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Auf einen Espresso Von Messen und Präsidenten

Gerade bereiten wir das Programm der kommenden zwei Wochen vor. Sie meinen, das ist das Normalste der Welt? Nein, nicht ganz: So viele Messen gibt es selten.

Gerade bereiten wir in der Redaktion das Programm der kommenden zwei Wochen vor. Sie meinen, das ist das Normalste der Welt? Nein, nicht ganz: Denn mit einiger Überraschung mussten wir feststellen, dass der Konkurrenzkampf der Messegesellschaften ungeahnte Härte angenommen hat. Deshalb, liebe Leser, werden wir Sie in den nächsten Tagen nicht nur mit Berichten von der Mobilfunkmesse in Barcelona unterhalten, sondern kurz danach auch mit bestimmt ebenso spannenden Beiträgen vom Genfer Automobilsalon, von der Cebit in Hannover sowie von der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin.

Schon unken die ersten Kollegen, ob so viel Messeberichterstattung nicht des Guten zu viel sei. Andere sagen, wenn die Messegesellschaften diese Termine sich eben so aussuchen, seien sie selbst schuld, wenn sie darüber nicht so viele Berichte in der Zeitung fänden wie gewünscht. Alles das ist gewiss wahr. Und wir wollen auch nicht hoffen, dass die Messegesellschaften ohnehin nur noch an einer Berichterstattung in den Weiten des Internets interessiert sind.

Denn das gedruckte Wort, so finden wir, ist bei aller Liebe zum Internet durch nichts zu ersetzen. Und meist ist es eben besonders schwierig, Dinge in der Kürze auf den Punkt zu bringen. Das gelingt im Internet, dem die natürliche Begrenzung des Platzes durch die Maße einer Zeitungsseite fehlt, gewiss nicht immer. Dort gibt es keinen Layouter, der sagt, wann ein Text zu Ende sein muss.

Weil aber mit einem Espresso alles besonders schnell gehen soll, und hier der Platz ganz offensichtlich beschränkt ist, versuchen wir doch mal, die kommenden vier Messen mit wenigen Worten in den Griff zu bekommen. Achtung: Überall wird es um Mobilität gehen, um die Frage, wie unser digitales und unser tatsächliches Ich zum einen noch länger und produktiver, zum anderen noch abwechslungsreicher und erholsamer - und zudem in allen Fällen sicherer - mobil bleiben kann. So ist es nur konsequent, dass zum Beispiel der Autohersteller Ford nicht nur in Genf vertreten ist, sondern sein neues Modell B-Max in Barcelona vorgestellt und mit seinen computergestützten Bedienkonzepten auch schon auf der letzten Cebit zu finden war.

gebucht werden die Reisen, zu denen uns zur selben Zeit die ITB inspirieren soll, immer häufiger über das Internet. Das bringt Reisebüros in Bedrängnis, hinzu kommen Belastungen durch politische Unsicherheiten, etwa in Nordafrika. Und so etwas kann dann selbst größte Reisekonzerne wie zum Beispiel Thomas Cook in ernste Schwierigkeiten bringen. Darüber wird in Berlin gewiss geredet. So, das war die Messeberichterstattung auf knappstem Raum. Doch wollen wir unseren Kollegen die Reisen in die Messestädte nicht verleiden. Sehr bedauerlich ist allerdings, dass der nette Layouter, der ihnen dafür in den vergangenen Jahren den entsprechenden Platz eingeräumt hat, in dieser Woche in den Ruhestand getreten ist. Wir werden ihn vermissen und wünschen noch einmal alles Gute.

Alles Gute wünschen wir natürlich auch unserem künftigen höchsten politischen Vertreter, der gewiss nicht nur seinen Taxifahrer in Berlin mit den Worten überrascht hat: "Sie fahren jetzt den neuen Bundespräsidenten." In den Stunden danach hat auch in dieser Angelegenheit das Internet seine Kraft entfaltet, sogleich wurde allenthalben nach den wunden Punkten im Lebenslauf von Joachim Gauck gesucht. Doch wäre es für das Land schön, wenn Gauck die hohen Erwartungen an ihn auch nur annähernd erfüllen könnte. Und selbst wenn man ihm vorwirft, er setze sich doch etwas zu einseitig mit seinen Themen Freiheit und Verantwortung auseinander, so hat man das Gefühl, dass er besonders über den Teil, in dem es um die Verantwortung geht, noch eine lange Weile reden kann, bevor Langeweile aufkommt. Denn gerade hier gibt es im deutschen Bürgertum doch so manches Defizit.

Wohltuend ist auch, dass Gauck sich ganz klar zur Sozialen Marktwirtschaft bekennt. Eine solche Klarheit hat man in der Kapitalismusdebatte unter zu vielen deutschen Managern zu sehr vermisst. Aber vielleicht nutzen sie die kommenden Messen, um nicht nur die Stärken ihrer Produkte zu bewerben, sondern dabei gleich mit zu erklären, warum ihr Unternehmen Mitarbeitern und Gesellschaft gleichermaßen dient. Das wäre in jedem Fall besser, als Politiker zu kostenlosen Hotelübernachtungen einzuladen.

Quelle: F.A.Z.

 
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