Home
http://www.faz.net/-ha4-72cjf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Auf einen Espresso Zwischen Teller und Tank

Es war eine Woche zwischen Teller und Tank. Manches rund um E10 ging mächtig durcheinander. Grundsätzlich gilt: Wir brauchen effizientere Motoren.

Es war eine Woche zwischen Teller und Tank. Wenig verwunderlich war es, dass der Benzinpreis zum Ende der Ferienzeit in vielen nördlichen Bundesländern einen neuen Rekordstand erreichte. Am vergangenen Wochenende kostete die Sorte Super E10 im Durchschnitt 1,69 Euro je Liter und damit so viel wie noch nie.

Carsten Knop Folgen:      

Wie es der Zufall wollte, war es zudem sehr heiß - in den Autos liefen die Klimaanlagen auf Hochtouren, trieben den Benzinverbrauch noch etwas weiter nach oben, und aus den Fenstern konnte man auf meist schon abgeerntete Felder blicken. Ideale Voraussetzungen also, um mit den Mitfahrern über den Skandal rund um die „Ökoplörre“ E10 zu diskutieren. Die mutet der wahre deutsche Autoliebhaber seinem schönen Gefährt ja sowieso nicht zu, weil der ebenso schöne Motor auf keinen Fall Schaden nehmen soll.

Dem Motor würde zwar gar nichts zustoßen, aber es ist doch nett, mit dem Verfeuern des teureren E5-Benzins jetzt auch sein ökologisches Gewissen beruhigen zu können. „Recht hat er, der Niebel“, ruft man laut: Nur wegen dieser deutschen Öko-Spinner haben die in Afrika zu wenig zu essen! Guter Mann, der Entwicklungshilfeminister. Da ist also einiges durcheinandergegangen - und auch in der Redaktion hat es um das Thema Diskussionen gegeben. Wahr ist, dass kurzfristige „Lösungen“ reiner Populismus sind, Politiker Instinkte bedienen, die Industrie um Milliardensubventionen fürchtet und es in allen Belangen besser wäre, wenn die Autoindustrie die Lösung ihrer ökologischen Herausforderungen nicht im Tank, nicht auf dem Teller, wohl aber stärker in der Technik ihrer Modelle suchte.

So gesehen ist auch der Golf 7, die jüngste Auflage des vielleicht wichtigsten Produkts der deutschen Industrie, keine Offenbarung. Der Hersteller Volkswagen hat inmitten der deutschen Ökobenzin-Woche einen Blick in den Wagen gewährt. Zum Vorschein kommt ein gewiss solides Produkt, das sich in die richtige Richtung weiterentwickelt. Der neueste Golf wird endlich einmal leichter als sein Vorgänger und bekommt auch effizientere Maschinen. Aber sind die 4,8 Liter auf 100 Kilometer, die der sparsamste Benzinmotor künftig im Durchschnitt verbrauchen soll, wirklich schon der Weisheit letzter Schluss? Zumal jeder Autofahrer weiß, dass diese Angaben im schönen Verkaufsprospekt mit dem harten familiären Autoalltag zwischen Tank und Teller nur wenig zu tun haben.

Da ist es schon erfreulicher, dass aus dem hohen deutschen Norden eine mit weniger Aufwand vermarktete Nachricht kommt, die nach wirklichem Fortschritt klingt - und uns in der Elektromobilität einen Schritt voranbringen könnte. Denn das neue Material, das von zwei Teams der Technischen Universität Hamburg-Harburg und der Kieler Universität entwickelt wurde, ist 75-mal leichter als Styropor, trotzdem sehr stabil und elektrisch leitfähig. Unter anderem könnte der Stoff, der auf den Namen „Aerographit“ getauft wurde, den Bau leichterer und leistungsfähigerer Akkus ermöglichen. Schade nur, dass die Wissenschaftler ihre Arbeit in erster Linie als Grundlagenforschung betrachten. Bis zur praktischen Anwendung im Alltag können noch Jahre vergehen.

Bis dahin wird es also noch manchen Zwischenschritt, manche Brückentechnologie und manchen technischen Irrweg zu beschreiten geben. All diese Bezeichnungen könnten auch für Ökobenzin gelten, aber wer weiß das schon so genau? Schließlich ist nicht jede Erkenntnis im Leben so belastbar wie das jüngste Versprechen des griechischen Regierungschefs. Der hat den Deutschen versprochen, sein Land werde die Hilfen von mehr als hundert Milliarden Euro zurückzahlen. „Das garantiere ich persönlich.“ Nun, dann wird ja alles gut.

Denn was sind schon 100 Milliarden Euro? Schließlich ist allein der Elektronikkonzern Apple an der Börse rund das Sechsfache wert - und damit so viel wie kein anderes Unternehmen jemals zuvor. Daran sollten sich die Griechen mal ein Beispiel nehmen. Kreative Ideen helfen aus jeder Krise - vielleicht ja irgendwann auch aus der Welternährungskrise. Starten wir in diesem Sinne in ein kreatives Familienwochenende zwischen Teller und Tank.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
IBC-Container Zum Wegwerfen viel zu schade

Sie stehen in Schrebergärten, auf Baustellen und auf Kuhweiden: gut einen Kubikmeter fassende Kunststofftanks. IBC-Container führen ein buntes Zweitleben. Mehr Von Georg Küffner

11.12.2014, 17:02 Uhr | Technik-Motor
Klimaspot Meine Eltern erwischt

Manche Dinge will man nicht sehen, Licht aus ist in solchen Momenten die ideale Lösung, die nebenbei auch noch Stromverbrauch und -kosten senkt. Wenn jeder deutsche Haushalt nur fünf Prozent weniger Strom nutzt, könnten knapp sieben Terawattstunden (TWh) im Jahr eingespart werden. Soviel Strom erzeugt ein großes Kohlekraftwerk, das aus fünf Kraftwerksblöcken besteht. Mehr

20.11.2014, 13:17 Uhr | Wissen
Luftkissenschutz Im Airbag ist noch jede Menge Luft

Der Luftkissenschutz für Fahrer und Beifahrer ist inzwischen fast lückenlos. Nun rückt die Sicherheit der Fondpassagiere in den Fokus der Entwicklungsingenieure. Mehr Von Hans W. Mayer

20.12.2014, 12:00 Uhr | Technik-Motor
Klimaspot Zombis schützen Klima

Dauerkipp ist gruselig fürs Klima. Für frische Luft im Winter ist kurzes Stoßlüften – also mindestens 5 bis 10 Minuten bei vollständig geöffnetem Fenster – der beste Weg, um Wärme zu sparen. Schon fünf Prozent weniger Wärmeverbrauch in deutschen Haushalten spart 4,55 Millionen Tonnen CO2. Das entspricht 158 Millionen Liter Heizöl. Zum Vergleich: Damit ließen sich über eine Million Badewannen füllen. Deshalb: Stoßlüften statt Dauerkipp! Mehr

20.11.2014, 13:17 Uhr | Wissen
Erfolgreich bewerben Bitte beißen Sie an

Der souveräne Umgang mit einem Mandelhörnchen kann über einen geglückten Berufseinstieg entscheiden. Das glauben Sie nicht? Unsere Autorin erklärt Ihnen, warum. Mehr Von Helene Bubrowski

09.12.2014, 06:00 Uhr | Beruf-Chance
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 24.08.2012, 15:50 Uhr

Gabriels falsches Signal

Von Heike Göbel

Sigmar Gabriel hat weiteren Sanktionen gegen Russland eine Absage erteilt. Das ist das falsche Signal. Mehr 5


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Lehrer und Schüler sind zufrieden mit der Computerausstattung an Schulen

Lehrer und Schüler sind eigentlich zufrieden mit ihrer Internet- und Computer. Doch welche Gruppe ist kritischer mit der Ausstattung? Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden