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Risikoabsicherung

Auf einen Espresso Expeditionen ins Neuland

Haben Sie diese Woche schon Neuland betreten? Das sollten Sie mal ausprobieren, es liegt gerade schwer im Trend.

© F.A.Z. Vergrößern

Haben Sie diese Woche schon Neuland betreten? Das sollten Sie mal ausprobieren, es liegt gerade schwer im Trend. Barack Obama stellt sich auf ein Rednerpult vor dem Brandenburger Tor. Peer Steinbrück lotet die Umfrageregionen unter 25 Prozent aus. Und Angela Merkel, ja, die lernt das Internet kennen. Das Internet sei ja für alle Neuland, so sagte sie es auf der Pressekonferenz zum Besuch von Barack Obama über die amerikanische Schnüffelaffäre. Und die Internet-Welt kippte den Spottkübel aus. Schließlich gibt es das Internet schon 20 Jahre.

Patrick Bernau Folgen:

Der wahre Skandal ist ja, dass Angela Merkel eigentlich recht hat. Mit politischen Diskussionen über das Internet lassen sich keine Wahlen gewinnen, also bekommen sie keine Priorität. In Deutschland haken viele Leute die neue elektronische Welt pauschal als zu schlecht oder zu kompliziert ab. Deshalb herrscht hier so viel Angst vor der neuen Technik, dass die attraktiven Angebote in Amerika entstehen. Amerikas Geheimdienste freuen sich. Und die Deutschen lernen aus der Affäre, dass das Internet noch gefährlicher ist als gedacht. Und wenn es blöd läuft, halten sie sich in Zukunft noch weiter fern von diesem Neuland.

Einfach mehr davon!

Wie ist es mit Ihnen: Keine Lust auf Neuland? Schlechte Erfahrungen gemacht? Vielleicht machen es zu viele Deutsche wie Kristina Schröder. Die schreckt vor nichts zurück, vor allem wenn das Vorhaben aussichtslos erscheint. Am Donnerstag erst kündigte sie ein neues Experiment an, um die Deutschen zum Kinderkriegen zu bringen. Da haben Wissenschaftler ausgerechnet, dass der Staat den Familien schon mehr als 150 unterschiedliche staatliche Zuschüsse zahlt, die insgesamt mehr als 200 Milliarden Euro ausmachen. Die Geburtenzahlen sind trotzdem, wie sie sind. Doch Schröder verzagt nicht. Sie schlägt noch eine Kindergelderhöhung vor und noch mehr Steuererleichterungen. Wenn etwas nicht funktioniert: einfach mehr davon.

Einfach mehr davon: Das ist auch der Experimentierstil von Zypern. Ein Hilfspaket mit 10 Milliarden Euro hat das Land im April versprochen bekommen. Jetzt hat Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis einen Brief nach Brüssel geschrieben, in dem er um mehr Hilfe für seine größte Bank bittet. Aber auch dieses Experiment ist gescheitert, die anderen Europäer wollen einfach nicht zahlen.

Ach, diese Kälte in Europa! Die könnten die Zypern nicht nur in den Herzen vermuten, sondern auch in der Luft. Sie erinnern sich nach dieser heißen Woche noch ganz entfernt an den Mai? Damals war es in Westeuropa so kalt, dass selbst auf Korsika die Sauna dichter bevölkert war als der Strand. Doch offenbar war Europa mit diesem Wetter ziemlich isoliert. Die Überraschung kam am Donnerstagabend: Der Mai 2013 war, wenn man die ganze Welt betrachtet, der drittwärmste seit 1880. So wird nach und nach die ganze Welt zu Neuland.

Nur die Neue Welt mag kein Neuland mehr

Die Welt ändert sich ohnehin gewaltig. Brasilien, die Türkei - in immer mehr Ländern werden die Menschen unzufrieden. Dabei ging es in den jüngsten Proteststaaten bisher wirtschaftlich aufwärts. Werden die Mittelschichten in diesen Ländern so reich, dass sie Zeit und Luft haben für die Politik? Kommen Proteste international in Mode? Oder macht das Neuland der sozialen Netzwerke die Welt zu einem neuen Ort? Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

Nur die Amerikaner haben gerade genug von Expeditionen ins Unbekannte, die Neue Welt hat genug vom Neuland. Zumindest ihre Notenbank. Seit der Finanzkrise 2007 kauft sie immer wieder Staatsanleihen auf, weil sie ihre Zinsen gar nicht mehr weiter drücken kann. So ein massives Programm gab es in Amerika noch nie. Doch jetzt hat Notenbankpräsident Ben Bernanke - das Ende seiner Amtszeit vor Augen - den Ausstieg angekündigt. Die Aktionäre mögen das nicht. Wo es weniger Geld gibt, bleibt weniger Geld für sie. An den Börsen der Welt donnert es genauso wie in den vergangenen Nächten am Himmel Deutschlands.

Hoffen wir, dass es an der Börse so geht wie mit dem Wetter: Das Gewitter verschafft Luft zum Atmen, macht den Kopf kühl und erlaubt neue Gedanken. Nutzen Sie die neue Kühle, bleiben Sie neugierig! Schauen Sie heute mal in ein Ressort, das Sie sonst nicht lesen - und gucken Sie mal, was Sie dort finden. Viel Spaß!

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Quelle: F.A.Z.

 
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