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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Auf einen Espresso Zwischen Teller und Tank

Es war eine Woche zwischen Teller und Tank. Manches rund um E10 ging mächtig durcheinander. Grundsätzlich gilt: Wir brauchen effizientere Motoren.

Es war eine Woche zwischen Teller und Tank. Wenig verwunderlich war es, dass der Benzinpreis zum Ende der Ferienzeit in vielen nördlichen Bundesländern einen neuen Rekordstand erreichte. Am vergangenen Wochenende kostete die Sorte Super E10 im Durchschnitt 1,69 Euro je Liter und damit so viel wie noch nie.

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Wie es der Zufall wollte, war es zudem sehr heiß - in den Autos liefen die Klimaanlagen auf Hochtouren, trieben den Benzinverbrauch noch etwas weiter nach oben, und aus den Fenstern konnte man auf meist schon abgeerntete Felder blicken. Ideale Voraussetzungen also, um mit den Mitfahrern über den Skandal rund um die „Ökoplörre“ E10 zu diskutieren. Die mutet der wahre deutsche Autoliebhaber seinem schönen Gefährt ja sowieso nicht zu, weil der ebenso schöne Motor auf keinen Fall Schaden nehmen soll.

Dem Motor würde zwar gar nichts zustoßen, aber es ist doch nett, mit dem Verfeuern des teureren E5-Benzins jetzt auch sein ökologisches Gewissen beruhigen zu können. „Recht hat er, der Niebel“, ruft man laut: Nur wegen dieser deutschen Öko-Spinner haben die in Afrika zu wenig zu essen! Guter Mann, der Entwicklungshilfeminister. Da ist also einiges durcheinandergegangen - und auch in der Redaktion hat es um das Thema Diskussionen gegeben. Wahr ist, dass kurzfristige „Lösungen“ reiner Populismus sind, Politiker Instinkte bedienen, die Industrie um Milliardensubventionen fürchtet und es in allen Belangen besser wäre, wenn die Autoindustrie die Lösung ihrer ökologischen Herausforderungen nicht im Tank, nicht auf dem Teller, wohl aber stärker in der Technik ihrer Modelle suchte.

So gesehen ist auch der Golf 7, die jüngste Auflage des vielleicht wichtigsten Produkts der deutschen Industrie, keine Offenbarung. Der Hersteller Volkswagen hat inmitten der deutschen Ökobenzin-Woche einen Blick in den Wagen gewährt. Zum Vorschein kommt ein gewiss solides Produkt, das sich in die richtige Richtung weiterentwickelt. Der neueste Golf wird endlich einmal leichter als sein Vorgänger und bekommt auch effizientere Maschinen. Aber sind die 4,8 Liter auf 100 Kilometer, die der sparsamste Benzinmotor künftig im Durchschnitt verbrauchen soll, wirklich schon der Weisheit letzter Schluss? Zumal jeder Autofahrer weiß, dass diese Angaben im schönen Verkaufsprospekt mit dem harten familiären Autoalltag zwischen Tank und Teller nur wenig zu tun haben.

Da ist es schon erfreulicher, dass aus dem hohen deutschen Norden eine mit weniger Aufwand vermarktete Nachricht kommt, die nach wirklichem Fortschritt klingt - und uns in der Elektromobilität einen Schritt voranbringen könnte. Denn das neue Material, das von zwei Teams der Technischen Universität Hamburg-Harburg und der Kieler Universität entwickelt wurde, ist 75-mal leichter als Styropor, trotzdem sehr stabil und elektrisch leitfähig. Unter anderem könnte der Stoff, der auf den Namen „Aerographit“ getauft wurde, den Bau leichterer und leistungsfähigerer Akkus ermöglichen. Schade nur, dass die Wissenschaftler ihre Arbeit in erster Linie als Grundlagenforschung betrachten. Bis zur praktischen Anwendung im Alltag können noch Jahre vergehen.

Bis dahin wird es also noch manchen Zwischenschritt, manche Brückentechnologie und manchen technischen Irrweg zu beschreiten geben. All diese Bezeichnungen könnten auch für Ökobenzin gelten, aber wer weiß das schon so genau? Schließlich ist nicht jede Erkenntnis im Leben so belastbar wie das jüngste Versprechen des griechischen Regierungschefs. Der hat den Deutschen versprochen, sein Land werde die Hilfen von mehr als hundert Milliarden Euro zurückzahlen. „Das garantiere ich persönlich.“ Nun, dann wird ja alles gut.

Denn was sind schon 100 Milliarden Euro? Schließlich ist allein der Elektronikkonzern Apple an der Börse rund das Sechsfache wert - und damit so viel wie kein anderes Unternehmen jemals zuvor. Daran sollten sich die Griechen mal ein Beispiel nehmen. Kreative Ideen helfen aus jeder Krise - vielleicht ja irgendwann auch aus der Welternährungskrise. Starten wir in diesem Sinne in ein kreatives Familienwochenende zwischen Teller und Tank.

Quelle: F.A.Z.

 
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