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Auf einen Espresso : Endlich ehrlich

Bild: F.A.Z.

Was passiert, wenn man eine Babysitterin beschäftigen möchte. So richtig offiziell angemeldet.

          Skandal! Viele Minijobber bekommen keinen bezahlten Urlaub! Der Deutsche Gewerkschaftsbund ist schon ganz aufgeregt. Das ist besonders schlimm, findet die Gewerkschaft, denn: „Für rund fünf Millionen Menschen ist der Minijob die einzige Erwerbsquelle“, heißt es, „dabei geht es zum Beispiel um Arbeit auf Abruf, um 100-Euro-Jobs.“ Wir würden uns gerne mit aufregen, aber sind wir denn selbst besser? Gilt nicht: „Wer von euch ohne Sünde ist, der akzeptiere den ersten Steuerbescheid“?

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Wir haben das ausprobiert. Richtig ehrlich sein, die Gesetze beachten. Es gäbe da Geschichten zu erzählen. Wie Finanzbeamte reagieren, zum Beispiel, wenn man ihnen am Telefon erzählt, dass sie zu wenig Steuern berechnet haben: Nein, da ist der zuständige Sachbearbeiter gerade nicht zu sprechen. Und nachher auch nicht. Am besten rufe man gar nicht mehr an. Wenn man unbedingt wolle, könne man ja einen Brief schicken.

          Oder wenn der Dollar billig ist. Dann kann es passieren, dass die Amerika-Reise neben vielen Eindrücken auch einen Mehrjahresvorrat an Jeans und Elektronik abwirft. Stehen Sie dann mal am Samstagmorgen um 7 Uhr vor den Zöllnern am Flughafen, und erklären Sie denen, dass Sie jetzt den roten Ausgang nehmen wollen. Sie ernten einen sehenswerten Blick – als seien Sie gerade nicht aus New York gekommen, sondern direkt vom Saturn.

          Die Babysitterin passt aufs Baby auf – klingt einfach, oder?

          Nun ist die Amerika-Reise schon ein paar Jahre her, hinter dem Autor liegt jetzt eine Babypause, in der die Kollegen ihn, ganz ehrlich, hier an der Espressomaschine gerne vertreten haben. Was aber braucht der arbeitende junge Vater außer ganz viel Koffein? Richtig, einen Babysitter. Was für ein Glück, dass eine freundliche junge Bekannte gerade in der Ausbildung zur Erzieherin steckt. Baby und Babysitterin sind einander sympathisch, schnell sind sich alle handelseinig: Immer mal wieder, wenn die Eltern abends aus dem Haus wollen, passt die Babysitterin auf. Klingt einfach, oder?

          Steuern und Abgaben werden natürlich auch auf den Babysitter-Lohn fällig. Das ist kein Problem, die Minijob-Zentrale hat ein Formular, das ganz schnell auszufüllen ist. Vorausgesetzt, jeder Beteiligte vertieft sich eine halbe Stunde in die Voraussetzungen und Folgen der Befreiung von der Rentenversicherungspflicht.

          Jetzt aber kommt das Arbeitsrecht

          Lesen Sie noch mit? Glückwunsch, denn jetzt kommt das Arbeitsrecht. Und sehen Sie, die Juristen haben ganze Arbeit geleistet. Die Minijob-Zentrale hält einen Muster-Arbeitsvertrag vor, aber der scheidet gleich mal aus. Was trägt man da als „regelmäßige Arbeitszeit“ ein, wenn es doch gar keine regelmäßige Arbeitszeit gibt? Zum Glück haben wir die unendliche Weisheit des Internets! Dort findet sich ein „Mustervertrag über Teilzeitarbeit auf Abruf“. Der passt. Inklusive gesetzlicher Probezeit, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Mindesturlaub. Wie man den Urlaub rechnet, wenn es sowieso keine festen Arbeitstage gibt, das wissen wir noch nicht so genau. Sicher ist aber, dass wir jetzt einen eigenen Vertragsparagraphen haben, der Arbeitszeitkonto und Überstundenausgleich regelt.

          Besonders wichtig: Es ist schriftlich festgehalten, dass sich Babysitterin und Baby immer mindestens eine Stunde am Stück sehen. Ohne diese Regel griffe für die Babysitterin Paragraph 12 Absatz 1 Satz 4 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes: „Wenn die Dauer der täglichen Arbeitszeit nicht festgelegt ist, hat der Arbeitgeber die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers jeweils für mindestens drei aufeinander folgende Stunden in Anspruch zu nehmen.“

          Wahrscheinlich schicken nach dem Genuss dieses Espressos Anwälte in mehrseitigen Leserbriefen Anleitungen, wie es einfacher gegangen wäre. Aber bitte sehen Sie es uns nach: Wir wollten eine Babysitterin beschäftigen, keinen Juristen. Deshalb haben wir uns auch mal in Krabbelgruppen, Elterncafés und Babyturngruppen umgehört. Die meisten Eltern antworteten: „Wir haben unseren Babysitter nicht angemeldet.“ Na, so eine Überraschung. Lesen Sie noch mit, liebe Gewerkschafter?

          Quelle: F.A.Z.

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