Home
http://www.faz.net/-ha4-74jy5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Auf einen Espresso Leerlauf und Verluste

Heike Göbel

Befremdet haben wir die Haushaltsrede des Bundesumweltministers verfolgt. „Freuen Sie sich, dass überall in Deutschland über die Energiewende diskutiert wird“, rief Peter Altmaier der Opposition zu. Wie kann man sich freuen, wenn das ganze Land ein Problem diskutiert, das ohne den überstürzten schwarz-gelben Atomausstieg gar nicht erst entstanden wäre?

Einen „Runden Tisch für Stromeffizienz“ hat Altmaier eingerichtet. Vielleicht geht ja auch Stromsparen durch den Magen. Als erstes Ergebnis des gesammelten Nachdenkens der „Vertreterinnen und Vertreter von Wohlfahrts- und Verbraucherschutzverbänden, Kirchen, kommunalen Spitzenverbänden, Bundesagentur für Arbeit, Verbänden der Energiewirtschaft und Energietechnik“ präsentiert das Ministerium stolz einen neuen Online-Stromcheck für den privaten Haushalt. Alle wollen an unseren Strom, natürlich nur zu unserem Besten. „1000 Euro Strom sparen“, lockt auch das Freiburger Öko-Institut und wirbt mit Angeboten für „Ihre ganz persönliche Energiewende“. Uns dämmert, dass wir in diesem Land mit dem gelegentlichen Einschrauben einer Energiesparlampe nicht mehr lange durchkommen werden. Vermutlich schickt uns der runde Tisch bald den Stromberater zwangsweise ins Haus.

Der kommt dann, sofern ihm das Arbeitsamt noch schnell einen Englischkurs spendiert hat, mit der „Master- Slave-Steckdosenleiste“ an. Dieses Teil preist Altmaiers hilfsbereites Ministerium gerade als Tipp des Monats gegen „Leerlaufverluste“ ungenutzter Elektrogeräte. „Bye-bye zu Stand-bye“, reimt der sprachgewandte Umweltbeamte dazu. Und warnt, es sei natürlich darauf zu achten, dass der Strom für den Betrieb der Leiste nicht die ganze schöne Energieersparnis bei den Sklaven auffresse. Ganz groß im Kleinen, dieses Ressort. Hoffen wir, dass der Minister seine eigenen Leerlaufverluste in den Griff kriegt, bevor Masterin Merkel den Stecker zieht.

An uns Medien appelliert derweil Leser Heinz Draheim, doch mit dem Begriff der „Planwirtschaft“ in der Energiewende vorsichtig zu sein. Sein ganzes Berufsleben sei von der Planwirtschaft in der DDR geprägt gewesen, schreibt der Ingenieur. Er wisse um deren mangelnde Effizienz, die das Ende der DDR eingeleitet habe. Aber er kenne kein einziges Projekt aus dieser Zeit, welches „von den Dimensionen her an den Schwachsinn dieser Energiewende auch nur annähernd heranreichen würde“. Das Chaos der Stromversorgung beweise das Fehlen jeglicher Vernunft, mithin sei auch der Begriff „Planwirtschaft“ fehl am Platz. So kann man das auch sehen.

Natürlich hat Altmaier in der Haushaltswoche nur die kleine Bühne gehabt. Die große stand wieder einmal in Brüssel und gehörte Wolfgang Schäuble und Angela Merkel, die sich Nächte mit Griechenhilfe und EU-Finanzrahmen um die Ohren schlugen. So langsam lässt dabei nicht etwa die Geduld mit den immer teureren Griechen nach oder mit den Franzosen, die mit aller Macht um die Agrarsubventionen ihrer Bauern kämpfen. Nein, die Geduld verliert man - Schuldenkrise hin, Schuldenkrise her - ausgerechnet mit den sparwilligen Briten. Vielleicht ja, weil sie unvorsichtigerweise vorgeschlagen haben, bei den EU-Beamten zu kürzen und deren Pensionsalter von 63 auf 68 Jahren anzuheben. Ob man die Briten wohl im Boot halten könne, wollte ein Journalist von Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker wissen. Dessen kühle Antwort: „Die können schwimmen.“

Es geht also weiter zur Sache in der EU, Ende offen, Rechnung auch. Niemand könne mit Sicherheit vorhersagen, was in Europa noch nötig sei, mit diesen Worten hat der Bundesfinanzminister seine Haushaltsrede beendet. Ihm soll niemand mehr vorwerfen können, etwas versprochen zu haben, was sich nicht halten lässt. Schon Montag wird Schäuble weiter über die Griechen-Milliarden verhandeln. Das hat die Regierungsfraktionen nicht daran gehindert, dem Haushaltsgesetz für 2013 schon mal zuzustimmen. Notfalls steht der Abgeordnete gern Stand-by und macht in der Weihnachtspause schnell ein neues Gesetz. Leerlaufverluste waren im Parlament schließlich noch nie ein Thema.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Draghi bei Merkel EZB will Anleihekäufe nationalen Notenbanken überlassen

Das Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank für Staatsanleihen nimmt Gestalt an: Laut einem Medienbericht hat EZB-Präsident Mario Draghi der deutschen Kanzlerin seine Überlegungen dazu vorgestellt. Mehr

17.01.2015, 12:55 Uhr | Wirtschaft
Griechenland-Wahl Merkel bestärkt Rückhalt für Griechen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat kurz vor den anstehenden Wahlen in Griechenland dem Land ihren Rückhalt zugesagt: Unsere ganze Politik ist darauf gerichtet, dass Griechenland ein Teil des Euroraumes ist. Das werde auch so bleiben. Mehr

19.01.2015, 16:08 Uhr | Politik
Schlaufuchs Stromsparen kostet Pfälzer fast das Leben

Der Ölpreis gibt schneller nach als der Strompreis. Also macht man Strom mit Diesel, oder? Das kann gewaltig schiefgehen. Mehr

23.01.2015, 06:46 Uhr | Wirtschaft
Energiewende Bayern entwickeln Windkraftanlage für zu Hause

Eine Firma aus Unterhachingen will die Energiewende in den eigenen Garten bringen. Sie entwickelt Kleinwindanlagen, die auch von Privathaushalten genutzt werden können. Mehr

11.11.2014, 10:58 Uhr | Aktuell
Syriza-Chef Alexis Tsipras Der Populist meidet antieuropäische Töne

Alexis Tsipras bemüht sich, den übergroßen Erwartungen entgegenzuwirken, die er selbst geschürt hat. Der Syriza-Chef meidet Angriffe auf Brüsseler Eurokraten. Ihm reichen Berlin, Angela Merkel und Wolfgang Schäuble als Ersatzfeinde. Mehr Von Michael Martens, Athen

26.01.2015, 08:53 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.11.2012, 12:17 Uhr

Alternative AfD?

Von Heike Göbel

Wie viel Marktwirtschaft steckt in der AfD? Eine klare Antwort gibt es noch nicht. Aber ein ernstzunehmendes Angebot kann dem politischen Wettbewerb nur gut tun. Mehr 83 176


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.