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Auf einen Espresso Um Himmels Willen

 ·  Es war wieder so eine Woche, in der man sehen konnte, wie Neues entsteht und Altes vergeht. Leider ist das leichter geschrieben, als es im Alltag von den Betroffenen erlebt wird.

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Es war wieder so eine Woche, in der man sehen konnte, wie Neues entsteht und Altes vergeht. Leider ist das leichter geschrieben, als es im Alltag von den Menschen erlebt wird. Den Angestellten von Praktiker wird der bevorstehende Ausverkauf ihrer Baumarktfilialen bitter aufstoßen - denn ihr Unternehmen wird vom deutschen Markt verschwinden. Übernahmeangebote gab es keine, lediglich für die Märkte der Tochtergesellschaft Max Bahr. Jetzt heißt es vermutlich nicht mehr nur 20, sondern „40 Prozent auf alles“.

Zwar gibt es Interessenten für die frei werdenden Immobilien. Vom Niedergang sind einschließlich der Teilzeitkräfte aber 5300 Mitarbeiter betroffen. Und die wird es wenig trösten, dass in einer völlig anderen Ecke der Wirtschaft zahlreiche neue Arbeitsplätze entstehen: In ganz Europa haben allein die Apps auf unseren mit dem Internet verbundenen Smartphones 800000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Das jedenfalls hat man in einer Studie herausgefunden, die allerdings auch zeigt, das selbst ein dynamischer Neuanfang schwerfallen kann. Denn sehr viele Entwickler, die sich mit diesen Apps beschäftigen, verdienen weniger als 1000 Euro im Monat.

Im Saldo, immerhin, hat sich die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im internationalen Vergleich verbessert. Das berichtet das Weltwirtschaftsforum, der Organisator des gleichnamigen Managertreffens in Davos. Das sei vor allem durch die Innovationsfähigkeit deutscher Unternehmen erreicht worden, heißt es. Außerdem werde im internationalen Vergleich viel für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Das ist schön zu hören. Und vielleicht können die deutschen Politiker ja nach der Bundestagswahl auch noch den verbliebenen Kritikpunkt angehen. Denn Probleme hat Deutschland aus der Sicht des Forums vor allem durch einen vergleichsweise unflexiblen Arbeitsmarkt. Eine weitere Flexibilisierung sollte nur nicht dafür sorgen, dass noch mehr Menschen so bezahlt werden wie manche Entwickler von Apps für Mobiltelefone. Als das konkurrenzfähigste Land der Welt weist der Bericht übrigens die Schweiz aus. Das Wirtschaftsforum hat sich also die richtige Heimat ausgesucht.

Aber wir haben gelernt: Innovationen aus Deutschland sind es, die unsere Wirtschaft antreiben. Häufig handelt es sich dabei um Dinge, die der Privatkonsument niemals kennenlernt - um Werkstoffe, Maschinensteuerungen oder Bauteile. Vieles wird übersehen, weil andere Produkte aus einer Industrie das Rampenlicht stehlen, die Deutschland weitgehend verlassen hat. Gemeint ist die Konsumelektronik, die sich gerade in Berlin auf der IFA zu einer Leistungsschau vor allem ausländischer Unternehmen trifft.

Dort hat Samsung seine Computeruhr „Galaxy Gear“ vorgestellt. Nutzer können damit Anrufe tätigen, Nachrichten anzeigen und SMS diktieren. Im Armband ist eine kleine Kamera für Schnappschüsse eingelassen. Ob wir das brauchen, wird die Zukunft zeigen. Hübsch ist die Uhr gewiss nicht im Auge eines jeden Betrachters. Und in der Vorstellung klang ein Satz bedrohlich: „Gear bringt das gesamte digitale Leben aufs Handgelenk“, sagte Samsung-Manager Pranav Mistry. Es sei ein „Science-Fiction-Gerät“. Um Himmels willen.

Zurück aus der Zukunft ist derweil das finnische Unternehmen Nokia, der letzte ernstzunehmende Handyhersteller, den es in Europa noch gibt. Das iPhone von Apple und Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android haben Nokia den Boden unter den Füßen weggezogen. Das Bündnis mit Microsoft brachte keine Wende. Woher die nun nach einer Übernahme durch Microsoft kommen soll, weiß abermals: der liebe Himmel.

Von dort hat in dieser Woche noch einmal die Sonne gelacht und die deutschen Solaranlagen gespeist. Das ist einerseits erfreulich, andererseits ist die so entstehende Energie viel zu teuer. Im Rahmen der überhasteten Energiewende ist wahrlich nicht alles rundgelaufen. Das Erneeuerbare-Energien-Gesetz muss reformiert werden; das weiß hoffentlich jeder, der in rund zwei Wochen gewählt werden wird.

Bis dahin können wir alle noch etwas über unsere Wahlentscheidung nachdenken - und das hoffentlich intensiver als die Passanten, die in dieser Woche immer wieder vom Hessischen Rundfunk auf der Straße befragt worden sind: „Würdest du in einer Demokratie mitmachen?“ war eine dieser Fragen. Als Antwort kam ein: „Nein.“ Um Himmels willen.

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