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Auf einen Espresso : Immer zuständig

Bild: F.A.Z.

Von der Rentenversicherung Lernen heißt ... naja. Vielleicht auch nicht.

          Mit den Zuständigkeiten ist es ja so eine Sache. Wer macht das, wer macht was? – darüber kann man sich schön zerstreiten. Beim Maschinenbauer Grohmann in der Eifel zum Beispiel: Wer liefert an Tesla? (Jetzt fast alle.) Wer darf noch die BMW- und VW-Verträge abarbeiten? (Kaum noch jemand.) Gut, wenn ausgerechnet die Bürokratie einmal mit gutem Beispiel vorangeht und die Zuständigkeiten ganz einfach regelt.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Wir haben in letzter Zeit gelegentlich Briefkontakt mit der Deutschen Rentenversicherung, als Frankfurter natürlich mit der Deutschen Rentenversicherung Hessen. Sie finden „Deutsche Rentenversicherung Hessen“ klingt komisch? Macht nix, immerhin sind die Zuständigkeiten klar. Die Deutsche Rentenversicherung Hessen ist nicht für Nordrhein-Westfalen zuständig. Dafür kann sie in Hessen den vollen Service bieten. Sehen Sie: Wer das Formular V0820 hinschickt, bekommt schon nach wenigen Wochen die Formulare V0800 und V0805 zurückgeschickt, um die ebenfalls auszufüllen. Auf denen wird zwar ungefähr das Gleiche erfragt, wir haben jetzt zum Beispiel allein insgesamt zehn Mal die zwölfstellige Sozialversicherungsnummer eingetragen – aber wir sagen voller Stolz: Die Deutsche Rentenversicherung kümmert sich fürsorglich um ihre Hessen!

          Und warum funktioniert das so gut? Vielleicht wegen der schlanken Verwaltung. Wir kommunizieren bei der Deutschen Rentenversicherung Hessen mit der Abteilung „Versicherung und Rente“. Das ist super. Wenn eine Abteilung so heißt, können Zuständigkeitsfragen erst gar nicht auftreten. Die Abteilung „Versicherung und Rente“ muss bei der Rentenversicherung praktisch immer zuständig sein. Wir könnten das vielleicht nachmachen. Beim Bäcker zum Beispiel: eine Abteilung „Backen und Verkaufen“. Das sorgt für eine schlanke Organisation und spart Abteilungsleiter-Stellen. Oder Volkswagen. Da liegt einiges im Argen. Nicht mal der Golf ist noch meistverkauftes Auto in Europa. Also umorganisieren: Wer braucht ungezählte Tochterfirmen und Entwicklungsabteilungen? Künftig gibt es eine, die heißt „Das Auto“.

          Von der Verwaltung lernen!

          Halt, wir haben gerade aufs Organigramm geguckt. Die Rentenversicherung hat doch noch andere Abteilungen als „Rente und Versicherung“. Sie heißen: „Prüfdienste“, „Informationstechnik“, „Direktion“ oder „Verwaltung“. So also muss Volkswagen das machen! Eine Abteilung „Das Auto“, eine „Rechtsfragen“, am besten gleich noch eine für „Prozesse“, eine für „politische Vertretung“, eine für „Software-Entwicklung“ – von der Verwaltung zu lernen, das ist unser Erfolgsrezept!

          Und was hat das mit Baden-Württemberg zu tun? Dafür ist die Deutsche Rentenversicherung Hessen doch gar nicht zuständig! Macht nix, in Baden-Württemberg waren auch Organisationskönige am Werk. Die waren drauf und dran, die Schulabteilungen „Gymnasium“, und „Realschule“ und „Werkrealschule“ zur Schuleinheitsabteilung „Gesamtschule“ zu fusionieren. Keine lästigen Fragen mehr, wer für welches Kind zuständig ist. Blöd nur, dass dann auch niemand mehr für Leistung zuständig war. Im Ländervergleich ist Baden-Württemberg jedenfalls aus der Spitzengruppe auf Platz 14 und 13 zurückgefallen, beim Lesen und beim Zuhören. Die neue Ministerin hat jetzt alle Hände voll zu tun, das Ganze umzuorganisieren.

          „Und wo bleibt das Gute?“, fragen Sie zu Recht. Keine Sorge: Das Gute ist da! Wir machen jetzt vielleicht eine kleine Serie auf: „Berufe, in denen es an Leuten mangelt.“ Die Postzusteller waren schon dran, heute sind es die Fahrlehrer. Hätten Sie gedacht, dass es an Fahrlehrern fehlt? Sehen Sie, und dann haben wir noch eine schöne Nachricht für Sie, aus dem neuen Buch von Yuval Noah Harari: „Zum ersten Mal in der Geschichte sterben heute mehr Menschen daran, dass sie zu viel essen als zu wenig; mehr Menschen sterben an Altersschwäche als an Infektionskrankheiten; es gibt mehr Selbstmorde als Tötungen durch Soldaten, Terroristen und Kriminellen zusammen. Im frühen einundzwanzigsten Jahrhundert überfrisst sich der durchschnittliche Mensch eher bei McDonald’s, als an einer Hungersnot, Ebola oder einem Al-Qaida-Angriff zu sterben.“

          Quelle: F.A.Z.

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