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Auf einen Espresso Männer mit Füller

18.02.2012 ·  Wie geht es dem Mann, der den Maastricht-Vertrag vor 20 Jahren für Deutschland unterschrieben hat? Theo Waigel würde es heute wieder tun.

Von Heike Göbel
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Wie geht es dem Mann, der den Maastricht-Vertrag vor 20 Jahren für Deutschland unterschrieben hat? Theo Waigel ist mit sich im Reinen. Den historischen (natürlich dicken) Füller hat der frühere Bundesfinanzminister zum Vortrag in die Hanns-Seidel-Stiftung in München mitgebracht: "Ich würde wieder mit gutem Gewissen unterschreiben, und ich weiß, es war richtig." Den Namen Euro hat er erfunden. Selbstkritik ist seine Sache nicht. Ohne Währungsunion stünde Deutschland schlechter da, davon ist der CSU-Ehrenvorsitzende auch jetzt noch überzeugt. Wenn ihn jemand attackiere, frage er zurück: "Was haben Sie denn bisher verloren?" Der Geldwert sei stabil. Die Presse schreibe zu wenig und zu schlecht über Europa.

Über die Griechen will Waigel aber an diesem Abend eigentlich nicht reden. Die hätte er ja nicht in den Euro gelassen. Dann redet er doch. Wenn man Griechenland trotz des Bailout-Verbots helfe, dann nur unter harten Bedingungen. "Wenn ein Land sich nicht dran hält, kann man ihm das Recht auf Untergang nicht verweigern." Deutschland brauche sich nicht alles gefallen zu lassen. "Wir haben, Entschuldigung, die Scheiße in Griechenland nicht angerichtet.“ Und weil sich die Seidel-Stiftung "Visionen" wünscht, propagiert Waigel die "Vereinigten Staaten in Europa". Diese seien mehr als ein Staatenbund, aber weniger als ein Bundestaat. Das distinguierte Publikum, dem vom Weiberfaschingstreiben draußen aber auch so gar nichts anzumerken ist, blickt skeptisch und applaudiert sparsam. Nachher in der U-Bahn sagt einer: "Wir hatten auch mal einen König in Preußen."

Unser König heißt jetzt nicht mehr Christian Wulff. Auch er war ein Mann mit mächtigem Füller, Gesetze zu unterzeichnen ist schließlich das Brot-und-Butter-Geschäft eines Bundespräsidenten. Doch das Schreibgerät braucht er nicht mehr, zum stolzen Hochzeigen bleibt ihm aus der kurzen Zeit in Bellevue nichts. Wahrscheinlich ist wieder die Presse schuld, berichtet zu viel und zu schlecht. Man kann es sich einfach machen. Wir tragen es mit Fassung.

Wenn uns langweilig ist, schauen wir, was auf Twitter los ist. Das ist ein bisschen wie ein Comic ohne die Zeichnungen, Sprechblasen steigen neben reglosen Köpfen auf, den Rest der Handlung muss man sich oft dazu denken. Der Bundespräsident twittert selten, ganze acht Mal hat er das Medium seit Amtsantritt genutzt. 44 Tage hatte er sein Mitteilungsbedürfnis zuletzt gezügelt. Donnerstagabend, nach Bekanntwerden der Ermittlungen wegen Vorteilsnahme, meldete er sich plötzlich wieder mit den Worten: "Die Stärke eines Rechtsstaates misst sich an der Standfestigkeit seiner Fundamente. Dazu zählt auch die Unschuldsvermutung." Da wussten wir, dass seine Lage nicht mehr zu halten ist. Für ihn gebe es nie "alternativlos", hat Wulff einmal gesagt. Ob ihn einer seiner Wirtschafts-Freunde jetzt auffängt?

Jede Affäre hat ihre Gewinner. Eindeutiger Gewinner der Wulff-Affäre ist Thomas Oppermann, der bis dato blasse Erste Parlamentarische Geschäftsführer der SPD. Sein mit Bravour erledigter Auftrag: Den Bundespräsidenten in den Talkshows der Republik immer nur gerade so viel zu demontieren, dass die SPD am Ende in jedem Fall auf der sicheren Seite stünde. Hätte Wulff durchgehalten, wären die Beziehungen zum Präsidenten durch Oppermann nicht zerrüttet gewesen. Nun, da Wulff geht, stehen die Sozialdemokraten nicht als Königsmörder da.

Abschließend wollten wir den Bogen noch elegant vom Münchner Fasching zum Karneval schlagen. Schließlich sind wir aus dem Rheinland, wenn man es uns Leverkusenern auch nicht immer anmerkt. Aber die Wulff-Witze sind aus, die Griechen nicht komisch, die FDP berappelt sich angeblich gerade, und selbst die Minister-Damen von der Leyen und Schröder haben aufgehört, sich um die Quote zu streiten. In der Redaktion ist zu allem Überfluss der Kreppel-Nachschub (für Nichtfrankfurter: Berliner, Krapfen) versiegt. Wir müssen also passen, Schluss mit lustig. Olle Kamellen wollen wir ihnen in dieser Rubrik nicht bieten, die finden sie draußen jetzt eh genug.

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Jahrgang 1959, verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

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