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Veröffentlicht: 28.12.2012, 16:10 Uhr

Auf einen Espresso Wildschwein durch das Dorf

Das Wildschwein sollte nach unserer Meinung das Tier des Jahres 2012 sein. Fühlt es sich in den riesigen Mais- und Rapsfeldern sauwohl.

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Das Wildschwein sollte nach unserer Meinung das Tier des Jahres 2012 sein. Fühlt es sich in den riesigen Mais- und Rapsfeldern, die in Deutschland zur Befeuerung der Energiewende und zur Substitution von Erdöl in den Tanks entstanden sind, doch sauwohl. Für die Landwirte ist das Schwarzwild längst zu einer Plage geworden. In den Feldern sind die Eber mit Anhang nach der Auskunft von Jägern von April bis Oktober sehr schwer zu bejagen. Umso mehr Wildschweine gibt es in Deutschland, und umso näher kommen sie den Straßen und Städten.

Carsten Knop Folgen:

Das kann furchtbare Folgen haben. Um Weihnachten herum häuften sich die Meldungen von wild gewordenen Wildschweinen. In Bad Brückenau erschoss die Polizei ein Wildschwein gar mit einer Maschinenpistole, das sei aber „waidmännisch“ geschehen, wird beteuert. Das Tier hatte sich zuvor in die Tiefgarage des dortigen Steigenberger-Hotels verirrt. „Das erlegte Tier wurde dem Jagdpächter zur Verwertung als Weihnachtsbraten übergeben“, heißt es im Polizeibericht. Das Gewicht des Bratens: 40 Kilogramm.

Andere Polizeibeamte haben am Mittwoch in Unterfranken zwei junge Männer vor einer Horde von Wildschweinen gerettet. Die Männer im Alter von 20 und 16 Jahren hatten einen

Notruf abgesetzt, weil sie in ihrem Auto von Wildschweinen umzingelt worden waren. Die beiden waren am frühen Morgen zwischen Mellrichstadt und Sondheim (beide Landkreis Rhön-Grabfeld) unterwegs, als sie eine Rotte von Wildschweinen mit Frischlingen entdeckten. Die jungen Männer waren so fasziniert von den Schweinen, dass sie vorsichtig näher heranfuhren. Das Auto blieb jedoch im matschigen Grund eines Feldwegs stecken. Etwa 30 Tiere versammelten sich danach um das Auto. Als sich die Schweine vom Hupen nicht beeindrucken ließen, sahen die beiden Freunde sich gezwungen, die Polizei zu rufen.

Und in Osthessen ereigneten sich gleich mehrere Verkehrsunfälle mit Wildsäuen. Auf der Bundesstraße 27 kollidierten zwei Autos mit kreuzenden Wildschweinen. An den Autos entstand erheblicher Schaden, die Tiere flüchteten nach dem Unfall. Im Landkreis Bad Kissingen stieß eine Frau mit ihrem Auto am Mittwoch mit einer großen Sau zusammen. Das Tier war wohl sofort tot. Am Auto entstand ein Schaden von mehreren tausend Euro.

Zurück zur Natur, kann man da nur sagen. Aber manchmal - nämlich so wie hier - ist es wohl doch zu viel des Guten. Die Schweinereien sagen zudem viel über die Auswirkungen öffentlicher Fehlsteuerungen aus: Wenn der Staat es übertreibt, schlägt selbst die Natur unerbittlich zurück. Monokulturen sind das eine, viele wilde Schweine das andere. Nun muss man nicht so weit gehen wie mancher Bauer und den Tieren zum neuen Jahr schon die Schweinepest an den Hals wünschen. Mehr Augenmaß stünde aber allen Beteiligten gut zu Gesicht, gerade auch mit Blick auf sämtliche Auswüchse der Umstellung auf erneuerbare Energien. Und das wäre dann doch sowieso ein guter Vorsatz für 2013.

Schauen wir mal, was im neuen Jahr dann wieder für Säue durchs Dorf getrieben werden. In der Unternehmenswelt könnte man sich ein paar spannende Dinge vorstellen. Wer zum Beispiel sagt eigentlich, dass Siemens und Thyssen-Krupp nicht doch noch fusionieren, sollte sich Thyssen in der Not entscheiden, seine Stahlsparte komplett loszuschlagen - um mal ein wenig herumzuspekulieren? Aber auch in der Politik gibt es in der Hinsicht genug zu tun: Zum Beispiel wird es nach der Landtagswahl in Niedersachsen Ende Januar möglicherweise interessante Diskussionen über die Führungsspitze der FDP geben.

In jedem Fall bleibt uns die Euro-Rettung als Dauersauerei erhalten. Da loben wir uns doch den Wildschweinbraten, tanken fleißig E10 - und freuen uns über die Schadensersatzzahlungen von wem auch immer, sollte der Motor unseres Autos eines Tages doch noch daran Schaden nehmen. Frohes neues Jahr allerseits.

Quelle: F.A.Z.

 

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