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Auf einen Espresso Wo Geld und Daten fließen

Die Deutschen haben viel Einkommen, aber wenig Vermögen. Wo fließt das Geld hin? Aufgetaucht ist es jedenfalls bei Bayern München und bei Uli Hoeneß. Nur die Telekom will die Flussgeschwindigkeit drosseln.

© F.A.Z. Vergrößern

Ein Einkommen haben die Deutschen, das ist so hoch wie in nur wenigen anderen Ländern in Europa. Aber Vermögen haben sie kaum. Obwohl die Deutschen überall als Spar-Weltmeister gelten. Hohes Einkommen, sehr sparsam, kein Vermögen? Da stimmt doch was nicht. Wo fließt das Geld hin? Die Europäische Zentralbank sucht, die Kanzlerin sucht, allein: Gefunden hat es noch niemand.

Patrick Bernau Folgen:        

Dabei hat der deutsche Fiskus sich in kurzer Zeit eigentlich einen enormen Ruf erworben, verschollenes Geld zu finden. Der Ruf ist so gut, dass sich Leute wie Uli Hoeneß auch mal selbst anzeigen, weil sie denken: Der Staat findet mein Geld sowieso. Und die Bürger des Landes mögen inzwischen nicht mal mehr die Selbstanzeige. Weil selbst sie sie inzwischen so viel Vertrauen ins Finanzamt haben und glauben, dass die das Geld von selber finden. Zwar kannte der Fiskus das Geld in einigen Fällen schon, zum Beispiel das von Uli Hoeneß, weil es vorher schon mal versteuert worden ist. Aber das Finanzamt hat das Geld wegen unübersichtlicher oder falscher Steuererklärungen trotzdem aus dem Auge verloren. Dabei will es doch noch mal Steuern haben, nämlich auf die Zinsen. Jetzt entgehen dem Fiskus keine Zinsen mehr: Wenn er das Geld mal selbst nicht findet, dann hilft im Zweifel ein Dieb und bringt eine geklaute CD mit Daten einer Schweizer Bank.

37 Millionen Euro aufgetaucht

Für die 37 Millionen Euro, die am Dienstag aufgetaucht sind, brauchte es gar keine Steuerfahnder oder geklaute CDs. Bayern München lässt Geld ganz freiwillig an Borussia Dortmund fließen, als Ablösesumme für Mario Götze. 37 Millionen Euro! Und was machen die Aktionäre? Sie verkaufen ihre Aktien. Der Kurs sinkt. So ein Unsinn, jetzt bloß nicht sentimental werden. Das Geld kann als Dividende ausgeschüttet werden, dann steigt auch der Kurs. Es weiß doch sowieso jeder Fußballfan, dass Geld keine Tore schießt.

Aber im Fußball ist sowieso manches anders. In welcher Branche zum Beispiel könnte man sich vorstellen, dass der Arbeitsvertrag mit einer Spitzenkraft vorzeitig beendet wird, und das Unternehmen bekommt auch noch Geld dafür? Meistens müssen die ja noch eine Abfindung zahlen! Vielleicht sollten auch die Banken ihre Arbeitsverträge noch mal überarbeiten. Wenn der nächste Vorstand oder Investmentbanker gehen muss, kommt die Entlassung in der Öffentlichkeit sicher besser an, wenn dann noch mal Geld an die Bank fließt.

Die Telekom will, dass weniger fließt.

Nur die Telekom will, dass künftig weniger fließt. Dabei geht es jetzt nicht ums Geld, das soll weiter im alten Tempo fließen, sondern um die Daten. Wer in einem Monat mehr als eine bestimmte Datenmenge hoch- und herunterlädt, der soll das Tempo gedrosselt bekommen. In den häufigsten Tarifen sind das 75 Gigabyte, also ungefähr 70 Stunden Film in normaler Auflösung. Bisher gab es solche Grenzen nur im Mobilfunk, aber die Telekom will in Zukunft auch im Festnetz mehr Geld von Vielnutzern. Mancher Internet-Freund ist jetzt so sauer, dass er schon die „Volumendrossel“ zum Vogel des Jahres erklären möchte. Internet-Aktivist Sascha Lobo ruft „eine wirtschaftlichen Form von Zensur“ aus, weil die Telekom einige eigene Angebote nicht auf das Kontingent anrechnet. In diesem Sinne wäre es schon Zensur, wenn der Supermarkt um die Ecke den Gutfried-Schinken aus dem Sortiment nimmt, um Platz für Schinken unter eigener Marke zu schaffen - das wäre dann Schinken-Zensur. Das wird erst zum Problem, wenn der Supermarkt ein Monopol hat (oder in diesem Fall: die Telekom). Trotzdem wird diese Diskussion die Internetwelt jetzt eine ganze Weile beschäftigen. Und auch die Telekom wird gut zu tun haben, um ihren Schritt zu verteidigen.

Mehr zum Thema

Gut zu tun haben die Deutschen aber sowieso. Während in ganz Europa die Jugendarbeitslosigkeit tobt, können sich die Menschen in Deutschland allmählich auf Jahre der Vollbeschäftigung vorbereiten. Die Babyboomer aus den geburtenstarken Jahrgängen ab ungefähr 1955 gehen in den kommenden Jahren nach und nach in Rente, gleichzeitig kommen nur noch wenige junge Leute nach. In einigen Kreisen sind Arbeitnehmer schon heute knapp, in vielen anderen könnte das in den nächsten Jahren geschehen. Wie wahrscheinlich Vollbeschäftigung ist, wie sich das Land in der Vollbeschäftigung ändert und was das für unser Leben bedeutet, das loten wir von Sonntag an in einem Themenschwerpunkt von F.A.Z., Sonntagszeitung und FAZ.NET aus. Lesen Sie doch mal rein!

Quelle: F.A.Z.

 
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