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Veröffentlicht: 22.01.2016, 19:54 Uhr

Auf einen Espresso Wer ist am gutesten?

Deutschland ist das beste Land der Welt. Aber ist Götz Werner auch der guteste Deutsche? Und was sagt Oxfam dazu?

von
© F.A.Z.

Liebe Amerikaner, Sie müssen jetzt ganz stark sein. Das beste Land der Welt ist... nicht die Vereinigten Staaten, das haben Sie schon erraten. Die Universität von Pennsylvania und eine Werbeagentur haben 16.000 Menschen auf allen Kontinenten gefragt - und das beste Land der Welt ist: Deutschland! Na, ist das nichts?

Patrick Bernau Folgen:

Die Deutschen sind ja auch gut. Das wissen schon die Flüchtlinge, die statt zielloser Flucht sehr zielstrebig Deutschland ansteuern. Viel lieber zum Beispiel als Tschechien oder Frankreich. Fast könnte man von Gutmenschen sprechen, aber dieses Wort mag die Unwort-Jury ja nicht mehr, und auf diese selbsternannte Jury muss man einfach hören.

Götz Werner jedenfalls ist ein besonders Guter. Sie wissen schon, der Gründer von dm. Seit Jahren bekommen wir erzählt: Seine Mitarbeiter behandelt er immer freundlich. Sein Markt verkauft die Zahnpasta nicht mehr, wenn der Hersteller heimlich die Preise erhöht. Und dann streitet Werner auch noch für das bedingungslose Grundeinkommen. Kann man noch ein guterer Mensch sein? Vielleicht ginge das, wenn man sich nicht - wie Werner - mit dem Schwager vor Gericht um Markenrechte stritte. Der Schwager hat die Biomarke Alnatura gegründet, Werner hätte gerne die Markenrechte daran. Denn, so argumentiert er: dm hat Alnatura erst groß gemacht. Jetzt aber wird der Streit öffentlich. Vielleicht war die Idee doch nicht so richtig gut.

Und wie gut ist Whatsapp?

Mit der Gutheit von Jan Koum ist es ja auch so eine Sache. Geboren in der Ukraine, ausgewandert nach Amerika - kein Wunder, dass sein WhatsApp uns Daten abzieht. An Facebook hat er’s auch noch verkauft. Damit stellt man sich bei den guteren Deutschen überhaupt nicht in ein gutes Licht. Jetzt macht er Whatsapp auch noch kostenlos. Also anders als der Zahnpasta-Hersteller: nicht gleicher Preis, weniger Inhalt, sondern gleicher Inhalt, weniger Preis. Das ist den guten Deutschen aber auch wieder nicht recht. Künftig soll das Geld nämlich von Unternehmen kommen, die für Whatsapp-Nachrichten an Privatkunden zahlen. Und die sind ja mal gar nicht gut. Merke: Gutsein ist gar nicht so leicht.

Für Computer ist das besonders schwierig. Arbeiten sie zu wenig, sind wir sauer. Nehmen sie uns die Arbeit weg, ärgern wir uns auch. Aber vielleicht haben wir wenigstens mit dieser Diskussion noch Zeit. In Amerika klingeln bei einem armen Ehepaar dieser Tage ständig Leute, die ihr Handy suchen - weil immer wieder irgendwelche Handy-Ortungsmechanismen auf ihr Haus zeigen. Woran das liegt, weiß keiner. Auf der Digitalkonferenz DLD hat diese Woche einer überzeugend gesagt: „Solange mein Computer nicht den Drucker findet, der neben ihm auf dem Schreibtisch steht, müssen wir vor der künstlichen Intelligenz keine Angst haben.“ Andererseits: Haben Sie mal Ihre natürliche Intelligenz gesehen, wenn Sie Ihren Autoschlüssel suchen?

Sind wir alle arm?

Vielleicht sind wir also bald arm. Vielleicht sogar heute schon. Wie ist das zum Beispiel mit Ihnen? Haben Sie ein neues Auto? Und dafür womöglich einen Kredit aufgenommen? Sehen Sie, schon gehören Sie möglicherweise zum ärmsten Zehntel der Welt – zumindest wenn es nach den Berechnungen der Hilfsorganisation Oxfam geht. Wer so rechnet, kommt dann schnell auf laute Schlagzeilen: 62 Milliardäre hätten so viel Geld wie die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung.

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Das ist – jetzt ganz ohne Ironie – richtig ärgerlich, weil nicht mal das Kernargument stimmt. Weltweit betrachtet, nimmt die Ungleichheit ab. Eine Milliarde Menschen ist in den vergangenen Jahrzehnten aus der extremen Armut gekommen. Das hört nur vielleicht Oxfam nicht so gerne. Denn es ist nicht in Gutmenschen-Manier durch Entwicklungshilfe geschehen, sondern durch Integration in die Märkte der Weltwirtschaft: in China, in Indonesien oder in Vietnam. Da kann Oxfam noch so gut sein. Die Globalisierung ist am gutesten.

© Twitter

Aber wir wissen jetzt, wie Oxfam rechnet. Wenn wir Oxfam ernst nehmen, dann werden wir künftig zu guteren Menschen. Von jetzt an fragen wir nicht mehr, was wir für Oxfam tun können, sondern, was Oxfam für uns tun kann.

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