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Risikoabsicherung

Auf einen Espresso Von Haaren und Kulturen

Konstatieren wir einmal, zum Zwecke der Diskussion im Kaffeehaus, dass Jürgen Fitschen und Anshu Jain angetreten sind, die Kultur in der Deutschen Bank zu verändern.

Konstatieren wir einmal, sozusagen nur zum Zwecke der Diskussion im Kaffeehaus, dass Jürgen Fitschen und Anshu Jain tatsächlich angetreten sind, die Kultur in ihrer Deutschen Bank verändern zu wollen, dass es vor allem Altlasten sind, die oft die Schlagzeilen beherrschen - und dass auch in der Wahrnehmung dieser Altlasten manches etwas zu negativ dargestellt wird.

Carsten Knop Folgen:      

Sollte es diesen Wandel aber tatsächlich geben, so heißt das auch: An bestimmten Dingen wird sich selbst in einer geläuterten Bank schlicht und einfach nichts ändern: zum Beispiel daran, dass ein Investmentbanker auch künftig mindestens knapp dreimal so viel wie ein Mitarbeiter im Privatkundengeschäft verdient. Denn das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen im Kapitalmarktgeschäft lag nach den Angaben aus dem soeben vorgelegten Geschäftsbericht zuletzt bei gut 170 000 Euro im Jahr. Im Filialgeschäft beläuft sich dieser Wert hingegen auf nur rund 59 000 Euro. Der Grund sind die Boni, gleichsam die Macchiato auf dem Espresso. Im Investmentbanking bekamen die dort beschäftigten knapp 28 700 Mitarbeiter insgesamt 2,2 Milliarden Euro Prämien, auf die rund 45 500 Mitarbeiter im Privatkundengeschäft entfielen nur 262 Millionen Euro. Da wird die Milch zum Umrühren doch gleich sehr viel dünner.

So ist es, und so wird es wohl auch bleiben. Der Markt gibt die höheren Zahlungen für die Investmentbanker offenbar her oder erfordert sie sogar, je nach Perspektive. Durch die neue Ethik-Schule müssen hingegen alle Mitarbeiter, was gewiss nicht jedem gefällt. Wahr ist aber auch, dass sich die Spitzenbanker in den Doppeltürmen (in einer oberen Etage gibt es dort übrigens eine sehr schöne Kaffeebar mit sensationellem Ausblick) bescheidener als früher geben. Der Vorstand einschließlich ausgeschiedener Mitglieder verdiente 26,3 Millionen Euro und damit rund ein Drittel weniger als im Vorjahr. Die beiden neuen Chefs kassierten jeweils 4,8 Millionen Euro - zusammen so viel wie ihr Vorgänger Josef Ackermann allein verdiente. Das ist zwar immer noch weit von der Armutsgrenze entfernt, im Vergleich mit anderen Vorstandschefs von Dax-Unternehmen aber auch kein exorbitant hoher Wert.

So richtige Eitelkeiten findet man unter den führenden Bankern derzeit ohnehin seltener. Da lassen sich bessere Beispiele außerhalb der Wirtschaft finden, zum Beispiel unter Anlagebetrügern oder Solarunternehmern mit Sportwagen, aber auch im Sport selbst. Hier ein Beispiel: Wenn sie dazu bereit sind, sich über eine Woche hinweg mit der Eitelkeit Jürgen Klopps zu beschäftigen, dem Trainer von Borussia Dortmund, dann darf man das wohl als Zeichen dafür deuten, dass die Deutschen - wenn sie ehrlich zu sich selbst sind - derzeit keine allzu großen Sorgen haben. Womit wir nun bei einem haarigen Thema wären. „Ja, es stimmt, ich habe mich einer Haartransplantation unterzogen. Und ich finde, das Ergebnis ist ganz cool geworden, oder?“, sagt Klopp. Nun, das mag sein. Aber wirklich nötig war es doch auch nicht.

Oder vielleicht doch? Denn gewiss haben sich mehr Deutsche für Kloppos Haare als für eine neue politische Kraft mit dem Namen „Alternative für Deutschland“ (AfD) interessiert. Dabei ist deren Kernforderung „Schluss mit diesem Euro“ ja durchaus populistisch. Die etablierten Parteien sind deshalb auch etwas nervös, denn noch fehlen ihnen passende Antworten auf die neue Gruppierung. Euro-Schönfärberei durch Merkel & Co. wird jedenfalls wenig helfen. Und der Bundestagswahlkampf wird durch die AfD in jedem Fall spannender, was auch immer ein jeder Wähler persönlich von ihr hält.

Mit besonderer Spannung erwarten wir zuvor die Champions-League-Halbfinalspiele: Vielleicht wird sich Kloppo nach Siegen gegen Madrid seine Haare auch noch (schön) färben. Der Werbechef des Sponsors Evonik, den man jüngst zufällig im ICE treffen konnte, freut sich auf neue Motive für Werbekampagnen - und über den Vorschlag aus unserer Sportredaktion zum Finale: „Der Champions-League-Sieger Borussia Dortmund gratuliert den Bayern zur deutschen Meisterschaft und zum Pokalsieg“. (Wir bitten Bayern-Fans um Entschuldigung.)

Jedenfalls haben die Bayern und die Dortmunder in dem Wettbewerb jeweils doppelt so viel verdient wie zuletzt der Vorstand der Deutschen Bank. Und das ist doch eine gute Nachricht.

Quelle: F.A.Z.

 
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