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Auf einen Espresso Mit Riester in den Resturlaub

 ·  Wie gut, dass sogenannte „Resturlaubstage“ abgebaut werden müssen. Da lässt sich vieles erledigen. Aber ist der Abschluss eines Riester-Vertrags eine gute Idee?

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Wie gut, dass das Jahr nun zu Ende geht und sogenannte "Resturlaubstage" abgebaut werden müssen. Eigentlich würde man ja gern arbeiten, aber bevor der Urlaub einfach schnöde verfällt, gilt es in diesen letzten Wochen des Jahres immer wieder einmal einen Urlaubstag einzustreuen. Und siehe da: Daheim braucht einen der Garten zwar nicht mehr, wohl aber das private Büro. Denn wann wurde eigentlich das letzte Mal überprüft, ob die Versicherungen, die man so hat, noch wettbewerbsfähige Preise und Leistungen haben?

Gut, der Termin zur Kündigung der Autoversicherung ist gerade abgelaufen. Aber es gibt da ja noch manches andere: Haftpflicht, Hausrat, Kranken-Zusatzversicherungen und so weiter. Schnell zeigt sich, dass sich Kündigungen lohnen und nennenswerte Ersparnisse winken. Schon hat sich der erste Resturlaubstag in barer Münze gelohnt. So kann es weitergehen.

Beim Stöbern durch die Akten fällt aber auch noch etwas anderes auf: Was ist mit den eigenen Ersparnissen für das Alter? Sollte man sich nicht einmal näher mit den staatlich durchaus erheblich geförderten Riester- und Rürup-Renten befassen? Auch hier gilt zwar die Devise: sparen durch Geldausgeben, aber irgendetwas muss man ja tun. Also die Beraterin anrufen, und schon hat der nächste Resturlaubstag erst einmal eine Menge Geld gekostet. Also wieder ab zum Geldverdienen.

Im Büro sagt dann der Chef, die Rendite auf diese Produkte könne man sowieso vergessen. Der nächste Kollege sagt: Da lohnt sich ja Tagesgeld mehr. Dann kommt noch einer: In 30 Jahren gebe es den Euro sowieso nicht mehr, da könne man sich seine Riester-Policen sonst wo hinhängen. Aber zu viele Sorgen solle man sich auch nicht machen: Wenigstens bekämen die EU-Beamten noch mehr Geld. Deren regelmäßige Gehaltssteigerung könne nur in Krisenzeiten ausgesetzt werden, dafür sei diese Krise aber noch nicht groß genug, finde die Kommission. Und schon denkt man sich wieder: Vielleicht ist es Zeit für den nächsten Resturlaubstag.

Schließlich hat man schon lange nicht mehr mit den Freunden telefoniert. Die investieren gerade in vermietete Immobilien. Das ist für sie das einzig Wahre. Und auch die Dame von der unabhängigen Finanzberatung (die mit den Riester- und Rürup-Verträgen) hatte gesagt, dass man sich so etwas auch einmal überlegen sollte. Das eigene Heim bringe steuerlich ja nichts. Kredit aufnehmen und vermieten heiße die Devise. Wenn der Euro wirklich hops gehe, sei so eine Investition doch eine gute Versicherung.

Und schon wieder braucht man einen Resturlaubstag, um sich das alles durch den Kopf gehen zu lassen. Da tauchen im Kopf Bilder von den Vermietern unseres Nachbarhauses auf. Die hatten dort ein Jahr lang Menschen wohnen, die sich selbst voller Überzeugung "Zigeuner" nannten und alle Klischees bedienten, die es in dieser Hinsicht so gibt. Die Vermieter konnten heilfroh sein, das Problem mit den Mietnomaden nach einem (!) Jahr gelöst zu haben. Da klingt das mit den Riester- und Rürup-Verträgen im Aktenordner doch beruhigender.

Schließlich sollten solche Urlaubstage im Advent sowieso der Besinnung dienen. Also schauen wir zur Inspiration in die Bestsellerlisten und die Buchzeitschriften, die es bei den Händlern zum Mitnehmen gibt. Dort wird empfohlen, man solle sich einmal wieder mit einem "Killer ins Bett legen", und man erfährt so einiges über den neuesten Verkaufsschlager: ein Buch mit dem Namen "Eragon", Folge vier der entsprechenden Reihe. Das Buch fällt in die Kategorie "Fantasy", und es geht darum, dass der Drachenreiter Eragon dem grausamen König Galabtroix die Stirn bieten muss. Ob man das aber wirklich lesen muss?

Dann gehen wir doch lieber wieder zurück ins Büro und bieten der Euro-Krise die Stirn. Mal sehen, wie dieser Krimi endet. Riester und Rürup kommen erst mal ins volle Regal. Zum Lesen ansprechenderer Lektüre über die Feiertage gibt es jetzt ja platzsparende E-Books. So gilt bei allen Ungewissheiten über die Zukunft doch wenigstens, dass der Fortschritt nicht mehr aufzuhalten ist.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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