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Auf einen Espresso Mathe und andere Fehler

 ·  Hätten Sie das gedacht: Das Rechnen mache den meisten Deutschen Spaß? Schade nur, dass es so oft daneben geht.

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Hätten Sie das gedacht: Das Rechnen mache den meisten Deutschen Spaß? Nach all den üblen Diskussionen um den Matheunterricht in der Schule rechnet ja kaum einer damit, dass Zahlen Freude bringen können. Aber eine repräsentative Umfrage hat vor drei Jahren ergeben: Zwei Drittel der Deutschen geben an, ihnen mache das Rechnen Spaß. Zumindest hat das damals die Stiftung Rechnen veröffentlicht. Und die muss ja wissen, wie man mit Zahlen umgeht.

Dass Rechnen Spaß macht, daran muss man dieser Tage extra erinnern. Denn in der vergangenen Woche hat es nicht besonders gut funktioniert. Schauen Sie zum Beispiel mal die Apple-Analysten an. Die haben sich ein bisschen verrechnet. 50 Millionen iPhone-Verkäufe hatten sie für das Weihnachtsquartal erwartet, stattdessen sind es nur 47,8 Millionen geworden. Das ist zwar ein Rekord, aber nach diesem Verrechner hat Apple an der Börse trotzdem rund 50 Milliarden Dollar an Wert verloren. Der Börsianer spricht da - ganz passend - von einer „Korrektur“. Und wir lernen einmal mehr: Bei Apple muss man halt wirklich mit allem rechnen.

Selbst für IT-Experten ist das Rechnen schwer

Selbst die IT-Experten haben mit dem Rechnen noch so ihre Schwierigkeiten, wie gerade deutlich wird. Eigentlich sollte beim großen Treffen der digitalen Welt, der „DLD“-Konferenz, die Ära massenhafter Datenhaltung beschworen werden: Wenn sich die Wohnung nur gut genug ausrechnet, wann ihr Besitzer nach Hause kommt, kann sie während des Tages cool bleiben und muss erst kurz vor der Rückkehr einheizen. Seit Monaten ist „Big Data“ das große Thema der IT-Branche. Doch dann kommt ein Psychologe und findet viel Zustimmung für seinen Satz: „Big Data ist wie Sex bei Teenagern. Jeder redet darüber, aber keiner weiß, wie’s geht. Jeder denkt, dass es jeder andere macht, und deshalb behauptet jeder, es auch zu tun.“ Der Psychologe ist Dan Ariely, Titel seines Buches: „Denken hilft zwar, nützt aber nichts“.

Sogar den Notenbankern geht es so ähnlich bei ihren jüngsten Versuchen, Währungen abzuwerten. Rund um den Globus drucken Notenbanken Geld, schwächen ihre Währungen - auch in der Hoffnung, dass ihre Währung abwertet, ihre Produkte billiger werden und so die Wirtschaft angekurbelt wird. So geht es rund um die Welt. Und jeder, der seine Währung abwertet, verleitet die anderen zum Nachziehen. Ökonomen haben ausgerechnet, wohin das führt - und jetzt fordern sie eine neue Koordination der Zentralbanken, um solche Abwertungswettläufe zu vermeiden. Doch die Zahlen zeigen wieder anderes, als die Experten ausgerechnet haben: zum Beispiel in Amerika. Trotz lockerster Geldpolitik steht der Dollarkurs gegenüber den wichtigsten Handelspartnern Amerikas heute immer noch dort, wo er vor zwei Jahren stand. „Heidenei“, sagt da der Schwabe.

“Der Schwabe? Wie kommt denn der jetzt in die Kolumne?“ werden Sie fragen. „Der hat sich gar nicht verrechnet, das ist doch in Niedersachsen passiert.“

Sie haben aber noch nichts vom neuesten Großprojekt gehört, das in schwäbisch-berlinerischer Kooperation entstand und noch mal einen genaueren Blick wert ist. Die Berliner Architekten und die schwäbischen Planer sprächen einfach nicht dieselbe Sprache, klagt der zuständige Projektleiter. So entstehen neue Missverständnisse zwischen den Völkern. Dabei war doch gerade der Berliner Wolfgang Thierse in den Süden gereist, um sich nach seinen „Wecken“-Lästereien wieder mit den Schwaben zu versöhnen. (Und fragen Sie jetzt bitte nicht, warum er dazu in den Europa-Park nach Baden fuhr.)

Das neue Großprojekt ist, was wir jetzt genauer ansehen müssen. Geplant für Stuttgart, von einem Berliner Architekten. Und so viel man auch geplant und gerechnet hat: Die Zahlen kommen einfach nicht hin. Die Kosten sind inzwischen fast 50 Prozent höher als geplant. Gänge haben nicht den Gefällewinkel, den sie haben sollten. Es fehlt an Sicherheit, weil an den falschen Stellen Wände gebaut worden sind. Ohne tiefere Kenntnis der Materie vermuten wir, dass es auch keinen Brandschutz gibt und der Bau noch nicht unter der Erde ist. Aber Verzögerungen sind schon mal sicher, der Eröffnungstermin an Ostern ist schon abgesagt. Jetzt hofft die „Wilhelma“, der Stuttgarter Zoo, dass das neue Menschenaffenhaus wenigstens bis Pfingsten fertig wird.

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