wir uns gönnen." Der Mann weiß auch ganz genau, dass es sich um Geschäfte handelt, "die kein Mensch braucht". Ach so? Wir können ein paar Fernsehsendungen aufzählen, die auch kein Mensch braucht. Wir teilen gerne unsere Kontonummer mit für den Gebührenrabatt.

Weil wir schon beim Ärgern sind: Michael Sommer, seines Zeichens Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, hat auch in seiner Neujahrspressekonferenz nicht von seiner Lieblingsbehauptung gelassen, nach der wir 2011 "50 Milliarden mehr in der Staatskasse" gehabt hätten - wenn, ja, wenn bloß die Steuergesetze aus dem Jahre 2000 gelten würden. Damals waren die Sätze der Einkommensteuersätze viel höher, die der Mehrwertsteuer aber viel niedriger, Flugticket- und Kernbrennstoffsteuer waren auch noch nicht erfunden. Im Dezember hatte Sommer übrigens in einem Interview auch schon mal von fehlenden 80 Milliarden Euro gesprochen. Eine Zahl so gegriffen und falsch wie die andere, denn Steuereinnahmen hängen bekanntlich nicht nur von den Steuersätzen ab, sondern auch von der Konjunktur. Die kann gerade bei niedrigen Einkommensteuersätzen besser laufen, so dass die Staatseinnahmen am Ende höher ausfallen. Welche Effekte der zahllosen Steueränderungen der letzten Dekade tatsächlich überwiegen, ist seriös nicht zu berechnen. Fakt ist: Mehr Steuergeld als heute war nie.

Keime im Huhn

Gut ins Jahr gestartet ist wieder Ilse Aigner. Diesmal kein Dioxin im Ei, aber doch wenigstens Keime im Huhn. Glück muss man haben. So vergisst das Land nicht, wer Landwirtschaftsministerin ist. Ein kleiner Skandal steigert den Wiedererkennungswert, schließlich ist bald Grüne Woche, da muss sie viele Hände schütteln. Und weil die CSU-Frau gerade einen guten Lauf hat und man ja nie wissen kann, wann Horst Seehofer in Bayern Schluss macht, wagt sie gleich noch einen Ausflug auf das Spielfeld des parteiinternen Konkurrenten Markus Söder, seit kurzem Finanzminister in München. "Eine Finanztransaktionssteuer ist sinnvoll und überfällig", teilte Aigner ungefragt allen mit, die es lesen wollten. Sie zeigt sich auch hoffnungsfroh, "unseren Koalitionspartner von den Vorteilen" zu überzeugen. Wenn später Gebühren steigen, weil die Banken die Steuer überwälzen, ist das eine schöne Vorlage für die Verbraucherschutzministerin. Aigner fällt bestimmt ein Gesetz ein, das Abhilfe schafft.

Täuscht der Eindruck, oder glauben wirklich alle Politiker, die jetzt für die Finanzmarktsteuer trommeln, dass da mindestens 57 Milliarden einfach so in Europa vom Himmel fallen, genauer: aus den Computern der bösen Börsenspekulanten mit ihrem "Panikhandel", wie der Herr vom Fernsehen sagt? Geld, das niemand vermisst, wenn die Finanzminister zugreifen?

Ratloses Schulterzucken

Aber die brauchen natürlich auch immer so verdammt viel Geld, nun auch noch für den "Batteriestandort Deutschland". 20 Konsortien hätten sich bislang um Fördermittel für Batterien für Elektroautos in Deutschland beworben, freut sich Henning Kagermann. Der frühere SAP-Chef ist Vorsitzender der Nationalen Plattform Elektromobilität. Wir wollen immer noch nicht verstehen, warum man das Geld Autokonzernen hinterherschmeißen muss, die kaum wissen, wohin mit all den Gewinnen. Oder haben wir die täglichen Jubelmeldungen dieser Woche von der Detroit Autoshow falsch verstanden? "Öl auf fettiges Haar", sagt unser Bengale. Und zuckt die Schultern.

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Jahrgang 1959, verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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