Home
http://www.faz.net/-gqe-74edh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Auf einen Espresso Im Grundton positiv

Das ist doch mal ein Motto, mit dem man locker durch die ganze Woche kommt!

© F.A.Z. Vergrößern

Das ist doch mal ein Motto, mit dem man locker durch die ganze Woche kommt! „Im Grundton positiv“ sei der Bericht der Troika-Kontrolleure über Griechenlands Sanierungsfortschritte ausgefallen, vermerkte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker Anfang der Woche. Was für ein Satz! Der ist freundlich formuliert, ärgert niemanden und vermeidet jeden Tadel, der die Griechen demotivieren könnte. Gleichzeitig weiß jeder selbst, was dann wohl der Oberton in jenem Bericht ist.

Patrick Bernau Folgen:

In Amerika ist ja auch der Grundton positiv. Zum Jahresanfang treten einige Steuererhöhungen in Kraft, die schon vor Jahren beschlossen worden sind, und gleichzeitig spart sich der Staat ebenso automatisch einige Ausgaben. Da hatten die Amerikaner sich schon vor einigen Jahren geeinigt, dieses Mal aber wirklich automatisch ihre Neuverschuldung abzubauen. Und jetzt hat wieder alle Welt Angst davor, dass dann die Rezession kommt. Also trifft sich Präsident Obama mit dem Republikaner John Boehner, um einen Kompromiss zu finden, mit dem die Haushaltskonsolidierung wieder einmal aufgeschoben werden kann. Aber wir hören auch den Grundton: In einigen Wochen werden sie sich natürlich auf irgendetwas einigen, und die Weltwirtschaft wird doch nicht von der „fiskalischen Klippe“ in den Abgrund stürzen.

Was ist der Grundton?

Denn, liebe Musikkenner und Leserbriefschreiber, wir wissen ja, was Grundton und Oberton sind. Das heißt: Wir haben gerade mal nachgeguckt. Und lernen: Wenn ein Ton erklingt, dann macht der Grundton die eigentliche Tonhöhe aus. Dazu kommen die Obertöne, und die bestimmen mehr die Klangfarbe. Denken wir an Junckers Zitat zurück: Dann wäre das Positive vermutlich eher der Oberton, also die Klangfarbe. Und der Grundton eher das Negative. Aber es gab diese Woche so viel Dissonanz in der Welt, da erheben wir zur Erholung einfach trotzdem Jean-Claude Junckers Zitat zum Satz der Woche: Glauben Sie uns, der Grundton ist positiv.

Beim Zahnarzt zum Beispiel. Der Grundton war positiv, doch, sicher. Mit Ihren Zähnen ist alles in Ordnung. Aber kommen Sie doch bitte in spätestens vier Wochen wieder.

Und wie schaffen wir jetzt die Überleitung zu Märklin?

Die Griechen sind schon nächste Woche wieder dran. Dann suchen die öffentlichen Geldgeber einen Weg, Griechenlands Schulden „tragfähig“ zu machen - im Grundton: Griechenland irgendwie Geld zukommen zu lassen. Vielleicht kommt ein zweiter Schuldenschnitt. Aber Finanzminister Schäuble möchte nicht, dass Kredite ohne Rückzahlung bleiben. Darum schenkt er Griechenland lieber neues Geld. Das meint er ernst. Und gleichzeitig macht er den Vorschlag, die Zinsen der Griechen zu senken. Er wolle sich an Griechenlands Problemen nicht bereichern, sagt er. Kein Problem: Dank des Geschenketricks kann er ja immerhin noch im Oberton behaupten, an den Griechenland-Krediten sei kein Risiko.

Und wie schaffen wir jetzt eine Überleitung zu Märklin? Märklin hat doch so gar nichts mit Griechenland zu tun. Märklin war nämlich vor gar nicht so langer Zeit insolvent, wenn Sie sich erinnern. Da geht es der Firma ja ganz anders als Griechenland.

Misstöne in der Musikindustrie

Aber jetzt ist Märklins Grundton wieder positiv. Die Modellloks haben rechtzeitig vor Weihnachten ein neues Depot gefunden: Die Simba Dickie Group will Märklin kaufen. Von Simba stammen Kassenschlager wie das Bobby-Car, der Hello-Kitty-Plastiktisch und die Filly- Pferde, die die Eltern von siebenjährigen Mädchen zur Genüge kennen. Wahrscheinlich ist: Simba hat das Zeug, Modelleisenbahnen wieder massentauglich zu machen. Welcher Grundton dann bei den alten Märklin-Sammlern vorherrscht, das ist dann eine andere Frage.

In der Musikindustrie dürfte es dagegen an diesem Wochenende den einen oder anderen Misston geben. Immerhin hat der Bundesgerichtshof geurteilt, dass Eltern nicht für die Raubkopien ihrer Kinder haften. Hauptsache: Die Eltern haben mal erwähnt, dass Raubkopien verboten sind.

Gönnen Sie sich Ihren positiven Grundton

Genießen Sie also das Wochenende. Das Gericht eröffnet da völlig neue Wege: Leihen Sie sich von Ihren Kindern die eine oder andere MP3-Datei aus. Und gönnen Sie sich Ihren persönlichen positiven Grundton.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Reformverhandlungen Drei schlechte Szenarien für Griechenland

Ein besseres Klima, aber keine Fortschritte: So beschreiben die Reformkontrolleure der Troika die Verhandlungen mit Griechenland. Jetzt richten sie sich offenbar auf drei Varianten des Scheiterns ein. Mehr

11.05.2015, 07:04 Uhr | Wirtschaft
Nach Parlamentswahl EU will mit Griechen zusammenarbeiten

Nach dem Wahlsieg des linken Bündnisses Syriza in Griechenland hat der EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker erklärt, er sei zu einer Zusammenarbeit mit der neuen griechischen Regierung bereit. Der Vorsitzende der Euro-Gruppe Jeroen Dijsselbloem betonte, dass die Griechen sich dabei an Abmachungen halten müssen. Mehr

26.01.2015, 16:25 Uhr | Politik
Eurogruppentreffen in Brüssel Es wird sehr schwierig

Die Euro-Finanzminister sitzen nun wieder in Brüssel zusammen und beraten über Griechenlands Schuldenprobleme. Athen hat derweil die für Dienstag anstehende Schuldenrate an den Internationalen Währungsfonds überwiesen. Mehr

11.05.2015, 15:26 Uhr | Wirtschaft
Griechenlands Schulden Juncker sieht keine rasche Einigung mit Partnern

Der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker glaubt im Gegensatz zum griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras nicht, dass es eine schnelle Einigung mit den europäischen Partnern geben werde: Griechenland darf nicht davon ausgehen, [...] dass die Euro-Zone ohne Abstriche das Regierungsprogramm von Tsipras übernehmen würde - oder gar könnte. Mehr

09.02.2015, 14:00 Uhr | Politik
Syriza-Sprecher droht Dann werden sie kein Geld bekommen

Am 5. Juni muss Griechenland die nächste Kredittranche an den Internationalen Währungsfonds zurückzahlen. Wieder macht die Regierungspartei Druck: ohne eine Einigung mit den Gläubigern reiche das Geld nicht aus. Mehr

20.05.2015, 10:39 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 16.11.2012, 15:20 Uhr

Gegen den Faustkampf

Von Joachim Jahn, Berlin

Im aktuellen Streik-Wirwarr wird eines immer wieder vergessen: Eine Arbeitsniederlegung darf nur das äußerste Mittel sein, weil sie schließlich ein massenhafter – wenngleich legaler – Bruch des Arbeitsvertrags ist. Mehr 11 9


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden