Home
http://www.faz.net/-gqe-7756x
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Auf einen Espresso Hasso und der Märchenpeter

Wenn man die Dinge gar nicht mehr fassen kann, hilft stets das Online-Lexikon Wikipedia: Zum Beispiel dann, wenn der Umweltminister von einer Billion redet.

Wenn man die Dinge gar nicht mehr fassen kann, hilft stets das Online-Lexikon Wikipedia: Der Zahlen-Name Billion, so liest man dort, stehe im deutschen Sprachgebrauch für die Zahl 1000 Milliarden oder 1 000 000 000 000 = 1012, also im Dezimalsystem für eine Eins mit 12 Nullen.

Carsten Knop Folgen:      

Das ist gut zu wissen, weil man in dieser Zeitung lesen konnte, dass die Energiewende in Deutschland nach der Ansicht von Umweltminister Peter Altmaier (CDU) bis zu einer solchen Billion Euro kosten könne. Ein zentrales Kostenrisiko seien ungebremste Ausgaben für den Ökostrom: „Das alles kann dazu führen, dass sich die Kosten der Energiewende und des Umbaus der Energieversorgung bis Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts auf rund eine Billion Euro summieren könnten.“ O weh.

Aber nicht jeder konnte oder wollte diese Rechnung in den Tagen danach nachvollziehen, manchen wurde von der hohen Zahl geradezu schwindelig; schnell hatte Altmaier den Titel „Märchenpeter“ weg. Damit hatte man zwar die schockierende Billionenzahl verniedlicht. Aber an der Tatsache, dass auf den Stromkunden im Zusammenhang mit der Energiewende eine verdammt hohe Rechnung zukommt, ändert sich dadurch nichts.

Mit den Zahlen ist es stets so eine Sache. Denn auch diese Nachricht hat in den vergangenen Tagen für Aufsehen gesorgt: Der SAP-Mitgründer Hasso Plattner sei der Spendeninitiative „The Giving Pledge“ von Warren Buffett und Bill Gates beigetreten, hieß es. Deshalb werde er die Hälfte seines auf 5,4 - nein, nicht Billionen, wohl aber Milliarden Euro geschätzten Vermögens spenden. Der Verein veröffentlichte auf seiner Website sogar einen Brief mit Plattners Unterschrift.

Doch das Dementi folgte nur wenige Stunden später: Er habe schon vor 20 Jahren seine eigene Förderstiftung gegründet und seitdem über eine Milliarde Euro für gute Zwecke ausgegeben, sagte Plattner. Er werde „nicht zu Lebzeiten“ mehr als 50 Prozent seines Aktienbesitzes am SAP-Konzern stiften. Später vielleicht, wer weiß: „Sollen doch alle schreiben, dass ich Mitglied bei dem Verein bin, meinetwegen“, polterte Plattner munter weiter. „Aber ich weiß, dass ich die Bedingungen dafür nicht erfülle. Den Rest muss Gates erklären.“ Jeder blamiert sich so gut, wie er kann. Es ist ein Kreuz mit dem vielen Geld, selbst für Milliardäre, die Gutes tun wollen. Einerseits sucht man gerne den Rat dieser Erfolgsmenschen, aber in eigenen Angelegenheiten stellen sie sich oft unglaublich tapsig an.

Zudem: Was sind schon Milliarden? Die Lufthansa jedenfalls setzt trotz eines Gewinns von knapp einer Milliarde Euro ihren angekündigten Sparkurs fort: Die Fluggesellschaft will zwei Standorte in Deutschland schließen. Die Lufthansa-Aktionäre müssen außerdem auf eine Dividende verzichten.

Das hat in und um Köln für einige schlechte Stimmung gesorgt. Noch schlechter geht es aber immer: Denn mit herablassenden Äußerungen über die Arbeitsmoral der Franzosen hat ein amerikanischer Vorstandsvorsitzender in Frankreich für Empörung gesorgt. Die Zeitung „Les Echos“ veröffentlichte einen Brief von Maurice Taylor, dem Chef des amerikanischen Reifenherstellers Titan. Darin macht er sich über die „sogenannten Arbeiter“ in einem französischen Reifenwerk lustig, die höchstens drei Stunden am Tag arbeiteten.

Gerichtet ist der Brief an Frankreichs Industrieminister Arnaud Montebourg, der Titan gebeten hatte, das von der Schließung bedrohte Reifenwerk des amerikanischen Konzerns Goodyear im nordfranzösischen Amiens zu übernehmen. Taylor schickte dem Minister eine barsche Absage: „Was glauben Sie eigentlich, wie dumm wir sind?“ Dem französischen Reifenhersteller Michelin prophezeit Taylor, in fünf Jahren keine Reifen mehr in Frankreich herstellen zu können. So kann es gehen: Geld haben ist das eine, mit einem Unternehmen Geld verdienen das andere. Und da sind dann plötzlich ganz andere Einheiten wichtig als Billionen und Milliarden.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wegen Aktienhausse Schanghais Börse gehen die Nullen aus

Die Börse in Schanghai hat ein Problem: Das hohe Handelsvolumen kann zahlenmäßig nicht mehr angezeigt werden. Die Software war dafür nicht vorgesehen. Mehr

20.04.2015, 13:58 Uhr | Finanzen
Reichster Mensch der Welt Bill Gates: Drei Milliarden Euro reicher

Er ist es schon wieder: Bill Gates ist zum wiederholten Mal vom amerikanischen Forbes-Magazin zum reichsten Mensch der Erde gekürt worden. Laut Forbes-Magazin steigt die Zahl der Superreichen weltweit – Deutschland ist dabei das Land mit den drittmeisten Milliardären. Mehr

03.03.2015, 17:04 Uhr | Gesellschaft
Neue Handelswege nach Europa Überweist Peking bald Milliarden an Griechenland?

China greift laut einem Bericht in seinen Schatz an Währungsreserven und will mit 62 Milliarden Dollar chinesischen Konzernen Handelswege aus dem Reich der Mitte in die Welt bauen. Auch Griechenland könnte einen Teil abbekommen. Mehr Von Hendrik Ankenbrand, Schanghai

21.04.2015, 07:31 Uhr | Wirtschaft
Energiewende Wieviel kostet sie wirklich?

Um den Strom aus den neuen Offshore-Windparks von Nord nach Süd zu transportieren, sind gewaltige Investitionen nötig – bis zu 4500 Kilometer Stromnetze müssen gebaut werden, geschätzte Kosten: rund 28 Milliarden Euro. Mehr

05.03.2015, 10:03 Uhr | Wirtschaft
Für 15,6 Milliarden Euro Nokia übernimmt Alcatel

Unter den Netzwerkausrüstern werden die Karten neu gemischt: Nokia bietet für Alcatel-Lucent mehr als 15 Milliarden Euro. Auch der Alcatel-Chef ist für den Zusammenschluss. Mehr

15.04.2015, 08:13 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 22.02.2013, 15:10 Uhr

Wolfsburgunfrieden

Von Holger Appel

Hat Ferdinand Piëch den von ihm selbst angezettelten Machtkampf bei VW tatsächlich verloren? Bei dem genialen Schachspieler kann man nie sicher sein. Mehr 23 15


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden