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Auf einen Espresso Merkmale der Alleinstellung

17.10.2011 ·  Börsen, die selbst in diesen Zeiten starke Kursgewinne aufweisen, gibt es: In Venezuela zum Beispiel. Als Vorbild taugt der Aktienmarkt von Caracas aber nicht - eher als Beispiel einer Geisterbörse.

Von Michael Psotta
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Das gibt es nur einmal auf der Welt: eine Aktienbörse, deren Kurse in diesem Jahr um die Hälfte gestiegen sind. Dieses Glück trifft Venezuela. Venezuela? Das Land im Griff des kranken Linksdiktators Hugo Chávez, der mit Marktwirtschaft und Börse so viel zu tun hat wie, sagen wir, Thilo Sarrazin mit dem Literaturnobelpreis? Ja, selbst für den Börsenaufschwung von Caracas gibt es eine Auflösung: Chávez hat seine Wirtschaft inzwischen so weitgehend verstaatlicht, dass es nur noch wenige unbedeutende Börsenwerte gibt, darunter Restaktien längst verstaatlichter Unternehmen. Das Handelsvolumen beträgt rund 10 000 Euro am Tag. Der Begriff Geisterbörse erscheint angemessen.

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Als Vorbild für den deutschen Aktienmarkt taugt Venezuela also trotz des beeindruckend erscheinenden Aufschwungs nur bedingt. Für den Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, ist das aber kein Trost. Er muss befürchten, dass sein Institut künftig auch auf den Staat als Aktionär hören muss - wenn den Banken Zwangskapital aufgedrückt wird, um sie krisenfester für den Fall des griechischen Staatsbankrotts zu machen. Das sind keine schönen Aussichten für die Deutsche Bank, die sich bisher als stabilen Leuchtturm in der Finanz- und Schuldenkrise darzustellen verstand. Doch so ärgerlich vorübergehender staatlicher Einfluss für Ackermann wäre: Dann doch lieber Merkel als Chávez.

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Das Berufsleben in staatlicher Regie muss ohnehin nicht zwangsläufig der Hölle gleichen. Das zeigen unsere Fluglotsen, die in der staatlichen Deutschen Flugsicherung beschäftigt sind. Rund 30 Wochenstunden, jährliche Durchschnittsgehälter von gut 100 000 Euro, möglicher Vorruhestand mit 52 Jahren und 70 Prozent der letzten Bezüge - klingt nicht nach Hölle. Natürlich üben die Fluglotsen eine höchst verantwortliche und anstrengende Tätigkeit aus. Doch das gilt auch für eine Reihe anderer Berufe. Diesen Kollegen ist es jedenfalls nicht gelungen, nach mehrmonatigen Tarifverhandlungen mit einer Reihe von Streikandrohungen den üppigen Lohn nochmals um 9 Prozent zu steigern. Warum sich der Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer über den Abschluss zufrieden zeigt, bleibt sein Geheimnis.

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Kein Geheimnis ist es, dass die Deutsche Bahn höchste Emotionen weckt - meist negativer Art. Das gilt regelmäßig, wenn technische Pannen wie der Ausfall von Klimaanlagen oder Stillstand der Züge in kalter Jahreszeit zu vermelden sind - unabhängig davon, ob dies auf Versäumnisse der Bahn oder ihrer Lieferanten zurückzuführen ist. Neuen Anlass zum Ärger bietet die Preiserhöhung zur Einführung des Winterfahrplans am 11. Dezember. Die Tickets im Fernverkehr werden um fast 4 Prozent teurer. Für so manchen Berufspendler, dessen Heim fernab vom Arbeitsplatz liegt, wird das spürbar werden. Ökologisch orientierte Kritiker wie der Verkehrsclub VCD werfen der Bahn vor, mit ihren Preisen Kunden zu verprellen und zum Schaden der Umwelt auf die Straße zu treiben. Da hat die Bahn allerdings ein Gegenargument: Sie reagiert auf die gestiegenen Energiekosten, die wiederum mit der deutschen Energiewende zusammenhängen. Dass die Bahn als Deutschlands größter Stromkunde wirtschaftlich betroffen ist, wenn sie immer mehr Strom aus erneuerbarer Energie bezieht, verwundert nicht.

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Bahnchef Rüdiger Grube rechnet vor, dass die Energiewende den Konzern allein in diesem Jahr wegen teurerer Strombezüge 100 Millionen Euro kosten wird, Tendenz steigend in den kommenden Jahren. "Viel Geld" koste die deutsche Energiepolitik das Unternehmen, doch er begrüße sie ausdrücklich, sagt Grube. Das sei ihm auch geraten: Widerstand gegen strategische politische Entscheidungen aus dem Munde eines Staatsbediensteten käme in Berlin ganz schlecht an.

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Ökologisch unbedenklich scheint die Frankfurter Buchmesse zu sein. Jedenfalls ist das Verkehrsaufkommen im morgendlichen Berufsverkehr kaum höher als zu messefreien Zeiten. Da sei die Buchmesse gelobt, etwa gegenüber der Internationalen Automobilausstellung, die Frankfurt und Umgebung regelmäßig verstopfte Straßen bringt. Auch die Sanitärausstellung, im Volksmund Interklo, macht sich im Verkehr höchst unangenehm bemerkbar. Warum ausgerechnet die Buchmesse, eine der wichtigen Frankfurter Ausstellungen, im morgendlichen Berufsverkehr so wenige Spuren hinterlässt? Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass Literaten morgens gern ein wenig länger ausschlafen als Handwerker.

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Jahrgang 1957, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung.

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