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Veröffentlicht: 26.10.2012, 17:17 Uhr

Auf einen Espresso Gold kann man nicht essen

In den vergangenen Monaten ist so viel vom Gold die Rede, dass sogar schon die Tochter im Grundschulalter nervös wird. Vielleicht sollten wir Deutschen etwas gelassener werden.

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In den vergangenen Monaten ist so viel vom Gold die Rede, dass sogar schon die Tochter im Grundschulalter nervös wird: „Papa“, fragte sie in dieser Woche, „warum müssen wir das Gold aus Amerika zurückholen? Warum will die Bundesbank das Gold einschmelzen? Wo findet man überhaupt Gold?“ Wenn das eine Sorge unserer Kinder wird, läuft irgendetwas gewaltig falsch.

Carsten Knop Folgen:

Könnte es sein, dass wir Deutsche uns mit Blick auf diese Gold-Frage doch etwas zu verrückt machen? Wie lange würde uns das Gold überhaupt über Wasser halten, wenn alles zusammenbricht? Gesundes Misstrauen gegenüber den Währungspolitikern und internationalen Notenbankern ist gewiss angebracht, aber man sollte es ab einer bestimmten Grenze auch nicht übertreiben - so wie man der Tochter nicht die Hoffnung auf eine gute Zukunft nehmen sollte, die ihre Generation zum größten Teil noch immer selbst in der Hand hat, aller staatlichen und privaten Verschuldung zum Trotz.

Ich finde es toll, dass wir in Spanien mit dem Euro bezahlen können“, hat sie neulich auch gesagt: Kindermund tut Wahrheit kund. Unsere Antwort auf ihren Lösungsvorschlag für alle Probleme, nämlich einfach mehr Geld zu drucken, hat sie allerdings auch verstanden: Sie weiß jetzt mit sieben Jahren, was Inflation ist. Wenn allerdings schon Kinder auf den Kern aller bisherigen Lösungsideen für die Euro-Krise stoßen, sollte das den Notenbankern ebenfalls zu denken geben. Mario Draghi hat natürlich geschickt den Spieß umgedreht und in Berlin vom Gegenteil der Inflation, also dem Preisverfall in den Euro-Krisenländern gesprochen. Die Realität lässt sich halt stets von vielen Seiten beleuchten, aber das versteht schon nicht mehr jedes Kind.

Ausgangspunkt der Fragen war ja auch, dass nun in den kommenden drei Jahren tatsächlich jeweils rund 50 Tonnen Gold heimgeholt werden. Dies sei vertretbar, um bei den Skeptikern um Vertrauen zu werben, heißt es aus der Bundesbank, weil es sich um geringe Mengen handele. Die 150 Tonnen Gold sollen nach der Rückführung eingeschmolzen werden, um sie in einen besser handelbaren Barrenstandard überführen zu können. Dabei lasse sich dann auch der Feingehalt exakt ermitteln. Und grundsätzlich sei es weiterhin sinnvoll, das Gold dort zu lagern, wo es im Fall der Fälle als Devisenreserve benötigt würde: in Amerika, um Dollar zu erhalten, und in London, um an Pfund zu kommen.

So viel zum Gold - hoffen wir, dass wir es im Wortsinne nie „brauchen“ werden. Essen kann man es ja sowieso nicht, wo aber findet man es? Beantworten wir diese Frage im übertragenen Sinne: Denn auf die Dauer flüssiger ist man zum Beispiel mit schwarzem Gold, also mit Öl. Das weiß auch der russische Präsident, dem es in dieser Woche gelungen ist, einen wichtigen Teil der Privatisierungen nach dem Zusammenbruch des Kommunismus rückgängig zu machen: Mit der Übernahme des Öl-Gemeinsachaftsunternehmens TNK-BP steigt das staatlich kontrollierte Unternehmen Rosneft zum größten börsennotierten Energieunternehmen Europas auf.

So stellt Wladimir Putin Weichen für die Zukunft. Das Öl wird er sich gerne in jeweils gültiger, harter europäischer Währung bezahlen lassen. Für unsere Kinder sind solche Nachrichten wichtiger als das Gezeter um Gold aus guten Zeiten der Vergangenheit. Überhaupt sollten die Deutschen weniger an die Sicherung und Umverteilung ihres schon erarbeiteten Vermögens zum Beispiel durch Renten und Steuern denken, sondern darüber diskutieren, wie wir es in Zukunft mehren können. Die globalisierte Welt wird jede Nachlässigkeit bestrafen. Die Dynamik, die die deutsche Wirtschaft zuletzt ausgezeichnet hat, ist kein Naturgesetz.

Das hat sich in dieser Woche auch an den Nachrichten aus der Automobilindustrie gezeigt. Die Krise in Europa führt zum Schwungverlust. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Ford die Produktion aus seinem Werk im belgischen Genk nach Spanien verlagern will. Wird Spanien in der Krise still und heimlich wieder wettbewerbsfähiger? Schön wäre es, schließlich will das Kind da ja auch weiter mit Euro bezahlen.

Quelle: F.A.Z.

 

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