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Auf einen Espresso Hasso und der Märchenpeter

 ·  Wenn man die Dinge gar nicht mehr fassen kann, hilft stets das Online-Lexikon Wikipedia: Zum Beispiel dann, wenn der Umweltminister von einer Billion redet.

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Wenn man die Dinge gar nicht mehr fassen kann, hilft stets das Online-Lexikon Wikipedia: Der Zahlen-Name Billion, so liest man dort, stehe im deutschen Sprachgebrauch für die Zahl 1000 Milliarden oder 1 000 000 000 000 = 1012, also im Dezimalsystem für eine Eins mit 12 Nullen.

Das ist gut zu wissen, weil man in dieser Zeitung lesen konnte, dass die Energiewende in Deutschland nach der Ansicht von Umweltminister Peter Altmaier (CDU) bis zu einer solchen Billion Euro kosten könne. Ein zentrales Kostenrisiko seien ungebremste Ausgaben für den Ökostrom: „Das alles kann dazu führen, dass sich die Kosten der Energiewende und des Umbaus der Energieversorgung bis Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts auf rund eine Billion Euro summieren könnten.“ O weh.

Aber nicht jeder konnte oder wollte diese Rechnung in den Tagen danach nachvollziehen, manchen wurde von der hohen Zahl geradezu schwindelig; schnell hatte Altmaier den Titel „Märchenpeter“ weg. Damit hatte man zwar die schockierende Billionenzahl verniedlicht. Aber an der Tatsache, dass auf den Stromkunden im Zusammenhang mit der Energiewende eine verdammt hohe Rechnung zukommt, ändert sich dadurch nichts.

Mit den Zahlen ist es stets so eine Sache. Denn auch diese Nachricht hat in den vergangenen Tagen für Aufsehen gesorgt: Der SAP-Mitgründer Hasso Plattner sei der Spendeninitiative „The Giving Pledge“ von Warren Buffett und Bill Gates beigetreten, hieß es. Deshalb werde er die Hälfte seines auf 5,4 - nein, nicht Billionen, wohl aber Milliarden Euro geschätzten Vermögens spenden. Der Verein veröffentlichte auf seiner Website sogar einen Brief mit Plattners Unterschrift.

Doch das Dementi folgte nur wenige Stunden später: Er habe schon vor 20 Jahren seine eigene Förderstiftung gegründet und seitdem über eine Milliarde Euro für gute Zwecke ausgegeben, sagte Plattner. Er werde „nicht zu Lebzeiten“ mehr als 50 Prozent seines Aktienbesitzes am SAP-Konzern stiften. Später vielleicht, wer weiß: „Sollen doch alle schreiben, dass ich Mitglied bei dem Verein bin, meinetwegen“, polterte Plattner munter weiter. „Aber ich weiß, dass ich die Bedingungen dafür nicht erfülle. Den Rest muss Gates erklären.“ Jeder blamiert sich so gut, wie er kann. Es ist ein Kreuz mit dem vielen Geld, selbst für Milliardäre, die Gutes tun wollen. Einerseits sucht man gerne den Rat dieser Erfolgsmenschen, aber in eigenen Angelegenheiten stellen sie sich oft unglaublich tapsig an.

Zudem: Was sind schon Milliarden? Die Lufthansa jedenfalls setzt trotz eines Gewinns von knapp einer Milliarde Euro ihren angekündigten Sparkurs fort: Die Fluggesellschaft will zwei Standorte in Deutschland schließen. Die Lufthansa-Aktionäre müssen außerdem auf eine Dividende verzichten.

Das hat in und um Köln für einige schlechte Stimmung gesorgt. Noch schlechter geht es aber immer: Denn mit herablassenden Äußerungen über die Arbeitsmoral der Franzosen hat ein amerikanischer Vorstandsvorsitzender in Frankreich für Empörung gesorgt. Die Zeitung „Les Echos“ veröffentlichte einen Brief von Maurice Taylor, dem Chef des amerikanischen Reifenherstellers Titan. Darin macht er sich über die „sogenannten Arbeiter“ in einem französischen Reifenwerk lustig, die höchstens drei Stunden am Tag arbeiteten.

Gerichtet ist der Brief an Frankreichs Industrieminister Arnaud Montebourg, der Titan gebeten hatte, das von der Schließung bedrohte Reifenwerk des amerikanischen Konzerns Goodyear im nordfranzösischen Amiens zu übernehmen. Taylor schickte dem Minister eine barsche Absage: „Was glauben Sie eigentlich, wie dumm wir sind?“ Dem französischen Reifenhersteller Michelin prophezeit Taylor, in fünf Jahren keine Reifen mehr in Frankreich herstellen zu können. So kann es gehen: Geld haben ist das eine, mit einem Unternehmen Geld verdienen das andere. Und da sind dann plötzlich ganz andere Einheiten wichtig als Billionen und Milliarden.

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