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Auf einen Espresso Leerlauf und Verluste

 ·  Heike Göbel

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Befremdet haben wir die Haushaltsrede des Bundesumweltministers verfolgt. „Freuen Sie sich, dass überall in Deutschland über die Energiewende diskutiert wird“, rief Peter Altmaier der Opposition zu. Wie kann man sich freuen, wenn das ganze Land ein Problem diskutiert, das ohne den überstürzten schwarz-gelben Atomausstieg gar nicht erst entstanden wäre?

Einen „Runden Tisch für Stromeffizienz“ hat Altmaier eingerichtet. Vielleicht geht ja auch Stromsparen durch den Magen. Als erstes Ergebnis des gesammelten Nachdenkens der „Vertreterinnen und Vertreter von Wohlfahrts- und Verbraucherschutzverbänden, Kirchen, kommunalen Spitzenverbänden, Bundesagentur für Arbeit, Verbänden der Energiewirtschaft und Energietechnik“ präsentiert das Ministerium stolz einen neuen Online-Stromcheck für den privaten Haushalt. Alle wollen an unseren Strom, natürlich nur zu unserem Besten. „1000 Euro Strom sparen“, lockt auch das Freiburger Öko-Institut und wirbt mit Angeboten für „Ihre ganz persönliche Energiewende“. Uns dämmert, dass wir in diesem Land mit dem gelegentlichen Einschrauben einer Energiesparlampe nicht mehr lange durchkommen werden. Vermutlich schickt uns der runde Tisch bald den Stromberater zwangsweise ins Haus.

Der kommt dann, sofern ihm das Arbeitsamt noch schnell einen Englischkurs spendiert hat, mit der „Master- Slave-Steckdosenleiste“ an. Dieses Teil preist Altmaiers hilfsbereites Ministerium gerade als Tipp des Monats gegen „Leerlaufverluste“ ungenutzter Elektrogeräte. „Bye-bye zu Stand-bye“, reimt der sprachgewandte Umweltbeamte dazu. Und warnt, es sei natürlich darauf zu achten, dass der Strom für den Betrieb der Leiste nicht die ganze schöne Energieersparnis bei den Sklaven auffresse. Ganz groß im Kleinen, dieses Ressort. Hoffen wir, dass der Minister seine eigenen Leerlaufverluste in den Griff kriegt, bevor Masterin Merkel den Stecker zieht.

An uns Medien appelliert derweil Leser Heinz Draheim, doch mit dem Begriff der „Planwirtschaft“ in der Energiewende vorsichtig zu sein. Sein ganzes Berufsleben sei von der Planwirtschaft in der DDR geprägt gewesen, schreibt der Ingenieur. Er wisse um deren mangelnde Effizienz, die das Ende der DDR eingeleitet habe. Aber er kenne kein einziges Projekt aus dieser Zeit, welches „von den Dimensionen her an den Schwachsinn dieser Energiewende auch nur annähernd heranreichen würde“. Das Chaos der Stromversorgung beweise das Fehlen jeglicher Vernunft, mithin sei auch der Begriff „Planwirtschaft“ fehl am Platz. So kann man das auch sehen.

Natürlich hat Altmaier in der Haushaltswoche nur die kleine Bühne gehabt. Die große stand wieder einmal in Brüssel und gehörte Wolfgang Schäuble und Angela Merkel, die sich Nächte mit Griechenhilfe und EU-Finanzrahmen um die Ohren schlugen. So langsam lässt dabei nicht etwa die Geduld mit den immer teureren Griechen nach oder mit den Franzosen, die mit aller Macht um die Agrarsubventionen ihrer Bauern kämpfen. Nein, die Geduld verliert man - Schuldenkrise hin, Schuldenkrise her - ausgerechnet mit den sparwilligen Briten. Vielleicht ja, weil sie unvorsichtigerweise vorgeschlagen haben, bei den EU-Beamten zu kürzen und deren Pensionsalter von 63 auf 68 Jahren anzuheben. Ob man die Briten wohl im Boot halten könne, wollte ein Journalist von Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker wissen. Dessen kühle Antwort: „Die können schwimmen.“

Es geht also weiter zur Sache in der EU, Ende offen, Rechnung auch. Niemand könne mit Sicherheit vorhersagen, was in Europa noch nötig sei, mit diesen Worten hat der Bundesfinanzminister seine Haushaltsrede beendet. Ihm soll niemand mehr vorwerfen können, etwas versprochen zu haben, was sich nicht halten lässt. Schon Montag wird Schäuble weiter über die Griechen-Milliarden verhandeln. Das hat die Regierungsfraktionen nicht daran gehindert, dem Haushaltsgesetz für 2013 schon mal zuzustimmen. Notfalls steht der Abgeordnete gern Stand-by und macht in der Weihnachtspause schnell ein neues Gesetz. Leerlaufverluste waren im Parlament schließlich noch nie ein Thema.

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