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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Auf einen Espresso Im Wein liegt Wahrheit

 ·  Der Weinjahrgang 2011 ist gut. Doch beklagen manche Winzer Hagelschäden. Davon können auch die Banken ein Lied singen - und jetzt könnte der Staatstrojaner sogar noch zur Kleinen Reblaus werden.

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Die zum Teil extreme Witterung im Verlauf des Jahres hat am Ende offenbar einen überdurchschnittlichen Wein hervorgebracht. Nachdem die Lese jetzt beendet ist, berichtet die Branche von hoher Qualität in sämtlichen Sorten bei einer durchschnittlichen Erntemenge. Einzelne Winzer leiden allerdings unter Frost- und Hagelschäden.

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Apropos Hagelschaden: Die Investmentbank Goldman Sachs verliert fast 400 Millionen Dollar. Das ist bemerkenswert, denn es ist erst der zweite Quartalsverlust seit dem Börsengang Ende der neunziger Jahre. Die Bank leidet unter der Zurückhaltung von Firmenkunden und Investoren.

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Abgesehen davon seien Temperaturen und Niederschlag über das Jahr hinweg fast ideal gewesen, sagte der Präsident des deutschen Weinbauverbands. Trotz der Nässe im August seien die Trauben gesund. Nach der beklagenswert geringen Ernte des Vorjahres von nur 7 Millionen Hektoliter wurde jetzt wieder der langjährige Durchschnitt von 9 Millionen Hektoliter erreicht. Die Freude über die Ernte wird freilich getrübt durch zum Teil verheerende Witterungsschäden in einigen Regionen.

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Apropos Witterungsschaden: Die Idee, Banken nach ihren Arbeitsbereichen zu trennen und riskante Teile mit mehr Eigenkapital zu unterlegen, findet in der deutschen Politik Anhänger, aber gewiss nicht unter den betroffenen Instituten: Solche Vorschläge gäben "interessante Ansätze für die internationale Diskussion zur Finanzmarktregulierung", sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Mit dem Vorsitzenden der CSU, Horst Seehofer, sprach sich auch der Chefpopulist der Regierungskoalition für die Trennung des Investmentbanking vom klassischen Bankgeschäft aus. Er befürworte eine "klare Trennung", sagte Seehofer. Für beide Bereiche sollten unterschiedlich scharfe Risiko- und Verhaltensregeln gelten. Liebe Banken, ihr habt nach der Krise von 2008 einfach zu wenig Vorsorge vor schlechtem politischen Wetter getroffen.

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Vor allem in Franken und in Württemberg wurde durch Frost Anfang Mai und Hagel im Sommer ein großer Teil der Ernte vernichtet. Einzelne Betriebe haben 80 bis 100 Prozent ihrer Ernte verloren. Das trifft vor allem kleinere Winzer hart.

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Apropos kleine Leute: Zehntausende demonstrieren in Athen gegen die Sparpolitik. Manche Gewalt überdeckt aber, dass die Mehrheit der Griechen gegen die Proteste ist - und richtig gestreikt hat in Athen vor allem die Abwehr von Borussia Dortmund, die nicht hoch genug gesprungen ist.

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Nun wollen wir die reizvollen Vergleiche mit dem Weinjahrgang 2011 nicht auf die Spitze treiben. Obwohl: So ein Staatstrojaner ist fast wie eine Kleine Reblaus. Und Bundeskriminalamt und Zoll geben sich so wie ein Winzer, der von einem solchen Schädling noch nie gehört hat. Wie bekannt wurde, haben sie den Quellcode des Trojaners nie gesehen, also auch keine Kontrolle über die Software. Die beteiligten Ministerien bestreiten es zwar, gleichwohl ist dies das Fazit einer Befragung der Bundesregierung zum Thema Staatstrojaner. Denn sowohl das Innenministerium als auch das für den Zoll zuständige Finanzministerium haben bei der Befragung eingestanden, dass sie den Quellcode des Staatstrojaners nicht kennen.

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Erstaunlich ist, dass das Thema Staatstrojaner nicht noch für eine viel größere Aufregung sorgt. Seine Existenz in der entdeckten, illegalen Form ist verwerflich genug. Dass die zuständigen Behörden aber zudem keine rechte Ahnung von der Technik zu haben scheinten, ist ebenso bedrückend. Ob gegen dieses Gefühl der Bedrückung aber Wein noch hilft?

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Zu einem guten Wein sollten sich hingegen die Ministerinnen zusammensetzen, die sich für die Einführung von Frauenquoten in der Wirtschaft zuständig fühlen. Der Zickenkrieg unter Kristina Schröder (CDU, wohl zuständig und für eine freiwillige Verpflichtung der Wirtschaft mit Sanktionsandrohung), Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP, allein zuständig, gegen Quote und irgendwelche Sanktionen) sowie Ursula von der Leyen (CDU, auch zuständig, für die Quote) trägt jedenfalls nicht dazu bei, das Vertrauen in eine Frauenquote in der Politik zu stärken. Sollte das zu grob vereinfacht sein, bitte ich um Entschuldigung, so sind die Männer.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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