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Auf einen Espresso Ein Hörnchen gone South

 ·  Das Eichhörnchen aus der Nähe von Hannover hat seine Rettung in dieser Woche nicht überlebt. Ob das den Südländern im Euro besser ergehen wird?

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Es war die gute Nachricht des Tages, jedenfalls für alle, die im Alltag auch ein Herz für (kleine) Tiere haben: Ein in der Nähe von Hannover in einem Gullydeckel eingeklemmtes Eichhörnchen konnte mit Hilfe der niedersächsischen Polizei, ein wenig Olivenöl, vor allem aber viel Geduld und angelegten Ohren befreit werden. Doch nur wenige Stunden später kam dann schon die Ernüchterung: Es gab für den Geretteten keine nachhaltige Rettung. Der kleine Nager ist gestorben. „Erwin“, von manchen auch „Gullyver“ genannt, hat die Strapazen seiner Rettung offenbar nicht vertragen.

Wir wollen an dieser Stelle, zumindest zunächst, auf Analogien zu Griechenland oder anderen angeschlagenen Euroländern verzichten. Das wäre selbst an der samstäglichen Espressobar zu billig. Immerhin hat die Polizei versichert, das Tier sei geschwächt, aber nicht verletzt gewesen. Doch, nun ja, verletzt fühlt sich so mancher Südeuropäer von uns Deutschen ja schon. Schließlich ist es gewiss eine Unverschämtheit, wie sehr wir uns zieren, noch mehr Geld noch schneller nach Süden zu schicken. Gone South ist in Amerika übrigens eine Redewendung, die nichts Gutes verheißt. Aber lassen wir auch das.

Bleiben wir aber beim Thema Verletzungen - jedenfalls im übertragenen Sinne. Hier nämlich erweisen sich die Italiener derzeit als Meister der Gekränktheit, hervorgerufen durch die Euro-Politik der Deutschen. Deshalb wird jetzt verbal zurückgekeilt. In Italien ist man schließlich stolz. Und gegenüber uns Deutschen kann kein Vergleich zu billig sein.

Den bisherigen Gipfel der Kampagne bildete nach der Beobachtung unseres Korrespondenten in Rom die Schlagzeile „Das Vierte Reich“ auf der Titelseite des „Giornale“. Nach zwei Weltkriegen mit Millionen Toten hätten die Deutschen immer noch nicht genug, schrieb Chefredakteur Alessandro Sallusti. „Jetzt kehren sie zurück, nicht mehr mit Kanonen, sondern mit Euro. Die Deutschen sehen sie als ihre Sache an, wir müssen alles hinnehmen, uns dem neuen Kaiser namens Angela Merkel unterwerfen, die nun auch bei uns zu Hause kommandieren will.“

Oh weh. Der Euro taugt offensichtlich nicht mehr als Klebstoff einer europäischen Einigung, er droht zum Lösungsmittel zu werden. Denn an anderer Stelle hieß es in der dortigen Presse: „Die Nazideutschen wollen uns Lektionen in Demokratie geben.“ Wann nur waren Italiener, die glauben, so etwas schreiben zu müssen, das letzte Mal in Deutschland oder haben dort eventuell lebende eigene Verwandte auch nur einmal angerufen? Die würden ihnen vermutlich ordentlich den Marsch blasen, um auch einmal selbst in der Sprachwelt der Italiener zu bleiben.

Deshalb halten wir hier auch selbstbewusst fest, dass es uns freut, dass die Italiener im Medaillenspiegel der Olympischen Spiele nicht mehr vor uns liegen. Das liegt auch am tollen Diskus-Erfolg von Robert Harting. Der übrigens ist nach seinem Olympiasieg beklaut worden, was zeigt, wie schnell man innerhalb und außerhalb des Stadions auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden kann. „Puuh, ich bin gerade ausgeraubt worden“, twitterte Harting. „Ich habe meine Akkreditierung für das olympische Dorf verloren.“

Harting ließ sich davon nicht aus der Bahn werfen - und dient nun auch dem FC Bayern München als Vorbild. Wie der Diskuswerfer nach dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in London sein Hemd zerriss, das habe ihm gefallen, sagte dort der neue Sportvorstand Matthias Sammer: „Wenn du außergewöhnlich erfolgreich sein willst, kannst du nicht normal ticken.“ Recht hat er - und meinte das, ganz anders als sonst im Fußball üblich, einmal ganz bestimmt nicht mit Blick auf die Italiener.

Denen empfehlen wir stattdessen die Bodenhaftung und für eigene Reformen den Durchhaltewillen unseres Gewichthebers Matthias Steiner: „Es gibt keinen Grund aufzuhören“, sagte der. 19 Stunden zuvor war ihm auf der Heberbühne die 196 Kilo schwere Hantel auf den Nacken gestürzt. „Die Schmerzen sind stärker als die Diagnose ist.“ Hm. Könnte das im übertragenen Sinne auch für unsere Nachbarn im Süden gelten? Andernfalls müsste man beinahe befürchten, dass es ihnen nach einer eventuellen „Rettung“ durch uns so geht wie dem besagten Eichhörnchen.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)

10.08.2012, 16:00 Uhr

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