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Auf einen Espresso Licht für Steinbrück

Heike Göbel

Die Stadtwerke Bochum haben jetzt ein Problem. Was hat sie dazu gebracht, dem Vortragsredner Peer Steinbrück ein Honorar zu zahlen, das mit Großzügigkeit viel, mit Marktpreisen offenkundig nichts zu tun hat? Die 25000 Euro seien als Spende gedacht, die der Redner frei verwenden könne, redet man sich heraus. Der weiß leider von nichts. Aber auf ein paar Tausender mehr oder weniger kommt es in so manchem von Parteigeklüngel dominierten Staatsunternehmen bekanntlich nicht an, der Steuerzahler - oder besser der Stromkunde - hat es ja. Und im großen Plan der Energiewende sind das nicht mal Peanuts. Wenn die Bochumer künftig das Licht anmachen, könnte es für einen guten Zweck sein. Oder eben auch nicht.

Die Energiewende hat Umweltminister Peter Altmaier jetzt mit der Mondlandung verglichen. Super-Analogie. Zum Mond kommt man nicht als Erbsenzähler. Ein kleiner Schritt für Deutschland, ein großer für die Menschheit, jedenfalls für die Chinesen. Die freuen sich über die Milliarden aus Deutschland für ihre Solarindustrie. Und Steinbrück kriegt auch was ab. Und wenn alles gutgeht, sitzen wir irgendwann alle gebannt nachts vor dem Fernseher und schauen zu, wie statt Greenpeace der Altmaier auf dem letzten eroberten Atommeiler die deutsche Fahne hisst und den roten „Aus“-Knopf drückt. Wenn das Fernsehbild dann nirgendwo schwarz wird, ist die Energiewende geschafft. Falls es schiefgeht, leuchtet immer noch der gute alte Mond.

Im Land der Muster-Mülltrenner und mit Vorhängeschlössern versehener Mülltonnen gibt es bald ein Jubiläum zu feiern. Das Dosenpfand wird, man glaubt es kaum, schon zehn. Das gibt ein Fest. Wer beobachtet, wie in der Schlange vor dem Pfandautomaten Menschen zerknüllte Plastikflaschen aufpusten und Dosen glätten, damit der Strichcode lesbar wird, der weiß: In diesem Land gelingt auch die Energiewende. Mit dem Dosenpfand hat Urheber Jürgen Trittin auch noch die Sozialpolitik revolutioniert. Denn wer keine Geduld für die Rückgabe hat, schmeißt Dosen und Flaschen guten Gewissens beherzt in den Müll - kleine Spende für die Flaschensammler-Existenzen, die Trittin geschaffen hat. Zum Jubiläum sollte man aber nun wirklich das Pfand anheben, Inflationsausgleich und Kaufkraftstärkung für den armen Sammler müssen auch mal drin sein. Der hat ja keine Gewerkschaft, die ihm zum „Schluck aus der Pulle“ verhilft. Wäre doch ein schönes links-grünes Projekt im Wahljahr.

Zu den Sprüchen, mit denen der SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück Rätsel aufgibt, gehört seine Warnung: „Ich glaube, dass es Transparenz nur in Diktaturen gibt.“ Wenn es um die Verwendung öffentlicher Mittel geht, kann es aus unserer Sicht jedenfalls nicht genug Aufklärung geben. Deswegen haben wir am Mittwoch auf die krasse Selbstbedienungsmentalität der Chefs der Kassenzahnärzte hingewiesen. Die tun - im Benehmen mit FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr alles - um ihre völlig überzogenen Abfindungsregeln zu retten, ohne dass die Öffentlichkeit was merkt. Die drei Funktionäre haben zum Jahresgehalt von mehr als 240000 Euro selbst dann Anspruch auf zwölf Monate Übergangsgeld, wenn ihr Vertrag verlängert wird, es also gar keinen „Übergang“ gibt. Das summiert sich bei den derzeitigen Amtsträgern auf bis zu 30 Monate, je rund 600000 Euro - finanziert aus den Zwangsbeiträgen der Kassenversicherten. Geht’s noch gut?

Apropos Diktatur: Auf die Chinesen setzen die Deutschen in Asien die größten Hoffnungen, Diktatur hin, Menschenrechte her. Als politischer Partner gilt das kommunistische Einheitsregime aus deutscher Sicht mehr als die Demokratien in Japan und Indien. Unser Bengale findet diese Einschätzung ziemlich blind. China fehle noch, in die Freiheit geboren zu werden. Diese Hürde habe Indien schon genommen. Deswegen sei das chinesische System intrinsisch instabil, denn mit dem Wohlstand komme das Verlangen nach Freiheit und damit verbunden die Unsicherheit über den Weg dahin. Das wiege manche Nachteile Indiens auf.

Von der Griechenland-Exkursion kam das Kind mit einer Lebens-Lektion zurück. Eine pfiffige Lehrerin hatte die Schüler bei der Besichtigung einer Pyramide plötzlich gebeten, sich an die Wand zu stellen, Hände über den Kopf an die Steine zu legen und das rechte Bein zu heben. Gebannt tat die Klasse mit und harrte auf neue Erkenntnisse über die alten Griechen. „Ach, ich wollte nur mal sehen,was ihr noch so alles glaubt“, lachte die Lehrerin. Diktatur-Prävention, ganz praktisch.

Quelle: F.A.Z.

 
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